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Häufiger Streit mit Mutter wenn es um Depressionen geht

Danke für die Antworten.

Also, mit einem Auszug meinte ich wirklich nur einen vorübergehenden Auszug, ich möchte nicht für immer von zuhause weg. Muss dazu sagen, dass wir auch oft sehr schöne Zeiten miteinander verbringen. Mit meiner Mutter kann ich über Literatur, Gott und die Welt, meine schulischen Aufgaben sprechen, Karten spielen, gemeinsam DVDs gucken... Wir machen sehr oft so kleine Dinge miteinander, die ich unglaublich schätze und auf die ich jetzt noch nicht für immer verzichten möchte. Einen Umzug zu meinen Großeltern meinte ich eher so, dass ich quasi ein paar Wochen lang bei ihnen wohne und schaue, ob mir die Veränderung guttut oder einfach der Abstand. Zurückkommen würde ich auf jeden Fall. Realistisch betrachtet wäre dies aber wohl eher kontraproduktiv, da meine Großeltern erst recht überfordert wären und mir nicht den Freiraum geben, den ich in meinem Alter brauche.

Naja, gestern haben meine Mutter und ich dann später auch noch geredet und gemeinsam beschlossen, was wir an der Wohnung noch verschönern wollen, außerdem bekomme ich etwas, worauf ich mich sehr freue. Und meine Mutter meinte auch, dass sie mich aktiv unterstützen wird, sollte ich eine neue Therapie anfangen wollen (meine bisherigen Therapien haben, cucuracha, deshalb keinen Erfolg gezeigt, weil ich mich den Therapeuten nicht öffnen, nicht über meine Stimmungsschwankungen und Probleme sprechen konnte, nicht aufgrund meiner Mutter. Die Therapeuten haben mir einfach nicht das Gefühl gegeben, dass ich bei ihnen so angenommen werde, wie ich bin).

Was manche hier erwähnt haben, die Überforderung, das trifft sicherlich zu. Meine Mutter ist überfordert, wenn sie sieht, dass ich so traurig bin, weil sie auch immer Angst hat, ich könne wieder Suizidgedanken entwickeln. Deshalb will sie dann auch unbedingt, dass es mir wieder besser geht, was bei mir aber nicht immer so schnell möglich ist - meine depressiven Stimmungen halten meist zwischen ein paar Stunden bis Tagen an. Mit diesen Zeiten umzugehen, ist für meine Mutter deshalb schwer. Meiner Mutter geht es sicherlich nicht darum, den "Schein zu wahren" - sie hat sogar dafür gesorgt, dass ich mit meiner Lieblingslehrerin über meine Depressionen sprechen kann, weil sie wusste, dass ich von außen Hilfe brauche - , sie möchte mich wohl einfach nicht traurig sehen, weil ihr das selbst weh tut :/

Ich denke nicht, dass ich meiner Mutter "unbedingt alles recht machen" will, wobei ich natürlich nicht möchte, dass sie meinetwegen noch mehr leidet. Es ist ja auch nicht so, als erwarte meine Mutter von mir Top-Noten oder dass ich mal Medizin studiere. Ich darf meine Zukunft und meine Hobbys schon selbst bestimmen, darf auch jederzeit raus, was Neues ausprobieren... Mit Medikamenten meinte ich Johanniskraut, da ich dieses chemische Zeugs nicht so toll finde und diesem skeptisch gegenüberstehe...

Jetzt, wo es mir besser geht als gestern, sehe ich vor allem die Hilflosigkeit und Überforderung meiner Mutter mit meinen psychischen Problemen. Natürlich wäre mein Leben einfacher, wenn meine Mutter gesund wäre und einen Partner hätte, aber weder die Krankheit noch dass sie geschieden ist, hat meine Mutter sich ja selbst ausgesucht. Deshalb glaube ich auch nicht, dass es fair wäre, ihr an allem die Schuld zu geben. Natürlich hat sie auch einige Fehler gemacht, aber das heißt ja nicht, dass sie deshalb irgendwie ein schlechter Mensch ist... Vermutlich fällt es ihr umso schwerer, mich leiden zu sehen, da sie selbst kein so einfaches Leben hatte.

