@Lena:
für mich sind Omas oder andere Menschen die für mich beten nix Besonderes...aber Menschen, die generell an mich denken, und für mich da sind schon. Ich finde es grenzwertig und ein wenig zu fundamentalistisch aus der Beterei so einen Hype zu machen...es geht auch ohne beten und einfach mit Menschlichkeit.
Wenn ich höre dass jemand für mich betet bringt das wenig für mich, ich bin da eher ein praktischer Mensch der sagt: ich würde mich eher darüber freuen wenn du uns nen Pflaumenkuchen backst und wir mal einen schönen gemeinsames Kaffeetrinken veranstalten, plaudern, lachen, es uns gut gehen lassen und dabei Gott oder sonstwelche Entitäten mal einfach in der Kirche belassen. Einfach nur SEIN, auch füreinander dasein ohne das unter dem Gebot eines Gottes zu tun, was den Effekt mindert und dann so aussieht als würde man nur freundlich sein und für andere beten, damit einem Gott gewogen ist, einen als braves gutmütig vor sich in blökendes Schäfchen ansieht, dass er dann weil es so schön nett, brav und folgsam war und viel gebetet hat (sogar im Dauerabonnement für das gesamte Umfeld gleich mit) nach dem Tod in den Himmel einläßt.
Hinter diesem Beten steckt mir viel zu viel (gottgelenkte) Mechanik und keine echte, direkte, persönliche Herzlichkeit...ich kann halt wenig damit verbinden und anfangen.
Aber ich sehe das halt so als buddhistisch angehauchte Atheistin...Mag sein dass christliche Menschen, einsame, traditionellere oder ältere und kranke Menschen es als hilfreich ansehen dass man gemeinsam betet und andere für einen beten, man füreinander und miteinander betet, was einem ein Gefühl von Gemeinschaft und Sicherheit gibt. Was dem einen sein Gebet ist dem anderen dann ggf. der Kaffeeklatsch oder einfaches Gespräch...finde ich in Ordnung solange sich die Betenden nicht als was Besonderes hervortun, sondern hübsch bescheiden bleiben.😉 Und ihre Gebete nicht auf ein Podest stellen...sondern als normale (keineswegs besondere) menschliche Geste darstellen.
Für mich ist also eine (auch unchristliche oder egal welcher Konfession angehörende, hauptsache menschliche) Oma die schlicht Herz und Verstand hat was Besonderes...eine Oma die nicht nur gutmütig sein kann, sondern wenn es drauf ankommt auch mal mutig und kämpferisch ist, zupacken kann. Wie meine Vorfahrinnen aus Ostpreußen die sich in Kriegszeiten durch Schnee und Eis über die zugefrorene Ostsee kämpften um ihre Familien in Sicherheit zu bringen. Wären sie zu Hause geblieben und hätten gebetet wären alle tot, verschleppt und ich heute nicht am Leben. Ich bin froh dass meine Oma und Uroma nicht nur gutmütig drauf waren und nicht nur gebetet haben.
Ich denke sowas wie eine im Schaukelstuhl sitzende Oma die immer nur nickt und zu allem Ja und Amen sagt, gutmütig mit dem Kopf nickend ist ein Klischee und wenig realitätsangepaßt. Generell fußt dieses Urbild der gutmütigen Frau, aufopferungswilligen Frau auf einer patriarchalen Basis, der ich eher skeptisch gegenüber stehe, zwingt sie die Frauen doch allzu oft in Rollen in denen sie zuständig dafür sind das Glück anderer zu bestellen, aber selbst für sich wenig Glück erfahren. Die auf Basis des christlichen Konzepts für diese gutmütige Aufopferung in Aussicht gestellte posthume Belohnung (ewiges Leben, Himmel etc.) reicht mir nicht, da mir die Sache zu vage und unwahrscheinlich ist.
Gutmütigkeit in zu hohem Maße oder an unpassender Stelle kann durchaus auch negative Seiten (für einen selber oder auch demjenigen, den man zu viel Gutmütigkeit entgegenbringt) haben und in gewissen Situationen unangemessen sein. Auch hier kommt es wie bei allen Dingen des Lebens auf das richtige Maß an.
Eine Oma, die beispielsweise einem lethargischen, depressiven Enkelsohn, der in Sachen Eigenverantwortung nicht aus den Puschen kommt und seinen Vorfahren wenig Achtung zollt indem er sich endlos als Schmarotzer an die Familie klettet, Therapien verweigert, nimmt, nimmt und nie auch mal was gibt, gutmütig zu behandeln (Geld zuzustecken etc.), für ihn zu beten anstatt ihn mal ein wenig weniger gutmütig und konkret in den Hintern zu treten halte ich sogar für unsozial gesellschaftsfeindlich also auch irgendwo unchristlich denke ich.
Das war jetzt mal ein erfundenes Beispiel anhand dessen ich klar machen wollte, dass man in Sachen Gutmütigkeit halt immer auf die jeweilige Situation gucken sollte. Wunderbar im vorliegenden Beispiel wäre eine pfiffige Oma, die ihren Enkel auch mal mit weniger Gutmütigkeit und konkreter Erziehungsarbeit (anstatt von Gebeten) auf Trab bringen würde. Wunderbar finde ich eine Oma die sich mit guter Beobachtungsgabe und Weisheit an jeweilige Situationen anpassen kann, die Charakter hat und ein gutes Vorbild bietet.
Tyra