Die Hundeprüfung
Wie fast jeden Tag gehe ich Mario besuchen. Der ist Motorradhändler für italienische Motorräder und hat etwa 20 Km von mir entfernt eine Werkstatt.
Ich packe also meinen schwarzen Mischlingshund "Franz-Josef" in mein kleines Wohnmobil und fahre los. Ach ja, man stelle sich unter Marios Werkstatt eine ehemalige Metzgerei vor, vollgepackt bis obenhin mit altem Gerümpel. Mario nannte das zwar "Edelteile" aber im Prinzip eine Sammlung alter Rahmen, unzähliger verrosteter Teile mit einem schmalen Durchgang für Besucher.
Marios größte Errungenschaft war allerdings eien sündhaft teure neue Kaffeemaschine.
So bog ich schwungvoll in den Hof der ehemaligen Metzgerei ein. Mario lief zwischen seinen Motorradruinen geschäftig hin-und her.
"Haste schon Kaffee aufgesetzt"?
"Ja, geh ruhig rein, schon fertig".
Auf dem Tisch neben der Kaffeemaschine lag eine große Tüte mit einem Aufdruck einer örtlichen Metzgerei.
"Was´n da drin"? frage ich neugierig.
Er öffnete die Tüte und zog ein Bündel von vielleicht 50 Bauernbratwürsten heraus.
"Party, oder was"?
"Ja, hab ich mir so gedacht. Kommen noch ein paar Leute. Wir setzen uns draußen hin".
Ich wußte natürlich schon, wo das wieder hionführen würde. Bestimmt kam Fritz auch, den wir liebevoll "Drogi" nannten und der sich einbildete die besten Joints bauen zu können. "Wolle mer schnell e Tütle rauche"? war sein Standardsatz.
"Hast Du eigentlich deinen Hund dabei"?
"Ja, warum - gehe ich schon mal ohne Hund aus dem Haus"?
"Dann gib ihm doch mal eine Wurst".
"Kannst Du doch selber machen".
"Wart mal, ich hab' eine Idee".
Er lief zu meinem Wagen und ließ den Hund heraus. Der hatte die eine Bauernbratwurst in Marios Hand natürlich längst gesehen und sprang an ihm hoch.
"Pass auf, was ich jetzt mache"!
Er warf die Wurst in einem hohen Bogen in die andere Ecke des Hofes. Franz-Josef hatte das zwar mitbekommen, aber nicht gesehen, wohin das salzige Teil flog. Typisch Hund begann er nach kurzer Nachdenkzeit Kreise zu ziehen, mit denen er irgendwann zwangsläufig bei der Wurst landen mußte.
"Ha ha", sagte Mario:"Du hast aber keinen guten Hund. Der findet ja die Wurst nie. Da kann ich ja besser riechen".
"Moment mal, wie meinst Du das"?
"Ja, guck doch mal, der läuft nur dämlich in der Gegend rum und findet nichts".
"Also, wenn Du schon solche Dinge behauptest, solltest Du das aber auch beweisen können", sagte ich.
"Kein Problem. Du wirfst eine Wurst hin und ich suche sie".
Inzwischen war unser alter Freund Klaus mit einem weiteren bekannten aufgetaucht.
"Hier, wir binden ihm Deinen Schal um das Gesicht und dann wollen wir mal sehen, ob er einen Hund ersetzen kann".
Während Marios Augen verbunden wurden, hatte Franz-Josef die ganze Wurst bereits verspeist.
Wie in alten Kriegsfilmen gesehen wurde der "blinde" Mario nun ein paar Mal im Kreis gedreht. Ich hatte die Wurst natürlich im entferntesten Winkel des Hofes abgelegt.
Mario begann mit der Suche. Er stellte sehr schnell fest, daß der Wind heftig wehte. So ging er zunächst auf die Knie, aber kurz darauf robbte er, mit der Nase am Boden. Inzwischen hatten sich mehrere Leute, wohl Passanten, eingefunden, die diese seltsame Geschichte beobachteten.
"Ist der behindert"?
"Nein, ich glaube der andere ist behindert".
"Komische Sache, was macht der denn da?"
"Weiß nicht, es geht um eine Wette, scheinbar".
Nach einer Viertelstunde gab Mario erfolglos auf. Und endlich war auch Fritz um die Ecke gekommen. "Wolle mer schnell eh Tütle rauche"?