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Häusliche Gewalt im Umgangsverfahren

Betzo

Neues Mitglied
Guten Tag zusammen,
vor sieben Jahren, als mein Sohn ca. ein halbes Jahr alt war, habe ich mich von seinem Vater aufgrund von häuslicher Gewalt getrennt. Wir waren zuvor sehr lange ein Paar und in den letzten zwei Jahren auch verheiratet. Mit der Trennung verstärkten sich die gewalttätigen Übergriffe. Ich war durch meine emotionale Situation fast vollständig isoliert von der Außenwelt, ohne Arbeit, mit Hund und einem Säugling. Ich hatte starke Depressionen, weil ich einerseits völlig überlastet war 24/7 für ein kleines abhängiges Wesen zu sorgen, andererseits die Trennung nicht die erhoffte Ruhe in mein Leben brachte, sondern die Angriffe, Demütigungen und Drohungen so stark zunahmen, dass ich keinen positiven Sinn mehr in meinem Leben entdecken konnte. Mein Sohn würde es überall besser haben als bei mir. Ich fühlte mich als Versagerin als Mutter und als Mensch. Ich wusste, dass ich soziale Kontakte knüpfen und mir Hilfe suchen musste, dass ich einen guten Job finden muss und unser Leben regeln. Ich habe all das geschafft. Ich habe eine Therapie begonnen und eine Arbeit gefunden und meinen Sohn in die Kita eingewöhnt und uns ein neues Leben aufgebaut. Ich habe neue Freunde gefunden und alte Freundschaften wieder verfestigt. In der gesamten Zeit stalkte mich der Vater meines Kindes, setzte mich finanziell und psychisch stark unter Druck, es gab bei den Kindesübergaben auch körperliche Übergriffe, wie schon vor der Trennung. Nachdem er sich in den ersten zweieinhalb Jahren nicht um sein Kind kümmern wollte, es sei denn, ich würde auf seine Bedingungen im Zuge der Scheidung eingehen, versuchte ich beim JA den Umgang zu regeln. Zunächst kam er dann zwei Mal pro Woche nachmittags zu uns nach Hause und kümmerte sich nach der Kita um unseren Sohn, zu sich mitnehmen wollte er ihn nicht. Das bedeutet, er hielt sich in dieser Zeit weiter in meiner Privatsphäre auf und ließ bei jeder einzelnen Übergabe seiner Verachtung und seinem Hass mir gegenüber freien Lauf. Ich hatte sein Leben zerstört, ich hatte ihm die Familie weggenommen, sein soziales Eigentum. Als mein Sohn ca. 3 Jahre alt war, lernte ich einen Mann kennen und wir verliebten uns. Als dies einige Zeit später der Vater meines Kindes mitbekam, brach eine neue Welle der Gewalt herein. Ich wäre sein Eigentum, er würde mir das Leben zur Hölle machen. Und das tat er auch. Während ich ihn darum bat, unseren Sohn jetzt in der Papazeit bei sich zuhause zu betreuen und evtl. auch an einem Wochenende pro Monat zu übernehmen, schrieb er mir täglich Nachrichten, was ich für eine Drecksf* wäre und dass er sich nun gar nicht mehr kümmern würde. Gleichzeitig machte er diesmal selbst einen Termin beim Jugendamt, um sich dort als leidender Vater, dem das Kind entzogen wird, darzustellen. Bei dem anschließenden Termin wurde dann der Umgang mit Übernachtungen festgelegt. Jetzt war es zwar so geregelt, dass ich dachte, durchatmen zu können, aber es sollte noch weitere anderthalb Jahre dauern, bis er sich damit abzufinden schien, dass ich nun einen neuen Partner hatte und es feste Zeiten gab, zu denen er sich um seinen Sohn kümmern sollte. In dieser Zeit lief dann auch die Scheidung und ich habe auf vieles Materielle verzichtet, um so schnell wie möglich aus der wirtschaftlichen Verbindung herauszukommen und mir ein eigenes neues Leben aufzubauen. Ich zahlte Miete in meinem eigenen Haus, Unterhalt für mich selbst hatte ich nie bekommen, für meinen Sohn bis dahin unregelmäßig. Ich hatte Ersparnisse und ein gutes Einkommen, mit dem mein Kind und ich gut klarkamen. Mein Exmann verdient in etwa das Vierfache und ist in einer hohen Position in einem bekannten Unternehmen beschäftigt. Er ließ mich vor der Scheidung jeden Monat um den Kindesunterhalt bitten. Schließlich, als alles Rechtliche geklärt war, suchte ich ein neues Zuhause für uns, so dass ein Umzug vor dem Eintritt in die Grundschule stattfinden könnte. Ich fand mit meinem damaligen Partner ein sanierungsbesürftiges Haus in der Nachbarstadt und wir planten den Umzug für ein halbes Jahr später. Mein Exmann war zu dieser Zeit relativ umgänglich, er hatte viele Probleme mit unserem Sohn, wenn dieser bei ihm war und beklagte sich häufig und rief mich während der Umgangszeiten an. Er bat mich nicht um Hilfe oder wollte etwas verstehen, er wollte sich nur beklagen. Wenn ich meinen Sohn im Hintergrund weinen hörte, brach es mir das Herz, ihn nicht sofort abholen zu können, sondern meinen Exmann dabei unterstützen zu müssen, das selbst zu schaffen. Von Anfang an hatte ich mir geschworen, dass ich die Rollen trennen würde, um nicht wahnsinnig zu werden, dass ich meinem Sohn die bestmögliche Vater-Sohn-Beziehung verschaffen würde, die ich nur kann. Dass ich seinen Vater unterstützen und niemals schlecht über seinen Vater mit meinem Sohn reden würde, dass ich bei den Übergaben freundlich und konstruktiv bleiben