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Grenzen setzen- warum fühlen sich Menschen dadurch angegriffen?

  • Starter*in Starter*in Ilse82
  • Datum Start Datum Start
Ich kann diese Erfahrungen so auch nicht bestätigen. Wenn man freundlich Grenzen setzt, geht das wohl meist ohne viel Theater. Allerdings macht es einen Unterschied, ob ich die Frau mit dem Einkaufswagen bitte, mich nicht anzufahren, oder ob ich jemandem einen Korb gebe und damit zurückweise, nicht nur eine Grenze setze. Nicht jeder kommt damit klar, da muss man schon eher damit rechnen, dass das Gegenüber gekränkt ist und auch so reagiert.

Trotzdem muss man für so ein Verhalten kein Verständnis haben.
Ich wurde auch schon von diversen Männern zurückgewiesen und habe sie daraufhin nicht beleidigt, obwohl ich teilweise verletzt war.
 
Hallo,

ich frage mich grad: Wenn ich, ohne böse Absicht, eine Grenze setze, da mir ein Verhalten zu weit geht- wieviel Einfluss habe ich dann eigentlich auf die Reaktion des Gegenübers? Im Grunde gar keine. Ich kann noch so sachlich, freundlich, und respektvoll sein, eine offene und freundliche Körperhaltung und Mimik an den Tag legen, es gibt keine Garantie dafür, dass mein Gegenüber nicht in die Luft geht, mit Unverständnis reagiert oder mich schlichtweg nicht ernst nimmt. Vielleicht erinnert ihn mein Parfüm an eine ungeliebte Lehrerin, vielleicht hat er vor kurzem seine Kündigung erhalten, vielleicht nimmt er Frauen prinzipiell nicht ernst. Vielleicht ist mein Gegenüber es gewohnt, sich immer durchzusetzen und "sich nichts gefallen zu lassen" und reagiert deswegen wütend. Vielleicht ist mein Gegenüber es gewöhnt, das ich ja sage und kommt deswegen mit meinem nein nicht zurecht. Vielleicht hat mein Gegenüber mit mir ein Problem und reagiert deswegen über?

Im Grunde kann ich nur für mich selbst sorgen und dafür, dass es mir gut geht. Ich bin nicht verantwortlich für andere Menschen, nur für mich selbst 🙂
 
Ich glaube, es ist schwer, eine Grenze immer so zu formulieren, dass sich das Gegenüber nicht angegriffen fühlt. Selbst bei der Aussage "Ich möchte das nicht" kann das Gegenüber, wenn es will, einiges reininterpretieren. Da kann man noch so freundlich und sachlich sein 🙂 Auf die Art, wie es beim Gegenüber ankommt, hat man keinen Einfluss. Und, wie bereits geschrieben, hängt die Reaktion des Gegenübers auch von seinem Selbstwertgefühl ab. Fühlt sich das Gegenüber klein, wird es die Grenze eher als Angriff interpretieren und dementsprechend reagieren.

Genau das könnte das Problem sein, formuliert man sein Anliegen (Grenzen setzen) zu heftig bzw. zu forsch, riskiert man eine Trotzreaktion im Gegenüber bzw. es eskaliert - formuliert man sein Anliegen dagegen zu bittend und zu weich, wird man womöglich gar nicht erst ernst genommen und das vorgebrachte Anliegen lachend abgewiesen.

Das alles hängt aber mehr oder weniger vom Gegenüber ab, woher will man selbst eindeutig wissen wie welches Wort beim Gegenüber genau ankommt, wie die Person filtert? Im Grunde muss man selbst die Erfahrung machen, welche Tonlage und Wortwahl für die betroffene Person wohl "passen könnten" um das Anliegen durchzusetzen, was, wie gesagt, Erfahrung und gewisse Menschenkenntnisse erfordert. Ganz sicher sein wird man aber auch dann wohl nie, sonst würde es wohl nirgends mehr zu Missverständnissen und gekränkten Eitelkeiten kommen.

Im Grunde kann ich nur für mich selbst sorgen und dafür, dass es mir gut geht. Ich bin nicht verantwortlich für andere Menschen, nur für mich selbst 🙂

So sehe ich das auch. Man kann und solte sich bemühen, finde ich, aber man kann auch bei wohlwollendestem Verhalten wohl kaum die Verantwortung dafür tragen, wer welches Wort wie wahrnimmt und was er daraus macht. Jeder Mensch ist für seine Gefühlswelt selbst verantwortlich.

Dazu müsste man die komplette Vorgeschichte, vermutlich auch seine Biologie und die Dynamiken eines Menschen kennen - aber man kann doch schon froh sein, wenn man die eigene kennt. 😀
 
Trotzdem muss man für so ein Verhalten kein Verständnis haben.
Ich wurde auch schon von diversen Männern zurückgewiesen und habe sie daraufhin nicht beleidigt, obwohl ich teilweise verletzt war.

Ich rede ja nicht davon, dass man für Beleidigungen Verständnis haben muss, es ist nur eine Erklärung gewesen. Gerade deswegen ärgert mich so ein Verhalten dann aber auch nicht. Wer es nötig hat beleidigend zu werden, weil er einen Korb bekommen hat, tut mir eher Leid und das wars dann auch. Mich würde das nicht verletzen.
 
Ich kann noch so sachlich, freundlich, und respektvoll sein, eine offene und freundliche Körperhaltung und Mimik an den Tag legen, es gibt keine Garantie dafür, dass mein Gegenüber nicht in die Luft geht, mit Unverständnis reagiert oder mich schlichtweg nicht ernst nimmt.

