J
Joey_Silver
Gast
Mag man sich kaum vorstellen, aber solche Geschichten kenne ich auch. Ich bin nur einmal als Begleiter mit im Amt gewesen und ich habe seltenst in meinem Leben eine derart widerliche Behandlung über mich ergehen lassen müssen. Da wird man am Empfang schon als Vollidiot behandelt, weil man keinen Termin bei seinem "PAP" gemacht hat. Ich habe die Frau aus großen Augen angeglotzt und gefragt: Bitte wie?Auf jeden Fall gehören einige Demütigungen zum Alltag der Hartz IV Empfängern.
Ich denke hier ganz besonders an eine Bekannte von mir. Sie ist Hartz IV Empfängerin ist, aber gleichzeitig alleinerziehende Mama. Manchmal ist sie so richtig erschöpft - der Alltag mit Kindern kann wirklich anstrengend sein- und weint sich dann manchmal bei mir aus. Ich bin Mama, ich kann sie verstehen. Sie hat halt alles allein zu tragen. Aber sie befürchtet oft, dass, wenn sie mit anderen Leuten über ihre Probleme sprechen würde, die Meisten in ihr vor allem die Hartz IV Empfängerin sehen würden, und Vorurteile haben würden. Deswegen bleibt sie mit ihren Problemen oft allein, und bemüht sich, zu verstecken, dass sie Hartz IV bekommt.
Was ich auch traurig finde, ist, wie der Jobcenter einem auch zermürbt. Einige Hartz IV Empfänger fühlen sich wie permanent gejagte Tiere, die nie in Ruhe gelassen werden. Am Freitag zittern sie besonders. Weil Briefe vom Jobcenter besonders oft am Freitag ankommen.
Mancher Hartz IV Empfänger hat wegen solcher Briefe ein schlechtes Wochenende verbracht, und sich nicht getraut, mit anderen darüber zu sprechen, auch aus Angst vor Vorurteilen. Er hat dann das ganze Wochenende zitternd, grübelnd und weinend in seiner Wohnung verbracht, und nicht schlafen können. Kann man sich das vorstellen ?
Sie: Na ihr PAP *Augen roll*
Ich: Könnten Sie mir das kurz erklären, was das bedeuten soll?
Sie: Ihr Persönlicher AnsprechPartner.
Die Frau, die später mit uns sprach, war eine ungeduldige, unsympathische und arrogante Frau, die sich auf meine Fragen hin immer auf "Ich bin dafür nicht zuständig" zurückzog. Auf die Frage, wer es dann sei, antwortete sie nicht.
Es war mit der Frau nicht möglich, vernünftig zu reden geschweige denn eine Lösung zu finden.
Insofern kann ich das, was du schreibst, Bernadette, bestätigen. Wenn man in einer Zwangsbegegnung mit dem Amt jede Woche so behandelt wird, ist das kein Wunder, dass man richtig Angst bekommt. In dem Fall, wo ich mit war, war das Problem, dass die Betroffene schon vorher eine Angst- und Panikstörung mit Sozialphobie hatte und dass sie deshalb ohnehin fast wahnsinnig vor Angst war.
Insofern müsste man diesen Leuten dringend auf einer anderen Ebene helfen. Gegen die Behandlung im Amt kann man nichts machen, gegen die Schikane (bzw. "Fehler"), die da passieren, schon. Und man kann den Leuten sagen, dass Hartz IV keine Eigenschaft ihrer Person ist und dass sie sehr wohl etwas wert sind.
Finde das echt gut, dass du das bei deiner Freundin machst 🙂
Wenn der TE hier zB Freunde und Verwandte hätte, die ihn aufbauen und ihn durch die Zeit emotional stützen, würde er denk ich auch weniger Probleme mit der "Hetze" haben.