und seinen Vater auch an den wichtigen Ereignissen in seinem Leben würde teilhaben lassen, egal, was dieser Mann mir angetan hatte. Ich glaubte, mit seinem Sohn würde er ein anderes Verhältnis haben als mit mir. Ich war sein Putzlappen, seine Sklavin, sein Mülleimer gewesen. Ich hatte einfach nur durch meine ständige Anwesenheit in seinem Leben im Lauf der Jahre immer mehr diese Rolle eingenommen und weil ich mich selbst zunehmend für schwach und wertlos hielt, konnte ich dieses Gefüge weder durchschauen, noch mich daraus lösen. Als mein Sohn im mir wuchs, schließlich geboren wurde und mich brauchte, verstand ich zum ersten Mal, dass die massive Gewalt und Unterdrückung, der ich ausgesetzt war, nichts mit mir zu tun hatte und mein Kind nicht in einer solchen Situation aufwachsen dürfte. Nach unserem Umzug in die Nachbarstadt trennten mein damaliger Partner und ich uns, da seine Kinder nicht mit der neuen Situation klarkommen und er keinen Weg für sich finden konnte, damit umzugehen. Da waren wir nun, mein Sohn und ich. Neue Umgebung, neuer Kindergarten, ein altes noch unfertige Haus mit einem hohen Kredit. Dann starb unser Hund, der mich 10 Jahre begleitet hatte und ich kämpfte mit der Trauer. Ich kämpfte auch mit meinem Sohn, dem all diese Veränderungen schwer zu schaffen machten, nur deswegen, weil es mir nicht gut ging und ich ihm kein guter Halt sein konnte. Ich traf eine Entscheidung, ich würde den Kredit allein übernehmen, ich würde uns an diesem Ort ein neues Zuhause schaffen und niemand von außen würde unser Leben mehr so beeinträchtigen, dass ich jemals wieder in ein Loch falle. Nun leben wir zwei Jahre an dem neuen Ort, wir haben Freunde gefunden und meinen Sohn ist sieben Jahre alt und hat das erste Schuljahr super hinter sich gebracht, wird immer selbstbewusster und selbstständiger. Wir haben letztes Jahr einen alten Hund aus dem Tierheim aufgenommen und machen unser Haus gemeinsam schön.
Vor einigen Monaten stellte sich heraus, dass sein Vater eine Partnerin hat, zum ersten Mal seit der Trennung. Mit einer Tochter; ähnlich alt wie unser Sohn. Das erste, was mich durchspülte; war unendliche Erleichterung. Endlich würde der Fokus seines Vaters von mir verschwinden. Die sexuellen Anspielungen, die Eifersucht mit dem anschließenden Psychoterror; jedes Mal, wenn mein Sohn von einer männlichen Person in unserem Leben erzählte. Endlich würde mein Sohn in der Papazeit mal etwas Schönes unternehmen. Sein Vater ist komplett sozial isoliert, hat keine einzige Bezugsperson in seiner Umgebung und all die Jahre bin ich natürlich bei jedem beruflichen oder privaten Ausfall für seine Betreuungszeit eingesprungen. Wannimmer er keine Lust oder Zeit hatte, unser Kind zu betreuen, war es bei mir. Großeltern (meine Eltern) sind alt und weit weg; die anderen sind beide Alkoholiker. Und so dachte ich also, alles wird nun einfacher und besser. Ich habe nicht glauben können und bin grade dabei, aufs Neue zu verarbeiten, dass eine neue Hölle hereingebrochen ist. Nun soll unser Sohn plötzlich im Wechselmodell über zwei Städte hinweg leben, der Ton bei den Übergaben wird wieder extrem aggressiv, abwertend oder eiskalt, nichts; was in den zwei Jahren zuvor relativ gut absprechbar war, funktioniert mehr. Es sind wieder Termine beim JA durch ihn angesetzt, ich hörte beim ersten, ich würde den Umgang einschränken, könne mich nicht auf Elternebene verständigen und verhalten, viele komplett verdrehte Aussagen und Anschuldigungen mehr. Ich war so geschockt, dass ich mich nicht konzentrieren und ausdrücken konnte. Und nun mein Problem: Was ist, wenn ich in all den Jahren, die ich nun mit diesem gewalttätigen, empathielosen Mann umgehe, meine Kraft aus der Hoffnung gespeist habe, dass er eines Tages endlich im Sinne unseres Sohnes beginnen würde zu denken und zu handeln, dass es eine friedliche Elternbeziehung geben könnte und unser Sohn ohne Loyalitätskonflikte aufwachsen könnte, und nun entdecke, dass dies nicht möglich ist, wie gehe ich damit um? Lasse ich alles los? Lasse ich meinen Sohn los, um ihn nicht zu zerstören? Kämpfe ich um sein Wohlergehen vor Gericht? Ohne die Aussicht auf Erfolg in einer Gesellschaft, die Mütter in Gewaltsituationen bestenfalls anhört, aber daraus keinerlei Konsequenzen erfolgen? Ich habe alles versucht, meinem Sohn und mich zu stärken, doch nun merke ich, wie sehr ich immer noch traumatisiert bin und wie groß die Gefühle der Ohnmacht und Wirkungslosigkeit werden, wenn ich bei Beratungsstellen und beim JA unsere Geschichte erzähle und die Zusammenfassung ist, dass die Eltern ihre Konflikte lösen müssen. Welche Hilfe gibt es denn für die Menschen, die keine Konflikte suchen, sondern Lösungen und auf der anderen Seite steht ein gewalttätiger eiskalter Aggressor, der sich selbst als überragend und unantastbar empfindet?
Ich schwanke zwischen Lebensmut und dem Verlust von Lebensmut. Ich schwanke zwischen Kampfgeist und Selbstaufgabe. Ich schwanke zwischen Trauma und Verarbeitung.