Was meine Stimmungsschwankungen und das Weinen betrifft, so werde ich noch einmal mit ihr reden und ihr noch mal erklären, dass dies wirklich automatisch kommt und ich es keineswegs beabsichtige. Wenn ich sie damit mit runterziehe, dann tut es mir leid, aber in diesem Fall muss sie wohl einfach aus dem Zimmer gehen, oder?

Der Tipp mit der körperlichen Bewegung ist gut. Immer wieder gelingt es mir auch, das umzusetzen, aber leider noch nicht jedes Mal, wenn ein Stimmungsumschwung kommt.
 
Realistisch betrachtet wäre es sowieso nicht möglich (finanziell, aber auch organisatorisch), dass ich in nächster Zeit ausziehe. Und ich wette, wenn ich es täte, würde ich mein gewohntes Umfeld dann auch wieder vermissen, auch wenn das jetzt so klingen mag, als würde es nicht zu meinen bisherigen Berichten "passen". Dass ich trotz allen Problemen ein "Mamakind" bin, stimmt wohl, aber diese schönen Zeiten mit meiner Mutter haben mir auch sehr viel Kraft in den letzten Monaten gegeben.
Spezielle Wohnformen sind für manche Leute in so einer Situation vermutlich das Richtige, bin aber skeptisch, ob es mir so weiterhelfen würde. Vor allem muss ich wohl noch an meiner eigenen Einstellung arbeiten und lernen, mich rechtzeitig aus diesem Loch rauszuretten. Mir gelingt das jetzt auch schon besser, aber etwa einmal im Monat überkommen mich dann doch noch sehr negative Gedanken und heftige Stimmungsschwankungen.

Nehme ich meine Depressionen "in Kauf"? Naja, wenn, dann bestimmt nicht, um anderen einen Gefallen zu tun. Aber ich finde mich halt damit ab, dass die Depressionen wohl noch eine Weile zu meinem Leben gehören werden, denn über Nacht werden sie wohl kaum verschwinden. Ich habe in den letzten Monaten auch viel an mir gearbeitet, Neues ausprobiert, und komme jetzt insgesamt besser klar als noch im Januar oder Februar. Nur, wenn ich in dieses Loch falle, sehe ich alles schwarz und habe das Gefühl, es habe sich absolut nichts gebessert. Ansonsten nicht.

Kann auch gut sein, dass die lange Ferienzeit (neun Wochen in Österreich) jetzt schon anfängt, so an meinen Nerven zu zehren, denn obwohl Ferien schön sind: Irgendwann hat man davon auch genug und solange ich sinnvolle BEschäftigungen habe, geht es mir meistens auch ganz gut. Also sollte ich mich wohl auf den Schulbeginn freuen, da ich dann erstens weniger zuhause bin und zweitens mehr zu tun habe als jetzt in den Ferien.
 
Du musst mit Deiner Mutter offen und ehrlich darüber sprechen, das es Dir in einer schlechten Phase mehr hilft, wenn man Dich in de Zeit in Ruhe lässt. Wenn es Dir schlecht geht und Du Dich nicht aufraffen kannst und lieber in Deinem Zimmer bleiben möchtest, dann hänge vorne ein Schild an die Tür, mit bitte nicht stören, damit Deine Mutter weiß, Du willst jetzt einfach nur Deine Ruhe haben. Erklär es ihr noch einmal, dann wird sie es sicher auch verstehen.

Bei meinem Kollegen machen sich die Depressionen inzwischen schon durch andere Merkmale sichtbar, sodass ich inzwischen weiß, das es ihm schlecht geht. Leider kann man aus beruflichen Gründen nicht immer so rücksichtsvoll reagieren und ihn in Ruhe lasse. Er verpieselt sich dann auch häufiger. Im häuslichen Umfeld müsste das ja machbar sein. Sag Deiner Mama, das Du wieder auf sie zukommst, wenn es Dir dann wieder besser geht.

Wenn Du jetzt schon weißt, das Deine Großeltern noch schlechter als Deine Mutter damit umgehen können, dann würde ich dort auch nicht vorübergehend einziehen. Da Du auch zuhause wohnen bleiben möchtest, musst Du einen Weg mit Deiner Mutter finden, der für euch Beide tragbar ist.

