Ich denke, ich verstehe dich sehr gut, blackwing. Du hast etwas kaputt gemacht und nun wünscht du dir, dass es wieder gekittet wird und willst alles dafür tun, dass die Wunden verheilen und alles wieder anfängt, sich aufzubauen.
Deine Freundin muss ihre eigenen Entscheidungen treffen. Manchmal muss man durch den ganz tiefen Schmerz gehen und in das tiefste Loch fallen, damit man wieder wirklich aus allem rauskommt oder neue Lebenswege für sich beschreitet. Dabei zuzusehen ist schwer, vor allem wenn man selbst nicht schuldlos an der Situation ist, aber deine Freundin ist auch eine erwachsene, selbständige Frau, die ihre Grenzen für sich festlegt. Sie wird hoffentlich irgendwann an einen Punkt kommen, an dem sie weiß, was gut für sie ist und was ihr weiterhilft. Ob mit dir, oder ohne dich.
genau so hatte ich es ihr vorgeschlagen, dass sie die möglichkeit bekommt ihren teil alleine aufzuarbeiten, für sich selbst lösungen zu suchen und ihre gefühle zu sortieren. allerdings ist sie da ein bisschen bockig und der meinung, ich hätte das alles verursacht und müsse es deshalb mit ihr gemeinsam aufarbeiten. nur weiß ich nicht so genau, ob sie sich damit so einen großen gefallen tut.
Sie wird einfach unglaublich gekränkt und gedemütigt sein. Manchmal zeigt man dann bewusst dem anderen die Verletzungen und sagt damit "Sieh sie dir an, das hast du gemacht!". Sie hat auch ehrlich gesagt nicht ganz unrecht. Du hast es verbockt und dass sie bereit ist, das alles mit dir durchzuziehen, beweist eine gewisse Stärke. Der Punkt ist nur der, diese richtige Heilung wird nur sie selbst sich geben können, keine deiner Entschuldigungen und Änderungen, auch wenn sie deine Freundin natürlich sehr in ihrem Prozess unterstützen und dafür sorgen, dass du die Beziehung, oder das was ihr im Moment noch habt, nicht komplett gegen die Wand fährst.
Wenn sich in der Arbeit der Chef dann natürlich noch mega assi aufführt und so unsensibel, dass sogar ein Elefant im Porzellanladen sensibler und vorsichtiger ist, ist das noch mehr Belastung. Da ist Abgrenzung wichtig. Und vielleicht steckt sie auch in so einer Phase, wo man prinzipiell sein ganzes Leben überdenkt.
Ich finde es gut, dass du sie direkt fragst, was ihr hilft und was du machen sollst. Du solltest nur aufpassen, dass du sie nicht erdrückst und dass sie denkt, du bist aus Schuldgefühlen zu ihr so. Das wäre z. B. ein Gedanke, der mir aufkommen würde: Hat er Schuldgefühle und ist deswegen so bemüht um mich?
So eine Selbsthilfegruppe mit Eltern, die ihre Kinder verloren haben, könnte später für deine Freundin ein wichtiger Austausch sein, um alles aufzuarbeiten. Auch vielleicht für dich. Vielleicht könnt ihr auch irgendwann euer Kind mit einer schönen Zeremonie bedenken und verabschieden. Das kann sehr befreiend sein, auch wenn es manche noch mehr an die schmerzlichen Ereignisse erinnert.
Das erinnert mich an eine Arbeitskollegin von mir. Die hat eine schwere Zeit durchgemacht und wichtige Entscheidungen treffen müssen. Damals ging es auch darum, ob sie ihren jetzigen Mann heiraten soll oder nicht. Er wollte auch Kinder. Sie ist dann völlig überstürzt ein paar Monate ins Ausland gefahren und hat ihre Arbeit für diese Zeit auf Eis gelegt. Alle dachten sich "Die kommt nicht mehr zu ihm zurück!", oder "Das ist verrückt!"
Aber heute sagt sie, diese Zeit war die beste Entscheidung für sie, die sie treffen konnte. Sie hat den Kopf frei bekommen und konnte für sich die Fragen klären, die sie sonst nie so klar hätte beantworten können. Ihr Mann hat sie ziehen und werden lassen. Manchmal muss man ganz bei sich sein, um sich Gutes zu tun. Und wenn man wirklich liebt, muss man auch einfach warten können und Geduld haben. Vielleicht bekommt deine Freundin auch so eine Aufbruchsstimmung oder ändert ihren Plan. Das musst du dann akzeptieren. Es ist gut, dass du es gut findest, wenn sie eine Therapie nur für sich macht. Aber sie muss es selbst wollen. Vielleicht kommt sie sich bevormundet vor, oder dass du ihr zu sehr reinredest. Sie ist sehr verletzt und hat viel aushalten müssen.