Ich glaube, das ist sehr tröstlich. Schön, dass ihr Gelegenheit hattet, diese Blicke noch zu tauschen.
Es fand noch ein Treffen statt. Wir wohnen weit auseinander, sie in München, ich in der Steiermark, in München war unser Vater Gastarbeiter, es zogen alle nach, ich auch, ich siedelte aber wieder heimwärts, aber meine anderen vier Schwestern blieben in der Stadt, sie waren auch sehr viel mit meinem Zwilling zusammen- arbeitsmässig, privat.
Mir war mal nach Besuch, da gings ihr schon sehr schlecht. Ich rang mit mir, fuhr dann los, suchte das Krankenzimmer im Spital und sie lag wie tot da, das erschreckte mich sehr. Genau deshalb fürchtete ich das Treffen, weil sich diese Anblicke so einprägen und so erschüttern dann immer wieder.
Ich war keine fünf Minuten an ihrem Bett, gabs bereits ein Anzeichen von wieder "Eintauchen in den Körper", mit jeder Minute fiel das "Üble" weg, wir plauderten, es war nicht geheuchelt, es war gute Stimmung im Raum, man spürte das, es war kein Krankenbett mehr, nachdem die zwei anderen Schwestern noch dazu kamen, wars ein Kaffeekränzchen gefühlt, es war heiter, meine Zwilling kicherte öfters, sie bot mir was zu trinken an, es kam sogar das "Morgen" ins Gespräch, wenn es wieder aufwärts geht. So fühlte es sich an, es war wie ein Wunder.
Eine meiner Schwestern war ganz aus dem Häuschen nachher beim Aufzug, sie sprach eine Frau an, wir haben ein Wunder erlebt, Jesus ist das, Jesus heilt! Ihre Religiosität ist etwas anders als meine, sie hat, wie wahrscheinlich jeder, eigene Fantasien.
Mir war so wohl, ich fuhr am gleichen Tag wieder heim, direkt vom Krankenhaus weg und in mir war so richtiges Aufatmen. Sonntag wars... am Montag fiel sie ins Leblose, es war aber noch ein Arzt da, der ihr sagte, Frau B- wissen sie, dass sie jetzt sterben werden? Sie haben verfügt, dass wir nicht eingreifen dürfen, sind sie bereit? Von da weg gabs Panik total, sie kollabierte immer wieder, meine Schwestern erlebten das alles mit, sie schrie und klagte- musste das so sein? Hätte man nicht ohne zu reden still einschlummern lassen können mit Beruhigung dabei? Das werde ich nie begreifen.
Am Samstag war es dann aus. Ich und sie, wir waren noch einen Tag "feiern". Genau wegen dem war mir irgendwie nicht nach Verzweifelt sein, das war für mich ein "Zeichen"- guck mal, dir gegenüber zeige ich mich so- oder: meine liebe Holunderzweig, ich erspar dir das Grobe...hab ich dir versprochen...
Kurz- ich habe das in Erinnerung abgespeichert und das tröstet mich gewaltig.