Muss dir zustimmen, Sissi.
Ich bin eine dieser Sachbearbeiterinnen, Beamtin und dabei seit es die ARGE gibt (also 01.01.2005).
Zunächst mal, es ist wirklich eine Endlosdiskussion, wo man beide Seiten verstehen muss.
Wir sollen uns als Dienstleister verstehen....aber mir mag das nicht gelingen. Wäre ich meinetwegen Friseurin, müsste ich wohl notgedrungen nett zum nervigsten Kunden sein....der bezahlt mich ja schließlich...
Sicher, ich als Mitarbeiterin einer Behörde bin dafür da, den Menschen zu helfen, sie korrekt zu beraten, höflich zu sein. Auch ich werde aus Steuergeldern bezahlt.
Aber manchmal kann ich mit meiner Meinung nicht hinter dem Berg halten...
Was mich stört, sind nicht mal nur diejenigen, die schwarz nebenbei arbeiten oder mir ihren gutverdienenden Lebensgefährten verheimlichen.
Da denke ich mir immer "wenn du selbst in so einer Notlage wärst, dann würdest du auch nicht angeben, wenn deine Mama dir 50 € schenkt!"
Was mich richtig frustriert, ist die fehlende Eigenverantwortung.
Viele unserer Kunden sind es gewohnt, dass sie über die Probleme des täglichen Lebens gar nicht selbst nachdenken....einfach zur ARGE gehen, dort wird es geregelt.
Erst gestern hatte ich eine junge Mutter da, 3 kleine Kinder, Nr. 4 unterwegs, alleinerziehend.
Sie hatte keine Heizkosten nachgewiesen, also hab ich ihr auch keine gezahlt. Habe ihr 2 Briefe geschickt und diesen Nachweis angefordert. Die Stadtwerke schickte ihr mehrere Mahnungen. Sie reagierte nicht. 8 Monate lang.
Dann wurde der Strom abgestellt, erst dann machte sie sich Gedanken, tauchte bei mir auf und verlangte, dass ich innerhalb von Minuten ihr Problem löse.
Was für ein Vorbild ist sie ihren Kindern? Warum muss ich als 26-jährige junge Frau Menschen, die bedeutend älter sind als ich, an die Hand nehmen und ihnen die Welt erklären? Warum verlassen die sich auf mich, statt auf sich selbst?
An solchen Tagen fällt es mir schwer, zu den anderen Kunden noch nett zu sein, da bin ich ganz ehrlich.
Ich war früher ein naiver, leichtgläubiger, behüteter und in Allem das Gute sehender Mensch....und nun bin ich oft richtig zynisch und nehme zunächst mal an, veräppelt und verarscht zu werden.
Mir ist die Brisanz dieses Themas durchaus bewusst. Strunzdoofe Sendungen wie die "Sozialfahnder" machens nicht grade besser, und man muss aufpassen, nicht in Stammtischparolen zu verfallen.
Aber glaubt es einfach...die Kunden die zu uns kommen haben ALLE Probleme, finanzielle sowieso, sonst wären sie nicht bei uns, meist auch familiäre, psychische...bei manchen weiß man schon, die werden nie aus diesem Teufelskreis ausbrechen, und ihre Kinder werden es so weiterführen, weil die es nicht anders kennen, da helfen weder gute Worte noch Sanktionen, da muss von oben was passieren.
Wenn man also tagtäglich von negativen Schicksalen umgeben ist...kann man es da nicht verstehen und auch nachsehen, wenn die Freundlichkeit oft leidet? Die meisten bemühen sich sicher, ich mich auch, aber manchmal ist das nicht so einfach...
Liebe Grüße
Charinida