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Generation Angst?!

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Gast

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Liebe Forenmitglieder,


vor kurzem habe ich mein Examen absolviert.
Das Jahr zuvor war schlimm.
Schlafstörungen, kranker Ehrgeiz, ständiges Vergleichen.
Irgendwie dachte ich dann doch, ich sei extremer als andere, ein ängstlicherer Typ vielleicht.
Dann habe ich mich hier ein wenig eingelesen.
Im Vergleich zu vielen von euch bin ich noch harmlos.
Jeder zweite Beitrag hier springt einem mit Ansagen wie "Ich bin 20, habe mein Studium abgebrochen, hat mein Leben noch einen Sinn?", "Ich bin durch eine Klausur gefallen, seitdem habe ich keinerlei Selbstvertrauen mehr" etc. etc. regelrecht ins Gesicht!!!

Was denkt ihr, ist das noch normal? Kann man von einer "Generation Angst" sprechen? Mir scheint es fast so.

Wer hat überhaupt noch MUT, irgendetwas nicht zu schaffen?
Wer traut sich noch, mit dem eigenen Versagen (einer Tatsache, denn wir sind nunmal Menschen, und Menschen versagen gelegentlich) zu leben?

Im letzten Jahr habe ich kaum gelacht. Ich hatte ständig ein schlechtes Gewissen, weil ich mir am Tag zwei Stunden Mittagspause genommen habe - immer den Gedanken im Kopf, dass "alle anderen" währenddessen lernen...

Ich dachte, das ist absurd und stelle entsetzt fest: Das ist die Realität.
Die meisten ticken so.


Bin sehr gespannt auf eure Antworten!
 
Wir sind Generation Leistung. Das ist einfach so. Heute wirst du nicht mehr als erstes gefragt wie es dir geht oder was du gerne tust sondern "was arbeitest du?" "welchen Schulabschluss hast du?" "Welche Ausbildung hast du?"

Der Mensch selber zählt heute nicht mehr, nur was er leistet/geleistet hat, was er besitzt was er verdient und vorallem welche Jobposition er ausübt und wieviel Macht damit verbunden ist.

Viel geändert hat sich aber allerdings nicht. Früher waren die Menschen den ganzen Tag damit beschäftigt Haus und Hof zu in Schuss zu halten zu, Jagen und Felder zu bestellen damit sie was zu Essen hatten.
 
Dieses Forum ist nicht unbedingt ein Querschnitt der Bevölkerung, ist es ja gerade für Personen mit Problemen und Ängsten jeglicher Art.
 
Was denkt ihr, ist das noch normal? Kann man von einer "Generation Angst" sprechen? Mir scheint es fast so.

Ich halte nichts von solchen verallgemeinernden "Generation ..." Begriffen.

Nein, ich würde in keiner Weise von der "Generation Angst" sprechen, ich würde eher sagen, dass sich die Welt und die Gesellschaft immer perverser, asozialer (das Wort gebrauche ich im Sinne von unsozialer, ja) und unnachgiebiger wird.
Marionetten und verheizte "Rennpferde", am besten ohne jeden Funken Selsbtvorstellung für den irrsinnigen "Wettbewerb" bis zum Umkippen Leisung bringen müssen. Dahin soll die Entwicklung woh noch weiter gehen, die ja schon begonnen hat.
 
Mich würde einmal ernsthaft interessieren, wieviel Prozent der Studierenden so empfinden wie ihr hier.
Ich erlebe die Mehrzahl der Studenten in München eigentlich nicht so, daß sie vor Leistungsdruck gleich umkippen. (nein, doch: im englischen Garten, stimmt dort liegen sie heute wieder in Massen rum😉)
 
Ich hab mein Studium seinerzeit im 5. Semester geschmissen weil ich geschnallt habe dass es nichts für mich ist. War halt nur ein Nebenstudium, parallel zur Arbeit - wäre es ein richtiges Studium zur Vorbereitung auf das Berufsleben gewesen, hätte ich vielleicht (aus Angst) mehr investiert.
 
Was sich sicherlich stark verändert hat ist, dass es nirgendwo mehr Zukunftssicherheit gibt und geben wird. Unabhängig von der Qualifikation. Denn umso mehr man in der Hierachie und Klassengesellschaft nach oben steigen will, umso mehr macht sich auch die Angst breit, dass es auch dort keine absolute Sicherheit mehr geben wird, weil der Kampf um die guten Posten wohl auch immer härter ausgetragen werden wird. Die Konkurrenz wird auf die Spitze getrieben und als motivationsfördernd eingesetzt. Dazu kommt noch, dass die nötige Zeit für einen Ausgleich, für das Innehalten vom Stress und Leistungsdruck, die Zeit für das Soziale, die Zeit für den entspannenden privaten Bereich, immer schmaler wird.

Ich erlebe immer mehr Menschen, die gar nicht mehr wirklich abschalten können, so sehr sind sie in einem Hamsterrad gefangen. Sie sind kaum noch erreichbar. Das schlägt sich sicherlich auch nieder bei den ständig ansteigenden Zahlen für Burnouts und bei den erheblichen psychischen Problemen, was viel zu wenig Beachtung findet. Die Angst hat meines Erachtens zweifellos zugenommen. Und das Schlimme daran ist vor allem, das hat ja auch System, das wurde zweifellos auch so politisch gewollt.
 
Ich denke nicht, dass wir von der "Generation Angst" sprechen können.

Erinnert mich *lach* an die "Generation Golf", wobei ich die Bezeichnung eben auch für unpassend halte.

Es gibt in unserer Gesellschaft verstärkten Leistungsdruck, oder sollte ich nicht besser sagen: wieder einmal einen anderen?😉

Ausserdem kommt es ja auch mit darauf an, in welcher Gesellschaft man sich je befindet.
Mir sagte ´mal ein Medizinsoziologe:"Es gibt aber nur eine Gesellschaft, in der wir leben."
Boah! Bin ich froh, dass ich dessen Freunde nicht habe, bzw. in seiner Gesellschaft nicht ständig verkehren muss. Der hatte ja ´ne Brille auf! 😎 (Würde er von mir wohl auch sagen. *schmunzel*)

LG
Landkaffee
 

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