Ich halte auch nichts von Psychopharmaka aber wenn Johanniskraut bei Dir nicht ausreicht, solltest Du evtl. doch über eine medikamentöse Einstellung nachdenken, wenn dieses hilft.

Wie bereits geschrieben, ist man als Nicht-Depressiver genauso betroffen und da muss man manchmal auch Wege gehen um es für Alle erträglich zu machen.
 
Vielen Dank für deine konstruktive Antwort.

Aus Platzgründen teilen meine Mutter und ich uns ein Zimmer. Prinzipiell stört mich das nicht - wir sind eben nicht so reich, dass jeder ein eigenes Schlafzimmer haben kann -, da meine Mutter außerdem tagsüber fast immer arbeitet, habe ich doch sehr viel Privatsphäre für mich. Ich glaube, dass es auch machbar ist, meine Mutter, wenn es mir schlecht geht, zu bitten, das Zimmer für ein bis zwei Stunden zu verlassen und mich mal alleine zu lassen.

Die Idee mit der medikamentösen Einstellung ist sicherlich ebenfalls nicht grundsätzlich schlecht; ich nehme das Johanniskraut noch nicht so lange und muss daher noch zwei, drei Wochen abwarten, ob es Wirkung zeigt, wenn nicht, so muss ich wohl "schwerere Geschütze" auffahren.
 
Liebe, liebe Earthling,

ich kenne viele von Deinen empathischen Beiträgen hier, die ich sehr schätze. Umso mehr macht es mir Kummer zu lesen, wie es Dir oft geht.

Ich bin mit meiner Einschätzung nahe bei cucaracha. Ich habe den Eindruck, Dein Wunsch, Deine Mutter zu schonen, dich leicht zu machen, ist sehr stark. Du empfindest sehr stark die Gefühle Deiner Mutter mit. Räumst den Gefühlen Deiner Mutter in Deinen Beiträgen in diesem thread mehr Raum ein als Deinen eigenen.

Mich wundert auch, daß Du den thread "Häufiger Streit mit Mutter" genannt hast. Ich habe gar keinen wirklichen Streit wahrgenommen. Deine Mutter zeigt ihre Hilflosigkeit, äußert ihre Wünsche und macht Dir evtl. noch Vorwürfe, aber von Dir kommt dafür viel Verständnis. Ich sehe wenig kraftvolle Auseinandersetzung. Oder ist das Deinem gewählten Schreibstil zu verdanken, daß ich das nicht so deutlich herauslese?

Ich glaube genau wie Du auch nicht, daß Du die Depression in Kauf nimmst, um jemand einen Gefallen zu tun. Aber kann es sein, daß Du Deine eigene Schwäche nutzt, um Dich nicht von Deiner Mutter lösen zu müssen? Sie nicht zu verlassen? Nicht unbedingt räumlich, sondern auch innerlich. Für mich klingt das sehr nach einer symbiotischen Beziehung. Vielleicht auch nach Deinem eigenen Wunsch, sie die es als Alleinerziehende eh schon schwer hat, nicht weiter zu belasten. Und eben nicht noch weiter allein zu lassen. Welche Rolle spielt Dein Vater? Seit wann ist er weg?

Du verdrehst die Rollen bei Euch beiden. Du drängst auf die Ordnung in der Wohnung. Du sorgst Dich um sie. Du willst ihr nicht zur Last fallen. Du glaubst Dein Leben wäre einfacher, wenn es ihr besser ginge und sie einen Partner hätte.

Du erwähnst ausdrücklich, daß Du jederzeit Neues probieren darfst, Deine Hobbies nachgehen darfst. Das ist selbstverständlich, liebe Earthling. Aber schau mal, warum Dir das erwähnenswert erscheint.

Du hast schon öfter hier darüber geschrieben, daß Du Schwierigkeiten hast, andere Menschen kennenzulernen. Daß Du zurückgezogen lebst. Daß Du Dir Hobbies wünscht, bei denen Du Kontakte knüpfen kannst. Es ist Dir schwer gefallen, Dich dem Therapeuten zu öffnen. Deine Mutter ist Dir sehr vertraut. Du genießt diese Vertrautheit und Sicherheit bei ihr. Ihr lebt auch räumlich sehr sehr eng.

