Auch die analoge Welt hat ihre Nachteile, da sie eigentlich ein sehr kleiner Mikrokosmos ist. Man hat nur kennengelernt, was sich innerhalb des eigenen mobilen Rotationszirkels befand. Ich bin jetzt Ende 30 und dementsprechend ohne Internet oder Handy oder irgendwas in der Art aufgewachsen. In dieser analogen Welt war ich ein immer ein Freak, weil ich nicht die selben Themen hatte, wie andere, nicht die selben Interessen, die selben Schwerpunkte im Leben, die selben optischen Merkmale, etc. Da hat es auch nicht geholfen, noch mehr Menschen kennenzulernen, denn die haben nur noch mehr Gewicht auf ihre Seite der Waage geschmissen und das Gefühl noch verstärkt, ich sei mit meinem Wesen völlig allein auf der Welt. Und dann kam das Internet und wo man früher glaubte, so verkorkste Menschen wie mich gibt es nur einmal, hat man plötzlich gemerkt - nö, es gibt tausende! Sie befinden sich nur nicht in meinem analogen Mikrokosmos.
Das Internet gibt einem die Möglichkeit zu wählen. Die hat man analog meistens nicht. Da hat man dann vielleicht ganz viele Bekannte, die zwar in Ordnung sind, aber die eigentlich so gar nichts mit dir gemeinsam haben, ausser vielleicht, dass sie auch gerne Spaghetti essen. Man kommt irgendwie miteinander aus, aber überschneiden tun sich die Lebenswelten trotzdem nicht. Im Internet kann man gezielt nach Menschen suchen, die ähnlich gestrickt sind, wie du. Wenn es dann aber so ist, dass diese Menschen alle sehr weit weg wohnen, dann verlagert sich der Schwerpunkt des sozialen Lebens eben auch ins Internet. Das ist, meiner Meinung nach, aber immer noch besser, als sich weiter nur mit den Menschen zu umgeben, die zwar im Umkreis sind, aber mit denen man nichts teilt und von denen man sich erstmal zwei Wochen wieder erholen muss, wenn man sie getroffen hat, weil es anstrengend ist, denen zuzuhören aufgrund fehlender Gemeinsamkeiten. Ich kann beispielsweise mit Gewissheit sagen, die besagten Zockerkellerkinder, von denen im Eingangsposting die Rede ist und von denen ja eindrucksvoll geschrieben wird, sie seien ja kaputte Exemplare, mit denen man sich nicht abgibt - das wären Menschen, mit denen ich mich verstehen würde 😉 Und genau die Menschen, die sagen, mit sowas gibt man sich nicht ab, das sind jene solche, die ich hier im analogen Mikrokosmos auch haben könnte und weswegen ich das Internet irgendwann vorgezogen hab. Denn wenn wir ehrlich sind: Menschen, die einem das Gefühl geben, man sei ein Freak, der nichts wert ist - sowas braucht man ähnlich dringend, wie Fußpilz - nämlich gar nicht.
Aber gut, der Eingangspost bezieht sich auch auf Liebesbeziehungen und Datingseiten. Damit habe ich nun nichts am Hut. Vielleicht trifft da das Wort "Beziehungssucht" auch eher zu, als "Internetsucht", wenn man schon mit solchen Wörtern um sich schmeissen will.