@ EngelDerSchutzsuchenden,
tut mit leid für dich dass du auch Pech mit deinen Eltern hattest...hatte ich auch...habe das allerdings anders gelöst.
Meine Eltern haben mich sehr enttäuscht, meine Mutter war eine hystersiche, emotional kalte Frau, mein Vater ein gewalttätiger menschenverachtender Tyrann...ab meiner Kindheit, anfangender Pubertät habe ich mich daher innerlich abgewandt, konsequent gelöst und angefangen mir selber ein Leben aufzubauen, habe Kontakt zu Menschen gesucht, die besser für mich waren. Da ich mich innerlich gelöst hatte waren meine Eltern sehr schnell unwichtig und nicht mehr als sowas wie Dreck unterm Schuh für mich, den man abstreift und halt sein Leben lebt...Die Macht meines Vaters habe ich gebrochen indem ich ihn eines Tages als er mich verprügeln wollte selber angegriffen habe, ihn massiv bedroht habe, damit hat er dann Ruhe mir und auch meinen Geschwistern gegeben...zumindest was die Schläge anging...der Psychoterror ging dann erst richtig los, aber erreichte nie sein Ziel....Dreck unterm Schuh hat ne ziemlich unverständliche STimme...da rein-da raus ausm Ohr...außerdem waren uns unser Vater und auch unsere Mutter intellektuell eh unterlegen...da lohnte also die ganze Aufregung nicht, man wandte sich ab und befasste sich mit wichtigeren Dingen. Ich und meine Schwestern waren auch früh weg von zu Hause...aber nicht in eine Ehe...sondern erstmal ins pralle Leben...andere Stadt, Studium, Jobs, neue Freunde....Lebenserfahrung sammeln, erstmal gucken was man eigentlich will....Diese Zeit war meine Art der Therapie und Vergangenheitsverarbeitung...diese Zeit habe ich ganz für mich gebraucht und mir diese Zeit genommen, was genau das Richtige gewesen war.
Ich rate dir dringend einen guten Schulabschluss nachzuholen und finanziell unabhängig zu werden. Eine Ehe geht oft sehr schnell schief, wenn man zu unselbständig ist und du (emotional, finanziell) zu abhängig von deinem Partner bist, der missbraucht ggf. seine Macht irgendwann und behandelt dich genauso schlecht wie deine Eltern...Es wäre nicht das erste Mal dass das so ablaufen würde und Ex-Opfer ihrer Eltern zu neuen Opfern ihrer Beziehungspartner werden....weil sie den Fehler machen an das Märchen vom rettenden Prinzen zu glauben oder zu erwarten, dass immer anderen ihren Job erledigen für sie zu sorgen und sich somit anderen zu sehr ausliefern.
Aus einer schlechten Kindheit sollte man an sich ne klare Lehre ziehen: verlass dich mal sicherheitshalber lieber auf dich selber wenn es um die ganz entscheidenden Dinge geht. Dazu muss man natürlich genügend SElbstbewusstsein aufbauen und lernen sich genügend zuzutrauen...ich habe gelernt: ich kann so ziemlich alles, was ich mir vornehme erreichen, wenn ich es genügend will und bereit bin dafür hart zu arbeiten oder zu kämpfen. Kannst du auch!! Musst es dir nur selber zutrauen, dass ist der entscheidende Schritt.
Du solltest sehr viel an deinem Selbstbewusstsein abeiten und zusehen, dass du unabhängig genug bist, dann gelingt auch deine Ehe...es sei denn dein Partner ist so ähnlich drauf wie deine Eltern und steht auf ein unreifes, unselbstständiges Geschöpf, dass massiv von ihm abhängig ist...womit er (viel zu viel) Macht über dich hat. In diesem Fall wäre es besser du meidest solche Typen.
Wenn dein derzeitiger Mann dich wirklich liebt und achtet wird er es toll finden und dich von alleine dazu motivieren und dabei unterstützen einen anständigen Schulabschluss nachzuholen, zu arbeiten (Arbeit, Job, Beruf ist wichtig fürs Selbstbewusstsein, denn gesellschaftliche Anerkennung läuft über Beruf, also finanzielle "Fitness") , so wie er auch arbeiten sollte damit dann nicht umgekehrt ne Ausbeutungskiste läuft...Abendschule ist super...ziemlich leicht...meine Schwester hatte auch die Schule seinerzeit abgebrochen und dann per Abendschule ihr Abi nachgeholt...und hat nun einen superJob im Sozialbereich...zwar nicht sehr hohe Bezahlung, aber sie kann sich 3 Jahre Mutterschaftsurlaub etc. leisten ohne Gefahr gekündigt zu werden etc.
Wenn dich Sozialarbeit interessiert hol den Schulabschluss nach, mach Praktika, lass dich ausbilden, dann kannst du auch was für sozial Schwache, ggf. Kinder TUN! Aber zuvor solltest du um richtig helfen zu können in der Lage sein dir selber zu helfen, erwachsen werden, lernen dich abzugrenzen. Ohne Abgrenzungsvermögen und mit deiner Vorgeschichte würdest du ansonsten im Sozialbereich scheitern und ausbrennen...Dazu muss man schon ziemlich tough sein um auf Dauer damit klar zu kommen. Menschen, die selber nicht mit sich klar kommen sollten eher die Finger davon lassen oder aber zuvor dafür sorgen besser mit sich klar zu kommen, ihre Vergangenheit gut verarbeiten, damit man sich selber nicht ständig in anderen Einzelschicksalen wiedersieht und andere mit sich selber verwechselt od.ä. und man innerlich an sich immer sich selber helfen will und gar nicht so sehr den anderen....nennt sich Helfersyndrom sowas.
Dein Motto sollte also lauten: nicht jammern und an der Vergangenheit anhaften, deine Zeit nicht für Hass auf deine Eltern oder dich selber vergeuden, sondern voran gehen in die Zukunft, etwas tun und leisten, damit du zu einem freien, unabhängigen Menschen wirst...Wenn deine Eltern versagt haben muss das nicht heissen, dass du an dir selber versagen musst.
Wenn der Frust auf die Vergangenheit zu groß, belastend und entwicklungshemmend ist: SOFORT in Therapie, diese Altlasten abarbeiten...damit du mehr freikommst um deine Kraft für wichtigere Dinge einsetzen zu können.
Es ist dein Leben, du bist nun volljährig und voll verantwortlich dafür wie du denkst, was du tust, wie du dein Leben gestaltest ...es liegt also ab hier und heute einzig an dir!
Tu das Richtige (so wie ich es damals getan habe) und du wirst glücklich werden und v.a. auch bleiben. Für sein Glück muss man natürlich schon ne Menge tun..immer wieder...lebenslang..immer an sich arbeiten, sich weiter entwickeln...etc. Wenn man einmal drin ist im Rhytmus und geschnallt hat worum es geht klappt es nach einer WEile an sich ganz easy.
Für Menschen mit einer belastenden kindheit ist oft der Anfang recht schwierig...und sie werden auch immer wieder in einigen Lebenssituationen mehr Schwierigkeiten als andere haben, für manche Dinge einfach mehr Zeit benötigen....aber was soll's! Ist nicht zu ändern, da muss man dann halt durch und sich durchbeißen und seinen ganz eigenen Weg für sich finden.
Tyra