Aber Du bist 19 Jahre alt. Du strebst ins Leben. Und das spürst Du ja eigentlich auch. Wenn Du von Deinen Sehnsüchten schreibst, spielt da ja auch immer der Wunsch nach einem eigenständigen unabhängigen Leben eine Rolle.

Ach Earthling, ich mag Dich so gern. Du bist so jung und so reflektiert, schreibst hier so schöne Beiträge.

Tritt doch bitte mal neben Dich und trau Dich mal zu schauen, wie Dein Verhältnis zu Deiner Mutter wirklich ist. Traust Du Dich, sie zu belasten? Fühlst Du Dich verantwortlich? Traust Du Dich, sie zurückzulassen? Kannst Du Deinem Alter gemäß Schritte von ihr weggehen? Kannst du an eine eigene Partnerschaft denken und nicht daran, daß es schön wäre, wenn Deine Mutter einen Partner hätte?

Ich kann mir vorstellen, wie schwierig das für Dich sein kann, einen gesunden Egoismus als junge nach draußen strebende Frau zu entwickeln. Aber ich wünsche es Dir von ganzem Herzen. Und dazu gehört auch, daß Du Dir das Recht nimmst Deine Gefühle zu spüren und auszuleben. Das darfst Du anderen schon zumuten. Der wichtigste Mensch in Deinem Leben bist Du selbst.

Ganz ganz lieber Gruß



Bird
 
Zuletzt bearbeitet:
Liebe Bird,

ein einfacher "Danke-Klick" reicht mir nicht, für diese wunderbare Antwort. Etwas Ähnliches ging mir schon die ganze Zeit durch den Kopf in Bezug auf diesen Thread. Aber ich wusste nicht, wie ich es in Worte fassen soll.

Du hast es wunderbar und einfühlsam (wie so oft) auf den Punkt gebracht. Danke dafür!

Liebe Grüße
M.
 
Liebe, liebe Earthling,

ich kenne viele von Deinen empathischen Beiträgen hier, die ich sehr schätze. Umso mehr macht es mir Kummer zu lesen, wie es Dir oft geht.

Ich bin mit meiner Einschätzung nahe bei cucaracha. Ich habe den Eindruck, Dein Wunsch, Deine Mutter zu schonen, dich leicht zu machen, ist sehr stark. Du empfindest sehr stark die Gefühle Deiner Mutter mit. Räumst den Gefühlen Deiner Mutter in Deinen Beiträgen in diesem thread mehr Raum ein als Deinen eigenen.

Mich wundert auch, daß Du den thread "Häufiger Streit mit Mutter" genannt hast. Ich habe gar keinen wirklichen Streit wahrgenommen. Deine Mutter zeigt ihre Hilflosigkeit, äußert ihre Wünsche und macht Dir evtl. noch Vorwürfe, aber von Dir kommt dafür viel Verständnis. Ich sehe wenig kraftvolle Auseinandersetzung. Oder ist das Deinem gewählten Schreibstil zu verdanken, daß ich das nicht so deutlich herauslese?

Ich glaube genau wie Du auch nicht, daß Du die Depression in Kauf nimmst, um jemand einen Gefallen zu tun. Aber kann es sein, daß Du Deine eigene Schwäche nutzt, um Dich nicht von Deiner Mutter lösen zu müssen? Sie nicht zu verlassen? Nicht unbedingt räumlich, sondern auch innerlich. Für mich klingt das sehr nach einer symbiotischen Beziehung. Vielleicht auch nach Deinem eigenen Wunsch, sie die es als Alleinerziehende eh schon schwer hat, nicht weiter zu belasten. Und eben nicht noch weiter allein zu lassen. Welche Rolle spielt Dein Vater? Seit wann ist er weg?

Du verdrehst die Rollen bei Euch beiden. Du drängst auf die Ordnung in der Wohnung. Du sorgst Dich um sie. Du willst ihr nicht zur Last fallen. Du glaubst Dein Leben wäre einfacher, wenn es ihr besser ginge und sie einen Partner hätte.

Du erwähnst ausdrücklich, daß Du jederzeit Neues probieren darfst, Deine Hobbies nachgehen darfst. Das ist selbstverständlich, liebe Earthling. Aber schau mal, warum Dir das erwähnenswert erscheint.

