Was du schreibst passt genau, ich denke mein Freund wollte eher nicht sehen. Aber der Therapeut hat ähnlich gefragt wie du. Da hat sich mein Schatz ganz schön in Widersprüche verwickelt.
Jetzt sieht er manches (aber nur weil der Therapeut in darauf hinweist), aber meist hält es nie lang an.
LG
Hallo, Miria,
das „nicht sehen wollen“ hat aus meiner Sicht seine Ursache
a) in dem „nicht-tragen-können“ von Verantwortung
b) in dem „nicht-tragen-wollen“ von Verantwortung.
Nicht-tragen-wollen
Dabei sehe ich wieder in dem „nicht-tragen-wollen“, dass es sich oft um eine beziehungsfeindliche Einstellung handelt, so in dem Sinne „was habe ich damit zu tun?“ Jeder ist doch seines Glückes Schmied. Und wenn meine Partnerin unglücklich ist, dann hat sie beim Schmieden Fehler gemacht. Das sind ihre Fehler – die sie ausbaden bzw. korrigieren soll. Ein solcher Mensch, der so denkt, ist zu großer und wahrer Liebe nicht bereit.
Ergänzend will ich hinzufügen: Selbstverantwortung für sein eigenes Glück bleibt immer auch bei Dir. Der Partner übernimmt lediglich Mit-Verantwortung.
Andererseits kann das „nicht-tragen-wollen“ ein Hinweis auf „nicht-tragen-können“ sein. Er will nicht tun, was er nicht gelernt hat und deshalb nicht kann.
Nicht-tragen-können
Verantwortung für den Partner übernehmen ist etwas, was in der Familie bzw. Kindheit gelernt wird, gelernt werden sollte.
Die Sprache der Liebe funktioniert nur, wenn man auch die Grammatik beherrscht. Ohne Grammatik (Verantwortung) sind es Vokabeln, die sinn- und weitgehend wertlos aneinandergereiht werden.
Für das in der Kindheit Nicht-gelernte kann Dein Freund nichts. Aber er kann sich jetzt dazu entscheiden, Nachhilfeunterricht zu nehmen. Stell‘ Dir einfach einen kleinen Jungen namens Verantwortung vor, der in dem großen Mann (Deinem Freund) steckt. Dieser kleine Junge steht evt. auf der Stufe eines 5-jährigen. Wie bringt man dem kleinen Jungen bei, zu lernen, was zu lernen ist? Da er in einem Mann lebt, ist Feingefühl erforderlich – aber auch das offene Bekenntnis dieses Mannes, lernen zu wollen. Und dann benötigt der „kleine Junge“ praktische Regeln und Aufträge. Der kleine Junge ist zum Mann gereift, wie der Körper, in dem er steckt, wenn er Verantwortung nicht mehr als lästige Pflicht sieht, sondern als liebevollen Dienst, der ihr und ihm Freude bereitet.
LG; Nordrheiner