Der Notendurchschnitt spricht zunächst mal ganz und gar nicht für eine Hochbegabung, zumal den Abiturient(inn)en heute die Eins vor dem Komma ohnehin regelrecht nachgeschmissen wird. Vor 30 Jahren war der Prozentsatz derer, die eine Eins vor dem Komma hatten, noch viel geringer als heute. In meinem Jahrgang (Abitur 1982) hatten von 112 Abiturienten höchstens 10 (nach meiner Erinnerung eher weniger) eine Eins vor dem Komma, d.h. weniger als 10 %. Heute haben die Lehrer viel zuviel Schiss vor den Eltern, die ihre Kinder alle für genial begabt halten, und der Schulaufsicht, mit der die Eltern wegen jedes Fliegenschisses drohen. Ein sog. Einserabitur hat keinen Wert und keine Aussagekraft mehr, wenn 25 bis 50 % eines Abiturjahrgangs es bekommen. Die jungen Leute bekommen dadurch ein falsches Selbstbild und überschätzen sich völlig.
Und wer in der heutigen Zeit schon nur eine 2,9 hat, der hätte vor 30 Jahren das Abitur wahrscheinlich gar nicht oder bestenfalls mit knapper Not bestanden, vielleicht auch erst im 2. Anlauf. Die Folge, wenn man mit einem solchen Pudding-Abitur studiert, ist dann Versagen im Studium (denn die Hochschulen senken ihre Anforderungen wegen der inflationären Vergabe von Einserabiturnoten auf den Gymnasien nicht), und letztlich landen die jungen Leuteberuflich und gesellschaftlich dann vielfach doch nur bestenfalls in der unteren Mittelschicht oder in der oberen Unterschicht. Nun gut, wenn man alle, die mehr erreicht haben, pauschal als arrogantes Cocktailschlürferpack abqualifiziert, will man ja vermutlich sowieso lieber in den einfachen Verhältnissen bleiben, aus denen man stammt. Nur: Was haben solche unmotivierten und unambitionierten Leute dann auf den Gymnasien und Universitäten zu suchen?
Dennoch ist eine Hochbegabung nicht völlig ausgeschlossen, denn der schlechte Notendurchschnitt könnte ja lediglich auf Faulheit beruhen. Die Hochbegabung nehme ich dem/der TE aber nur ab, falls er/sie von einer seriösen Organisation daraufhin getestet und ihm/ihr dabei eine Hochbegabung attestiert wurde. Denn auch die Art und Weise, wie er/sie sich ausdrückt, lässt nicht gerade auf eine überdurchschnittliche Begabung schließen, zumindest nicht im sprachlichen Bereich.
Bezeichnenderweise macht der/die TE keinerlei Aussage dazu, ob seine/ihre angebliche Hochbegabung von einer kompetenten und dafür qualifizierten Organisation/Person diagnostiziert wurde...