Du hast schon öfter hier darüber geschrieben, daß Du Schwierigkeiten hast, andere Menschen kennenzulernen. Daß Du zurückgezogen lebst. Daß Du Dir Hobbies wünscht, bei denen Du Kontakte knüpfen kannst. Es ist Dir schwer gefallen, Dich dem Therapeuten zu öffnen. Deine Mutter ist Dir sehr vertraut. Du genießt diese Vertrautheit und Sicherheit bei ihr. Ihr lebt auch räumlich sehr sehr eng.

Aber Du bist 19 Jahre alt. Du strebst ins Leben. Und das spürst Du ja eigentlich auch. Wenn Du von Deinen Sehnsüchten schreibst, spielt da ja auch immer der Wunsch nach einem eigenständigen unabhängigen Leben eine Rolle.

Ach Earthling, ich mag Dich so gern. Du bist so jung und so reflektiert, schreibst hier so schöne Beiträge.

Tritt doch bitte mal neben Dich und trau Dich mal zu schauen, wie Dein Verhältnis zu Deiner Mutter wirklich ist. Traust Du Dich, sie zu belasten? Fühlst Du Dich verantwortlich? Traust Du Dich, sie zurückzulassen? Kannst Du Deinem Alter gemäß Schritte von ihr weggehen? Kannst du an eine eigene Partnerschaft denken und nicht daran, daß es schön wäre, wenn Deine Mutter einen Partner hätte?

Ich kann mir vorstellen, wie schwierig das für Dich sein kann, einen gesunden Egoismus als junge nach draußen strebende Frau zu entwickeln. Aber ich wünsche es Dir von ganzem Herzen. Und dazu gehört auch, daß Du Dir das Recht nimmst Deine Gefühle zu spüren und auszuleben. Das darfst Du anderen schon zumuten. Der wichtigste Mensch in Deinem Leben bist Du selbst.

Ganz ganz lieber Gruß



Bird

Hallo Bird,

zunächst danke ich dir für die lieben Worte.

Dass du hier keinen direkten Streit hinausliest, liegt vielleicht tatsächlich an meinem Schreibstil. Meistens endet es halt in Situationen, in denen ich so starke Stimmungsschwankungen habe, in Streit, weil ein Wort das andere gibt. Meiner Mutter fällt es schwer, mich den Stimmungsschwankungen in solchen Situationen zu "überlassen", ich hingegen kann nicht anders, als weiter zu weinen, was zwar langsam besser wird, aber alle paar Wochen erlebe ich so etwas eben noch in einer ziemlichen Heftigkeit. "Häufig" war vielleicht auch ein wenig übertrieben, da es ja alle paar Wochen vorkommt, nicht alle paar Tage. In der Zwischenzeit streite ich fast nie mit meiner Mutter.

Weißt du, die Sache ist die: Meine Mutter und ich verstehen uns sehr gut. Vielleicht habe ich tatsächlich eine etwas engere Beziehung zu ihr als andere Kinder zu ihren Müttern, aber das liegt erstens daran, dass sie alleinerziehend ist und somit meine wichtigste Bezugsperson - sonst sind da noch meine Großeltern, aber denen vertraue ich nicht so wie meiner Mutter - und zweitens auch daran, dass sie mich mit zu dem Menschen gemacht hat, der ich heute bin.

Du hast mich hier ja sehr gelobt, aber gerade dass ich so einfühlsam bin, so reif und vernünftig für mein Alter wirke, und wohl immer wieder gute Ratschläge geben kann, verdanke ich meiner Mutter. Sie hat vielleicht bei praktischen Dingen wie dem Haushalt nicht immer alles im Griff gehabt bzw. tut sich da noch heute schwer, aber dafür hat sie mir gezeigt, dass es in Ordnung ist, anders zu sein (sie akzeptiert auch meine Homosexualität ohne Wenn und Aber, ich kenne viele Familien, wo das zumindest anfangs nicht so ist!), sie hat mich auch dazu angehalten, andere zu respektieren, einfühlsam zu sein, hilfsbereit etc. Ich finde, in diesem Bereich hat meine Mutter einen klasse Job geleistet und würde meinem Kind dieselben Werte vermitteln, die sie mir vermittelt hat. Da lasse ich nichts auf sie kommen, auch wenn der Alltag manchmal chaotisch war...

