Ich habe mir nun die Mühe gemacht, nicht nur deine Ausgangsfrage, sondern auch die Rückmeldungen und Rückfragen sowie deine Kommentare zu lesen.
Wow - eine wirklich schwierige Situation.
Sehr verzwickt, darauf eine Antwort zu geben, die du überhaupt bereit bist, zu reflektieren und ernsthaft zu überdenken.
Mein Gefühl ist, dass du dich sehr gemütlich in deiner Opferrolle eingerichtet hast. Deine Mutter gibt dir kein Kontra und zeigt dir ihre Liebe - egal was du tust. Dein Vater möchte dich motivieren, Verantwortung zu übernehmen für deine Entscheidungen und dich bestärken, deinen eigenen Weg zu finden. Damit hat er den strategischen und führenden Part bei der Elternarbeit übernommen.
Aus meiner Sicht macht er dies sehr vorsichtig, zaghaft und wertschätzend. Da du dies jedoch bereits als Angriff, Ablehnung und Verurteilung wahr nimmst, zeigt insbesondere, dass da viel früher Grenzen hätten gesetzt werden müssen.
Die ursprüngliche Situation im Ausgangspost war eigentlich völlig banal. Deine Eltern haben zum Essen im Restaurant eingeladen. Neben der gesamten Karte gab es ein Tagesangebot (in dem Fall Fisch). Deinen Eltern, die als Gastgeber die Rechnung übernommen haben, war aber wichtig, dass niemand nach dem Preis aussucht, sondern jeder bestellt auf was er/sie Lust hat. Somit gab es im Vorfeld keine Ansage und es war vollkommen okay, dass du dir ein Schnitzel bestellt hast.
Da fängt es doch schon an: Du hast ein Schnitzel ausgesucht und wolltest dann wechseln, weil die anderen sich Fisch bestellt haben..... Was soll das? Wenn du Lust auf Schnitzel hast, dann ist das doch fein. Es sprach nichts dagegen, dass du das gewünschte Schnitzel bekommst. Auch war deine Intension umzuschwenken ja nicht, dass du plötzlich keinen Appetit mehr auf das bestellte Schnitzel hattest - es war lediglich (völlig unbegründete) Scham deinerseits, dass nur du dich für das Schnitzel entschieden hast.
Dein Vater hat leider recht. Du stehst nicht zu dir selbst, zu deinen Wünschen oder Entscheidungen. Du erwartest eigentlich, dass andere dir die Arbeit abnehmen, für dich entscheiden und am Ende auch die Konsequenzen verantworten.
Daher tust du dir auch schwer damit irgendwas selbst zu entscheiden und dazu zu stehen. Egal um welches Thema es geht: Tabletten nehmen ja/nein, Wohnort Kinderzimmer im Elternhaus oder in einer WG - spielt keine Rolle. Du forderst ein, dass andere dein Leben organisieren und dich immer bestärken, bedauern und unterstützen.
Wenn du dich 'nicht wohl fühlst' liegt das natürlich auch am Verhalten der anderen. Dein Vater agiert auf deine Provokationen sehr geduldig, ruhig und besonnen. Du solltest sehr froh und dankbar dafür sein. Diese Gelassenheit hätten nicht viele Menschen in gleicher Situation.