Hallo,
tja, wo liegt der Geldbedarf einer Studentin? Ich denke die Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten, immerhin ist der Bedarf eines Menschen immer auch abhängig von persönlichen Prioritäten, Einstellungen und dem Bezug zu materiellen Gütern bzw Geld.
Wenn deine Tochter jetzt von klein auf einen gewissen Lebensstandart lebt, der es ihr ermöglicht sich zb öfters mal neue Kleidung zu leisten oder oft abends auszugehen, wird sie natürlich nicht den durchschnittlichen Bedarf eines deutschen Durchschnittsstudenten entwickelt haben.
Der Bafög-höchstgetrag liegt bei uns bei genau 585 Euro. Darin ist Wohngeld schon enthalten. Mein persönliches Einkommen beläuft sich mit Bafög, Kindergeld und Nebenjob auf ca.800 Euro. Davon bezahle ich 300 Euro Miete, Auto, Versicherungen, Telefon usw. und ich muss zugeben, dass damit mein Bedarf größtenteils gedeckt ist. Dazu muss ich allerdings erwähnen, dass ich eine niedigen Lebensstandart auch gewohnt bin. Ich habe gelernt Verzicht zu üben, zu sparen, zu arbeiten oder mich auch mit weniger guten Dingen zufrieden zu geben.
Das bedeutet, ich habe ganz andere Einstellungen die Notwendigkeiten des Lebens betreffend, ich gehe mit einem ganz anderen Blick durch Läden und habe ganz andere Bewältigungsstrategien in Bezug auf finanzielle Nöte entwickelt.
Von daher denke ich, dass jeder Mensch seinen individuellen Bedarf hat und wenn ihr eine wohlhabende Familie seid, werden 1100 Euro wohl anscheinend dem Bedarf deiner Tochter angemessen sein. Allerdings würde ich den Durchschnittsbedarf deutscher Studenten wesentlich geringer einschätzen.
Was das Ganze allerdings auch zu einer erzieherischen Frage macht. Oben erwähnte Dinge wie Verzicht üben, sparen und arbeiten werden ja in unserer Gesellschaft allgemein als Tugenden anerkannt, die jeder junge Mensch erlernen sollte, um den Anforderungen, die das Erwachsenenleben manchmal an uns stellen kann, gerecht werden zu können. Und als Elternteil ist es mit Sicherheit nicht immer einfach den angemessenen Mittelweg zu finden zwischen provoziertem Leiden, den ja Geldentzug darstellt, als erzieherische Maßnahme und andererseits den Kindern ein angenehmes Leben zu ermöglichen.
Ich denke um den wirklichen Bedarf euerer Tochter zu ermitteln, müsstet ihr erst einmal herausfinden, wie ihre Vorstellungen in Bezug auf das Leben, den Umgang mit Geld und Arbeit aussehen. Wieviel neue Klamotten hält sie für angemessen und was wurde ihr als angemessen beigebracht? Wie verhält sie sich beim einkaufen, ist sie es gewohnt auf Sonderangebote zu achten? Und dann müsst ihr das abgleichen mit euren eigenen Vorstellungen vom angemessenen Umgang mit materiellen Gütern und ggf. entscheiden welche und wieviele dieser Dinge zu einem Lebensstandart gehören, der von eurer Tochter selbst erarbeitet werden soll bzw was ihr für entbehrlich haltet.
Das ganze würde ich wirklich von euren ganz persönlichen individuellen Vorstellungen und Erziehungszielen abhängig machen und nicht von den Vorstellungen anderer Leute oder was allgemein als Tugend erachtet wird.
Wenn sie mit einem gewissen Lebensstandart aufgewachsen ist, halte ich es für blödsinnig, sie jetzt mit 500 Euro ins kalte Wasser zu schmeissen. Das könnte sie gar nicht bewältigen.
Ich hoffe, ihr könnt die richtige Entscheidung für euch und eure Tochter treffen und wünsche viel Erfolg beim Studium (und dass sie keine sieben Jahre braucht).
Schöne Grüße Eska