Dass ich eher zurückgezogen bin, liegt sicherlich teilweise daran, dass ich von Natur aus introvertiert bin. Ich merke auch, dass ich sehr viel Zeit brauche, neue, unbekannte Eindrücke zu verarbeiten. Oft bin ich wirklich gerne alleine in meinem Zimmer und lese. Es wäre vlt. hilfreich gewesen, wenn meine Mutter versucht hätte, mich zu Aktivitäten mit anderen zu motivieren, aber ich weiß nicht, ob ich das dann wirklich gewollt hätte. Als Kind war ich eigentlich meist zufrieden damit, zuhause zu sein und zu lesen oder mit meiner Schwester zu spielen. Erst jetzt, in letzer Zeit, habe ich gemerkt, dass ich manchmal auch was anderes machen will. Und setze das nach und nach um.

Dass ich hier erwähnen wollte, dass meine Mutter mir durchaus Freiheiten lässt, liegt nicht daran, dass ich es für besonders erwähnenswert halte. Für mich ist das auch eine Selbstverständlichkeit. Es liegt eher daran, dass ich das Gefühl habe, ein paar Nutzer würden meine Mutter oder generell Eltern, die vielleicht nicht alles perfekt gemacht haben, gleich als Rabeneltern betrachten - und das ist meine Mutter ganz sicher nicht! Natürlich verteidige ich sie da, denn man kann auch übertreiben. Außerdem kenne ich Leute, die viel weniger dürfen als ich, eine Freundin darf sich ohne Erlaubnis ihrer Eltern eigentlich nicht mal mit anderen Freunden treffen - und die ist 2 Jahre älter als ich. Also sind solche Freiheiten doch vielleicht nicht für jeden selbstverständlich.

"Allein lassen" möchte ich meine Mutter wirklich nicht, ein wenig unterstützen kann ich sie jetzt, da ich älter bin, auch problemlos. Vielleicht muss ich zukünftig mehr auf meine persönlichen Grenzen achten, da ich z.B. in früheren Freundschaften ausgenutzt worden bin. Da muss ich vlt. manchmal wirklich deutlicher agieren, da gebe ich dir recht. Ob es nötig ist, mich innerlich von meiner Mutter zu lösen, weiß ich nicht. Wir sind uns eigentlich sehr ähnlich, haben zu vielen Themen eine ähnliche Meinung und ich weiß, dass sie in meinem Leben immer eine wichtige Rolle spielen wird.

Dass nicht immer alles optimal gelaufen ist und ich teilweise auch darunter gelitten haben, gebe ich zu, aber ein Teil von mir möchte das auch abhaken und optimistisch in die Zukunft schauen, z.B. eben auch, indem wir die Wohnung schöner gestalten (womit wir bereits begonnen haben). Ich glaube, meine Mutter hat das alleine einfach nicht so gut hingekriegt, da sie auch noch krank war, immer arbeiten musste und ich damals zu jung war, um wirklich helfen zu können. Jetzt ist das natürlich anders, von daher haben wir im letzten Jahr auch mehr weitergebracht als in den Jahren zuvor.
Leider fiel dann sehr vieles zusammen, der gesundheitliche Zustand meiner Mutter verschlechterte sich stark, zeitgleich sank ich aber in meine depressivste Phase. Das ist noch nicht mal ein Jahr her und ich glaube, wir brauchen beide noch Zeit, um das alles zu verarbeiten. Wie gesagt, wenn es mir gut geht, kann ich darüber auch sehr offen mit meiner Mutter reden. Mir hilft das und ihr wohl auch.

