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Ich bin eine einzige Baustelle

KeinName

Neues Mitglied
Hallo an alle!
Ich bin neu hier. Habe das Bedürfnis zu reden oder mich mitzuteilen, aber außer meiner Frau habe ich niemanden mit dem ich reden kann. Also war ich auf der Suche nach einer Plattform und bin hier gelandet. Keine Ahnung wie das gehen soll, oder ob es jemanden interessiert. Meine Psychiaterin meinte letztens ich bin eine große Baustelle. Ich habe soviele Themen, all die Jahre einfach nie auf mich geschaut. Ich komme mir da grad bissl komisch vor, schlechtes Gewissen das es wie "suddern" (jammern) rüber kommt. Geht es anderen genauso? Könnte mehr als eine A4 Seite schreiben nur zum Thema Arbeit. Der Druck ist immens,
es gibt einfach sovieles was mich belastet und fühle mich hilflos. So wie heute wieder speziell. Um 13 Uhr einen Termin mit dem Chef wo es in Prinzip um meine Zukunft geht. Das alles zu erklären müsste ich zuviel schreiben. Aber die letzten Tage bestanden nur Angst und Gedankenrasen, Magenschmerzen, Übelkeit, Tränen usw.
Manchmal denke ich, all die Medikamente die ich nehme helfen nicht. Bzw. will ich nicht wissen wie es mir gehen würde wenn ich sie nicht nehme. Eines meiner größten Probleme ist, ich kann nicht auf mich selbst schauen. Immer ein schlechtes Gewissen, egal um was es geht. Sowie heute bei dem Termin. Ich wäre im Recht, könnte sogar Druck ausüben. Aber ich habe Angst, ein schlechtes Gewissen wenn ich auf mein Recht bestehe, jemanden zu verärgern usw usw.
Bin auch in Gesprächstherapie (teilweise) und weiß woher dieses Problem her kommt (schlechtes Gewissen), aber ich kann es nicht abstellen.
Ich stelle jetzt keine dringende konkrete Frage, sondern einfach nur ufffffffff

LG
 
A

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Re: Ich bin eine einzige Baustelle
Hallo, willkommen im Forum!

Was du schreibst, wirkt überhaupt nicht wie "sudern", sondern eher wie jemand, der ziemlich lange viel getragen hat und jetzt merkt, dass es einfach zu viel geworden ist.
Allein zwei Dinge stechen raus, dass du kaum, außer deiner Frau, jemanden zum Reden hast und dass du sehr unter Druck und Angstreaktionen stehst bzw. leidest.
Gut, dass du eine Psychiaterin hast, die dir zur Seite steht und dir vermittelt, dass du viele Themen hast die viel Zeit brauchen und dass nicht alles hoffnungslos ist.
Es gibt viele, denen es ähnlich geht, gerade dieses: ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.
Und genau dafür ist so ein Ort wie dieser hier auch da.
Wenn du magst, kannst du auch einfach Schritt für Schritt erzählen, was dich bei der Arbeit so belastet.
Du musst hier keine perfekte, strukturierte Geschichte abliefern.
 
Hallo lieber TE,

du hast offensichtlich ganz schön viel zu tragen. Vielleicht magst du bei einer Sache ins Detail gehen?

Mir ist aufgefallen, dass da ganz schön viel von Ängsten die Rede ist. Bleib da dran, denn wenn die dich so in Beschlag nehmen, ist das nicht gut.

Deine Psychiaterin hat dich als „große Baustelle“ bezeichnet. Klingt ein bisschen komisch für meinen Geschmack. Aber das ist ja Ansichtssache. Was macht diese zuschreibung mit dir? Fühlst du dich darin gesehen? Oder löst es unangenehme Gefühle aus in dir? Kannst du mit dieser Deutung mitgehen?

Um beim Bild der Baustelle zu bleiben: Da liegt ja viel Potential drin.
Was an dir ist gelungen, gut „gebaut“?
Wo liegen deine Fundamente?
Welcher Teil der Baustelle hat Priorität?
Wenn du Über Nacht das perfekte Bauwerk werden könntest- wie sähe das aus? Oder vielleicht magst du auch vermeintlich kaputte Teile von dir?
 
