Wisst ihr eigentlich, in welchem Gesellschaftssystem die Menschen am glücklichsten waren? Nein?
Im europäischen Mittelalter!
Wenn diese Behauptung überhaupt entfernt zutreffen sollte,
dann können die Menschen damals m.E. nur deshalb glücklicher gewesen sein, weil sie schlicht weniger Zeit zum Unglücklichsein gehabt haben dürften.
Wenige wurden älter als ca. 40 und die Tage bis dahin dürften - zumindest für die unteren Stände - mit schwerer körperlicher Arbeit ausgefüllt kaum genügend Freiraum geboten haben, Gedanken über das eigene Glück nachzuhängen.
Ein Nachtleben war wegen fehlender Elektrifizierung wohl ebenfalls weitgehend unbekannt, von Freizeitaktivitäten und Urlaubsreisen (gelegentliche Kreuzzüge mal ausgenommen) im heutigen Sinne ganz zu schweigen.
Im Gegenteil, ich vermute viel eher, dass diejenigen, die durch Geburt in einen Stand, der ihnen eigentlich nur ein trostloses Erdendasein erlauben konnte, all ihre Hoffnungen in ein paradiesisches Jenseits gelegt haben, dem sie durch ein gott- (bzw. dem Klerus) gefälliges Leben im Diesseits oder zur Not auch durch den Erwerb von Ablassbriefen näherzukommen glaubten.
Im Hinblick auf das Glück, das sich von einer relativen Zufriedenheit aus dem Wissen, wohin man in einer Gesellschaft gehört, speist, magst Du allerdings recht haben, dass ein Kasten- oder Standeswesen, wie es im Mittelalter geherrscht hat, dem zuträglicher ist, als die heutige Verlorenheit vieler in der Globalisierung der industrialisierten Welt.
Gast meinte:
Wollten wir also diesen Zustand wiederherstellen, bedeute dies:
1. Die Demokratie wird abgeschafft.
2. Alleinige Autorität hat wieder der Papst.
Wohl in der Theorie oder als ultima ratio.
In den meisten Fällen dürfte aber der jeweilige Landesfürst oder Lehnherr die lokale Autorität gewesen sein, denn Rom war oft weit.
Ausserdem dürfte es spätestens seit 1517 mit der alleinigen päpstlichen Autorität auch nicht mehr überall soweit her gewesen sein (aber die Reformation fällt ja wohl nicht mehr ins Mittelalter?)
Gast meinte:
5. Schulen und Universitäten werden geschlossen. Bildung findet ausschließlich im Kloster statt.
Bereits die ältesten deutschen Universitäten waren meines wissens nicht-kirchliche Gründungen, wenngleich wohl noch die Theologie für eine Weile dort eine dominierende Rolle spielte.
Was hat aber eigentlich der Exkurs ins Mittelalter mit den Symbolen der DDR zu tun?
Ich glaube, selbst die DDR-Ideologen sahen im mittelalterlichen Menschen keine (im Sinne der Ideologen) glücklichen Wesen, zumindest nicht so lange, als bis sie sich z.B. einem Thomas Müntzer anschlossen, um den ersten Schritt zur
sozialistischen Menschwerdung zu tun,
wie es schön z.B. in Tübkes Auftragswerk in
diesem Monumental-Panoramabild in einer Rotunde zu besichtigen ist.