An eine eigene Partnerschaft kann ich denken, möchte dies aber derzeit noch nicht. Vielleicht ist das mit 19 ja nicht cool, noch keine Beziehung gehabt zu haben, aber ich will mich halt nicht auf jeden einlassen und möchte erstmal ein bisschen stärker und stabiler werden, bevor ich noch jemanden in mein Leben lasse. Falls du meine Beiträge hier verfolgt hast, dann wirst du ja gemerkt haben, dass eine Lehrerin in meinem Leben sehr wichtig ist, wobei ich meine Verliebtheit ihr gegenüber gut im Griff habe und einfach darauf hoffe, mit ihr in Kontakt zu bleiben, da sie einfach ein sehr netter und besonderer Mensch ist. Dass nie mehr zwischen uns sein wird, ist mir zu 100% bewusst. Aufgrund meiner Reife fange ich mehr mit älteren Frauen an, was möglicherweise noch ein kleines Hindernis bei der Partnersuche darstellen wird, doch damit möchte ich mir, wie gesagt, noch Zeit lassen. Angeblich haben zwar die meisten Jugendlichen schon mit sechzehn Jahren eine erste feste Beziehung, aber ich kenne viele in meinem Alter, die auch noch keine Erfahrung in solchen Dingen haben.

Und ich wünsche mir keinen Partner für meine Mutter - okay, wenn sie jemand kennenlernt, gönne ich ihr das -, es war nur eine meiner MEinung nach realistische Feststellung, dass es für Menschen mit Partner oft einfacher ist (sofern beide an einem Strang ziehen und sich unterstützen). Mein Vater spielt keine Rolle in meinem Leben und interessiert mich nicht, da er sich auch nie für mich interessiert hat.

Da ich mit meiner Mutter eigentlich wunderbare Gespräche führen kann, werden wir - da bin ich zuversichtlich - sicherlich eine Lösung finden. Aber ich glaube auch, so von Heute auf Morgen geht das eben nicht. Und es tut meiner Mutter weh, mich leiden zu sehen, das hat sie mir gesagt. Bei ihr spielt da auch ganz viel Angst mit, mich zu verlieren. Aber sie ist einer der Gründe, warum ich überhaupt wieder aus dem tiefsten Tief rausgekommen bin... Ich muss schon sagen, da war sie wirklich sehr für mich da.

Sie ist wirklich ein lieber Mensch, aber ihr Leben war wirklich nicht das Einfachste. Natürlich habe ich das teilweise mitbekommen und natürlich hat mich das belastet. Aber es hat mir vielleicht irgendwie auch gezeigt, dass man viel Schlimmes überwinden kann. Könnte ich mein Leben nochmal leben, würde ich sicher ein paar Dinge anders entscheiden, aber ich würde niemals eine andere Familie haben wollen.
 
Es ist schön, daß Du Deine Mutter so magst.

Und ja, sie hat bestimmt vieles gut hinbekommen, daß Du so eine einfühlsame junge Frau bist. Aber das wird nicht nur ihr Verdienst sein, sondern auch Deiner😉

Ich wollte Dich nur darauf aufmerksam machen, daß Dein Blick sehr auf Deine Mutter gerichtet erscheint. Weniger auf Dich. Und schon gar nicht von ihr wegstrebend nach außen in ein unabhängiges selbstbestimmtes Leben.


Vielleicht schaust Du Dir unter dem Blickpunkt auch Deinen letzten Beitrag noch mal an. Vielleicht in ein paar Tagen mal. Was würdest Du einem der anderen Hilfesuchenden hier schreiben, wenn das sein Beitrag wäre? Was käme Dir in den Sinn? Was würde Dir auffallen? Was für Assoziationen hättest Du, wenn das ein anderer geschrieben hätte?

Fühl Dich lieb virtuell umarmt, wenn Du magst.


P.S. ich finde weinen übrigens oft ganz hilfreich. Ich glaube, das ist eine ganz gesunde Reaktion von Menschen. So als ob da was ausgeschwemmt wird. Muß ja einen Sinn haben, warum Menschen dieses Mittel entwickelt haben, oder? Vielleicht hilft Dir der Gedanke, das Weinen anzunehmen und auch Deiner Mutter damit umzugehen.
 
Ich lese jeden von mir verfassten Beitrag hinterher noch einmal durch. Meinen letzten Beitrag finde ich vollkommen in Ordnung. Ich wollte damit ja schließlich auch richtigstellen, dass meine Mutter nicht der egoistische, unfähige Drache ist, zu dem sie hier gemacht wird. Kinder werden von ihren Eltern nun einmal geprägt, darum finde ich es nicht falsch zu behaupten, dass meine Mutter mich mit (man beachte dieses "mit) zu diesem Menschen gemacht hat.