Könnte mehr als eine A4 Seite schreiben nur zum Thema Arbeit.

Bekommst du keine andere Arbeit, gibt es nur diese eine Stelle?

Hast du Schulden? Auch wenn man dir noch so drohen würde, man kann keinem mehr nehmen, als er hat und muss zufrieden sein mit kleinen Raten...

Ist jemand grauslig zu dir? Das Recht hat niemand, der soll und muss dich in Ruhe lassen....

Hast du etwas angestellt...???

Bist du dabei etwas zu verlieren, das man irgendwann wieder ersetzen kann?

Was nimmt dir die Luft zum atmen? Was ist wert, dass du dich so fertig machst? Was würde passieren, wenn all das zusammenbricht, was du versuchst zu halten?
 
Was du schreibst, wirkt überhaupt nicht wie "sudern", sondern eher wie jemand, der ziemlich lange viel getragen hat und jetzt merkt, dass es einfach zu viel geworden ist.

Da würde nur helfen, dass alles zusammenbricht endlich.

Hallo lieber TE, hallo lieber KeinName- ist dir heute schon besser?

Gestern klangst du sehr aufgeregt. Ich hoffe für dich, dass du relativieren kannst- was ist ein Job wert, der hetzt, jagt, grauslige Panik macht? Lass diese Meute doch fallen und lass so eine Firma auflaufen, wo es dir so geht.
 
Meine Psychiaterin meinte letztens ich bin eine große Baustelle. Ich habe soviele Themen, ...
Hallo KeinName,
interessante Metapher ... mich würde interessieren, was für eine Baustelle das denn ist – was wird da gebaut? Bei "vielen Themen" womöglich ein Einkaufszentrum oder ein Bibliothek?

Und wegen der A4-Seite ... wenn du wüsstest, wie lange hier manche schreiben, um auch nur ansatzweise erklären zu können, worum es geht – das ist okay und Teil des Hilfeprozesses! Denn das Aufschreiben zeigt deinem Gehirn, dass du dich selbst und deine Themen wichtig nimmst. Zudem hilft die Versprachlichung dabei, Emotionen ins Vernunftszentrum zu übertragen und sie dort neu zu bewerten, zu versachlichen usw.

Also herzlich Willkommen hier und gutes Gelingen!
 
Mir persönlich hat es geholfen zu erkennen, dass fast alle Menschen eine einzige Baustelle sind. Alles ist in Unordnung, alles ist verstrickt, teilweise unlösbar und man wurschtelt sich durch's Leben. Das soll das nicht herunterspielen, aber ich sage mir dann: "Ich bin nichts Besonderes." Lustiger Weise geht es mir dann besser. Schlechtes Gewissen kann man nicht abstellen. Aber bewusst ignorieren.
 