Ja, das stimmt natürlich für den Einzelfall. Man kann noch so sehr versuchen, den Empfängerhorizont zu berücksichtigen. Eine Garantie dafür, daß eine Äußerung bei einem anderen Menschen überinterpretiert oder in einen anderen Zusammenhang gestellt wird oder aufgrund anderer Erfahrungen eingeordnet wird, hat man nicht.

Aber wenn sich das häuft, daß Menschen extrem auf meine Äußerungen reagieren, indem sie mich beleidigen, beschimpfen oder die Flucht ergreifen, würde ich mich hinterfragen.

Zum Glück passiert mir das nicht häufig. Ich habe aber offenbar auch gar nicht so häufig das Bedürfnis wie Du Grenzen zu setzen. Ich bin sehr großzügig und sehe oft davon ab, jemanden auf ein Versehen oder Versäumnis hinzuweisen. Ich lasse gern mal "fünfe gerade sein" und habe großes Verständnis für Fehler anderer, weil mir selbst ja auch häufig Fehler unterlaufen.

Mir war übrigens auch der Beitrag mit den Ausrufezeichen aufgefallen, den Biddi zitiert hatte. Ich hatte mich gewundert, daß Du noch bevor Du auf den Inhalt des Beitrags eingehst, erstmal darum bittest, mehrere Ausrufezeichen hintereinander zu vermeiden, weil Dir das sauer aufstößt. Ich wäre z.B. nie auf den Gedanken gekommen, jemanden so in der Gestaltung seines Beitrages beschneiden zu wollen.
 
Im Grunde kann ich nur für mich selbst sorgen und dafür, dass es mir gut geht. Ich bin nicht verantwortlich für andere Menschen, nur für mich selbst 🙂

Eine Einstellung mit der Du nach meinem Empfinden eine klare Grenze ziehst, die mich dazu veranlasst mich von Dir abzuwenden, was ich hiermit erleichtert tue.
 
Hallo Ilse,
Ich vermute mal, du bist ein sehr direkter Mensch in deiner Art anderen gegenüber?
Wenn das so ist, hast du das dir erst selbst beibringen müssen, oder ist das deine Natur?
Manche Menschen können damit nicht umgehen.
Ich vermute mal der größere Teil der Menschen verträgt die Meinung des anderen etwas diplomatischer verpackt.

Wenn sich zwei Menschen mögen und schätzen und beide vertragen diese direkte Art der Meinungsäußerungen, ist es denke ich, einfach einander zu verstehen.
Aber nicht alle Menschen sind gleich.

Trotzdem finde ich es okay, wenn du für dich entschieden hast, das du so am besten für dich klarkommst, und mit der Zeit lernen andere Menschen auch damit umzugehen, und können dich einschätzen.

Solange du nicht ausfallend und verletzend wirst, ist es für mich okay.
Ich habe nicht das Gefühl das es dir darum geht, andere schlecht da stehen zu lassen.

Ich hatte auch schon so ähnliche Situationen, wie du ansprachst, und meistens, waren diese Menschen sehr ignorant und deswegen sehr beleidigt.
Frage an dich, kannst du denn auch Kritik einstecken?
Ich finde das ist immer wichtig, und manchmal tut man sich dabei leicht und manchmal etwas schwerer.
Ist finde ich normal.

Jeder nach seiner Art.

Liebe Grüße Pecky
 
Hallo,

das kann ich gar nicht verallgemeinern 🙂 Überschreitet jemand meine Grenze leicht reagiere ich anders, als wenn jemand meine Grenze stark verletzt. Kommt auch darauf an, wie ich drauf bin. Hab ich schlecht geschlafen, keinen Kaffee im Haus, in einen Hundehaufen getreten und dann kommt dann jemand, der sich zuviel rausnimmt, reagiere ich anders als wenn ich gute Laune hab und mir grad ein paar neuer Schuhe gekauft hab 🙂 Je nachdem, wer es ist, fällt mein stop oder nein anders aus.
Ui, wann habe ich gelernt, Grenzen zu setzen? So seit meiner Jugend, glaube ich 🙂 In meinem Elternhaus ging es immer sehr offen und respektvoll zu, das hat es mir einfach gemacht, auch mal nein zu sagen und ein stop zu respektieren 🙂
Andere schlecht dastehen lassen? Bestimmt nicht 🙂 Das will ich nicht. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich jemanden verletzt habe, dann entschuldige ich mich. Wenn man mir sagt: Hey, das fand ich nicht ok, das hat mich gekränkt etc. dann flitze ich meistens los und kaufe ein Stück Versöhnungskuchen. Aber: wenn sich jemand von mir angegriffen fühlt und nix sagt oder versucht, mir durch die Blume oder mit schnippischen Antworten "eins auszuwischen" versucht oder versucht, mich über andere zu denunzieren- dann kann ich anders. Ich bin ja kein Hellseher 🙂 Leider haben viele Menschen ein Problem damit, offen ihre Gefühle anzusprechen und verlagern sich aufs stänkern als offen zu sprechen- wie soll man dann "richtig" reagieren? 🙂
Kritik nehme ich gern an, wenn sie angemessen rübergebracht wird und in meinen Augen berechtigt ist. Grad auf der Arbeit bin ich sehr dankbar über Kritik, da ich "Berufsblindheit" vermeiden und mich stetig verbessern will. Womit ich mich schwer tuhe ist ruhig zu bleiben, wenn man mich provoziert. Kommt zum Glück selten vor.
 
Huhu Ilse,

ich denke das sich die Leute angegriffen fühlen, weil sie dann auf "Defizite" hingewiesen werden. Das kratzt dann wahrscheinlich am Ego.

Liebe grüße
SchwarzeSeele
 

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