Ich kenne natürlich auch andere Mütter, die oft organisierter sind als meine Mutter und weniger Probleme haben (gesund zu sein, ist eben nicht selbstverständlich), aber oft wirken diese auf mich sehr kühl und unnahbar oder aber streng und unerbittlich. Oder sie interessieren sich überhaupt nicht für ihre Kinder. Meine Mutter interessiert sich hingegen sehr für meine Meinungen und Denkweisen, wenn ich ein Buch lese, kann ich darüber sehr lebhaft mit ihr debattieren... Da sie sehr jung ist, erinnert sie sich noch besser als andere Mütter an ihre eigene Jugend und dass sie einige Erinnerungen mit mir teilt, finde ich auch sehr schön.

Übrigens war auch meine Mutter immer ein introvertierter Mensch - irgendeine genetische Korellation wird es da vermutlich auch geben. Als Kind war sie zudem, wie ich, sehr schüchtern, hat dies aber später überwunden (extrovertiert ist sie dadurch klarerweise nicht geworden).

Vielleicht könntest du mir noch einmal verdeutlichen, was dir an meinem Beitrag aufgefallen ist? Ich finde ihn nämlich total in Ordnung. Dass ich so sehr auf meine Mutter als Person eingehe, liegt an den bisherigen Antworten, die ich erhalten habe und die mir teilweise einfach sehr schwarz-weiß erscheinen. Mir ist es nun mal wichtig, aus diesem Grund darauf hinzuweisen, dass meine Mutter ein warmer und sehr liebevoller Mensch ist.

Ich finde es auch ein bisschen überzogen, dass du mir unterstellst, ich würde mich nicht aufmachen in ein unabhängiges und selbstbestimmtes Leben. Ich habe viele Ideen zu meiner Zukunft, werde meinen Abschluss machen, habe ein anstrengendes Schulprojekt trotz aller Hindernisse und einem nicht allzu engagierten Team sehr gut hingekriegt, werde nächstes Jahr mein Studium beginnen, hoffentlich auch reisen und interessante Erfahrungen machen... Was denn noch? Ich rate anderen immer dazu, es "schrittweise" angehen zu lassen. Darum gebe ich mir diesen Rat auch selbst. Ich kann nicht einfach von einem Tag auf den anderen ein absolut selbstbestimmtes und unabhängiges Leben leben. Noch bin ich Schülerin und noch brauche ich auch Unterstützung von meiner Familie, noch bin ich auch finanziell nicht unabhängig... aber ich führe bestimmt kein fremdbestimmtes Leben in "Abhängigkeit". Ich denke, auf meine bisherigen Leistungen kann ich eigentlich recht stolz sein.
 
Verzeih, Earthling, wenn ich Dir zu nahe getreten bin.

Ich wollte Deine Mutter ganz bestimmt nicht als egoistischen Drachen oder was auch immer hinstellen. Ich kenne Deine Mutter doch gar nicht. Ich gehe davon aus, daß sie eine freundliche liebenswürdige Person ist, die wie wir alle ihre Themen hat.

Ich habe auch nicht gemeint, daß Dein Beitrag nicht in Ordnung sei.
Auch nicht, daß du keine Pläne für die Zukunft hast oder übersehen, daß Du noch Schülerin bist. und schon gar nicht, daß Du nicht allen Grund hast stolz zu sein.

Ich habe mich nur auf Deine Beiträge in diesem thread bezogen und Dir meinen - subjektiven - Eindruck spiegeln wollen, daß die Beiträge auf mich so wirken, als ob Dein Blick sehr auf Deine Mutter gerichtet ist und Du sehr um Rücksicht bemüht bist. Und auf mich wirkt es fast so, als ob Du ihr mehr Aufmerksamkeit widmest als Dir selbst. Und Dir selbst sehr wenig Raum nimmst. Selbst in Deinem eigenen thread hier, ihr mehr Raum einräumst als Dir.

Das ist kein Angriff vo mir Earthling. Ich weiß ja nicht mal, ob mein subjektiver Eindruck stimmt. Aber ich mag Dich und wollte Dir daher eine Rückmeldung aus meiner Sicht geben.
 

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