Hallo!
Danke für die Rückmeldungen. Ich wollte gestern schon schreiben aber es war zu stressig.
Das Thema Arbeit zieht sich bei mir schon seit 4 Jahren so extrem hin. Ich sah mich damals gezwungen zu kündigen da mich ein Kollege psychisch fertig gemacht hat (fast 5 Jahre lang). Der mochte mich nicht und ließ mich das bei jedem Zusammentreffen spüren. Sein Lieblingsspruch war: Was kann ich tun gegen dich? Als ich meinen Chef um Hilfe bat, kam nichts zurück. Die Personalabteilung meinte dann "Wir haben 5000 Mitarbeiter, da ist eine gewisse Personalfluktuation normal, und wir können es nicht jeden recht machen."
Ich versuche seitdem in eine Firma zu kommen die zu mir passt bzw. wo ich mir vorstellen kann auf Dauer zu bleiben. Mittlerweile waren es 4 Firmen. Die eine hielt sich nicht an unsere vereinbarten Abmachungen wodurch meine Freizeit stark eingeschränkt wurde. Bei der nächsten wurde ich gefeuert weil ein Kollege mich nicht mochte. Da ich den ganzen Tag am PC arbeite gehe ich in der Mittagspause gerne raus an die frische Luft, spazieren usw. Der Kollege war ein sehr "sozialer Mensch" wo jede Mittagspause gemeinsam zu Tisch gesessen und gegessen wurde. Ich war ihm zu unsozial auf deutsch. Bei der letzten Firma wurde ich raus gemobbt. Wie sich raus stellte sind sie drauf gekommen das meine Position keine Vollzeitarbeit ist und so wurde ich zum kündigen "motiviert". Ich durfte dann kein HomeOffice mehr machen, dann wurde mir verboten vor 16 Uhr nach Hause zu gehen. Obwohl ich immer um 06:30 Uhr began zu arbeiten. Also täglich nicht ganz 1,5 Überstunden usw usw. Wenn man das liest könnte man meinen ich wäre eine schwierige Person und suche Mitleid. Und deshalb, je mehr Zeit verging umso mehr zog ich mich zurück und verlor das Vertrauen in andere Menschen und auch an die Arbeitswelt. Bei der aktuellen Firma bin ich seit 1. März 26. In den ersten 6 Wochen wurden 2 Kollegen von meinem Team gefeuert (zu oft Krank -> psychsiche Problem, und nicht die besten Mitarbeiter). Wie üblich wurden vor Arbeitsbeginn wieder Vereinbarungen getroffen, damit jeder weiß was er vom anderen erwarten kann. Eine dieser Vereinbarung wurde seit dem ich angefangen habe (also 2 Monate) nun bereits zum zweiten Mal geändert. Die Firma bietet einen gewissen Prozentsatz der Arbeitswoche von zu Hause aus zu arbeiten. Aus diesem Grund ließ ich mich trotz 70km Entfernung / Arbeitsweg darauf ein. Nun dieser Prozentsatz wurde auch schriftlich festgelegt, nur ist das denen iwie egal und es wird herum geeiert, du darfst nun erstmal kein HO machen, dann passte wieder alles, jetzt haben sie die % Zahl wieder reduziert bis auf unbestimmte Zeit. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln wäre ich jeden Tag 4h unterwegs. Am Morgen 2h zur Arbeit und am Abend net ganz auch wieder 2h heim. Wenn ich täglich mit dem Auto in die Firma fahre wären das im Schnitt 400€ pro Monat nur für Benzin - unleistbar. usw usw
Das war ein kleiner Ausschnitt aus dem Thema Arbeit. Sorry für den langen Text.
Ich habe schon seit 15 Jahren Depressionen, aber erst seit 4 Jahren, also wo der große Knall mit der Firma war, wurde mir bewusst das ich eigentlich nur noch funktioniere und schon lange nicht der Mensch bin der ich mal war. Und seit 4 Jahren befinde ich mich auf einer Odyssey, Arbeit zu finden die OK ist und wieder gesund zu werden. Mit dem Ergebnis viele Erkenntnisse gewonnen zu haben über mich selbst aber nicht geschafft etwas zu verbessern.

@Werner: Bibliothek wäre cool aber mein Kopf gleicht eher einem verlassenen Lagerhaus, so vergesslich wie ich mittlerweile bin. (Das ist auch eine Baustelle, zumindest für mich)

@Hollunderzweig: Ja wir haben Haus gebaut. Also einen Hauskredit laufen bis ich 70 Jahre alt bin. Dementsprechend ist ein sehr großer Druck dahinter immer genügend Geld nach Hause zu bringen.

@WasserMisty: Nein ich mag keine kaputten Teile an mir. Ich kann mich nicht mal im Spiegel ansehen. Der Selbsthass ist schon sehr groß.

LG
 
und schon lange nicht der Mensch bin der ich mal war.
Darf ich nachfragen, was du denn am meisten "von damals" vermisst?

Vielleicht lässt sich daraus ein erstes Zwischenziel auf deiner Odyssee (keine Ahnung, wie man das schreibt) – da kam der Held ja auch erst nach einer längeren Zeit und mit vielen neuen Erfahrungen ans Ziel 😉
 

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