Danke fürs Nachfragen, das bedeutet mir mehr, als man vielleicht denkt. Ich versuche, ehrlich zu antworten, auch wenn ich selbst nicht weiß, wo ich stehe.
Körperlich ist es etwas besser geworden. Der Dauer-Alarmzustand hat nachgelassen, seit nicht mehr nur die Angst da ist, sie zu verlieren, sondern auch Wut. Dafür kommt die Nervosität und ich kann mich auf nichts konzentrieren.
Entschieden habe ich nichts, und das ist der eigentliche Punkt.
Ich stecke in einem Zwiespalt, aus dem ich nicht rauskomme. Auf der einen Seite weiß ich, dass mir diese Beziehung in vielen Punkten nicht guttut. Ich sehe das inzwischen klar, ich kann es benennen, ich kann es sogar aufschreiben. Ich halte es sogar für möglich, dass Gehen die richtige Entscheidung wäre.
Auf der anderen Seite bin ich einfach nicht in der Lage dazu. Ich empfinde eine so starke Bindung zu ihr, dass sich der Gedanke ans Gehen nicht wie eine Entscheidung anfühlt, sondern wie etwas, das ich körperlich nicht kann. Ich weiß nicht mal, wie man das praktisch macht. Und ich habe große Angst davor, ohne sie zu sein.
Dazu kommt, dass die guten Dinge wirklich gut sind. Das ist keine Schönfärberei. Wir haben schöne Tage, wir lachen, ich kann bei ihr komplett ich selbst sein. Wenn sie da ist, geht es mir besser. Und genau das macht es so schwer, denn ich kann die schlechten Dinge nicht einfach gegen die guten aufrechnen und dann eine Summe bilden. Beides ist gleichzeitig wahr.
Der Kreislauf sieht so aus: Ich sitze da und es ist gut. Dann kommt ein Gedanke, ein Satz, den sie gesagt hat, und die Bilder von dieser Nacht sind wieder da, sehr detailliert. Dann denke ich, damit will ich nicht leben, auf keinen Fall. Und dann sehe ich sie wieder einfach nur als den Menschen, den ich liebe, ohne das alles, und will bleiben. Das wechselt manchmal innerhalb einer Stunde. Ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, dass sich irgendwann von innen eine klare Antwort meldet, die mir sagt, was richtig ist. Ich glaube inzwischen, dass dieser Moment nicht kommt.
Es kommen auch immer noch neue Details ans Licht, zuletzt wieder eins. Ich merke, dass ich in diesem Zustand zu jemandem werde, der ich nicht sein will. Vorletzte Nacht bin ich verletzend geworden und habe gezielt Sachen gesagt, die wehtun sollten. Das habe ich vorher nicht gekannt von mir.
Eine Antwort habe ich also leider nicht. Nur die ehrliche Auskunft, dass ich gerade ziemlich verzweifelt bin und mich das innerlich auffrisst und ich nichtmal weiß, wie ich ab nächster Woche wieder mit der Ausbildung weitermachen soll, weil ich an nichts anderes mehr denken kann.