Danke fürs Lesen.
 
Der Umgang ist ja geregelt, offenbar durch eine Elternvereinbarung, die das Jugendamt damals vermittelt hat. Jetzt will der Vater ein Wechselmodell, und hat das bei einem Termin im Jugendant mitgeteilt, da warst du dabei.

Ich würde am deiner Stelle dem Jugendamt mitteilen, dass ich eine Änderung des Umgangs nicht ablehne, aber ein Wechselmodell nicht in Frage kommt. Wenn darüber gesprochen werden soll, erübrigt sich jeder weitere Termin. Begründe diesen Standpunkt.

Erzwingen kann den Umgang nur das Familiengericht. Da bist du noch nicht, also lannst du bis quf weiteres sas alte Modell fortführen. Denke dran: Das Jugendamt ist nicht befugt, den Umgang gegen deinen Willen zu regeln. Du triffst die aber wieder beim Famiiiengericht, weil die eine Stellungnahme abgeben. Du solltest es dir also auch nicht verderben mit ihnen.
 
Der hätte bei mir maximal begleiteten Umgang bekommen. Nicht bei mir daheim, sondern in den Räumlichkeiten des Jugendamtes.
Warum schreibst du imner solche Sachen? Auch als Laie weiss ich doch, dass ich einer Behörde nicht vorschreiben kann was sie tun soll. Der Vater lehnt einen solchen begleiteten Umgang natürlich ab, und warum denkst du, richtet sich die Behörde dann nach deinen Vorstellungen?
 
Die juga-mitarbeiter sind auch nur Menschen. Da der Vater des Kindes offenbar wenig Interesse an seinem Sohn hat würde ich mich entsprechend zur wehren setzen.
 

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