Ich finde es lustig (mir fällt kein besseres Wort ein) wie leicht man in diese Falle tappt. Es ist ein harmloses "Kannst du mir mal helfen?", ein "Soll ich dir helfen?", ein objektiv harmlos und freundliches Angebot, und man gerät in den grenzenloses Sog des Narzisten.
-----------------------------------------------------------
Eine kleine Geschichte - die Couch
Ich hatte eine 10 Jahre alte Kunstledercouch, die ich bei Ebay an Selbstabholer verschenken wollte. Als meine Mutter davon erfuhr, wollte sie die Couch unbedingt haben. Sie wollte sich auch um den Transport kümmern. Ich war so dumm und stimmte zu....
Es vergingen 5 Wochen, in denen meine Mutter mit mir am Telefon immer wieder über den Transport sprach, wie schwer es sei jemanden dafür zu finden und mit mir die Angebote der Transportunternehmen durchging. Natürlich gepart mit viel Rasissmus. Ich wusste: Das Thema würde mich noch Monate geschäftigen.
Ich sagte meiner Mutter mehrfach, dass die Couch alt sei, das Kunstleder brüchig und bevor sie einem Unternehmen zum Transport Geld zahlt, könne sie davon auch eine neue Couch kaufen. Mich ärgerte zudem, dass meine Mutter die Couch dafür missbrauchte mich ständig anzurufen, nur um mir 3 mal die Woche, auch während meiner Arbeitszeit, den Stand ihrer "Transport-Suche" mitzuteilen. Außerdem kam sie mehrfach vorbei, um sich die Couch anzusehen, die Maße zu nehmen usw.
Nach 5 Wochen, hatte sie ein Unternehmen gefunden. Das konnte aber nur an einem Dienstag Morgen und ich musste mir dafür Urlaub von meiner Arbeit nehmen. Die zwei nicht deutsch sprechenden Mitarbeiter des Unternehmens, die ich mit Händen und Gesten um Vorsicht bat, musste die Couch nur durch den Flur transportieren, schafften es aber die Tapeten und Türrahmen zu zerkratzen. Bezahlung? Bar, 200 €, die meine Mutter natürlich nicht dabei hatte und ich vorstrecken musste. Ich könnte k*tzen! Zumal meine Mutter sich mit der Rückzahlung der 200 € ein halbes Jahr(!) lang Zeit lies und dann darauf bestand es mir bar zu geben womit sie wieder ein Treffen erzwang.
Am Tag des Abtransportes rief mich meiner Mutter noch 3 mal an, zuletzt um 23 Uhr um mir zu sagen, dass die Couch farblich toll in ihre Wohnung passte.
Jetzt ist das Thema aber vorbei, oder? NEIN! Nach einigen Monaten begann die Kunstledercouch "abzublättern". Davor hatte ich meine Mutter im Vorfeld gewarnt, dass das dünne Kunstleder brüchig wurde. Das ist bei Kunstleder üblich. Deswegen kaufe ich selber inzwischen lieber Stoff.
Meine Mutter berichtet mir jetzt seit 3 Jahren darüber. Seit 3 Jahren fällt in Gesprächen von ihr immer mal wieder der Hinweis, dass die Couch kaputt gehe. Oft mit unterschwelligen Klagen gegen mich: "Ich hätte es ihr sagen sollen", "ich soll ihr eine neue Couch besorgen", "Dafür hätte sie nicht 200 € gezahlt" oder "Der Sohn einer Bekannten hätte seiner Mutter für so einen Mist keine 200 € abgeknöpft" (Ich habe ihr keinen Cent abgeknöpft sondern die Couch geschenkt, weil SIE darauf bestand!!!)
-----------------------------------------------------------
Natürlich will sie keine Lösung für das Problem, sondern immer und immer wieder nur ihre narzistische, emotionale Empörung. Jahre lang. Auf ewig!
Es ist nur ein Beispiel von Vielen. Ich habe meiner Mutter bei all diesen Themen gebeten, sie nicht immer und immer wieder anzusprechen. Sie hört dann 1-2 Wochen damit auf, fängt dann aber wieder damit an.
Ich weiß: Ihr werdet alle fragen, warum ich das Spiel so lange mitgemacht habe.
Die einfache Antwort: Weil meine Mutter mich immer die die Rechtfertigungsecke gedrängt hat und ich mich gezwungen fühlte mich zu erklären.
Will ich ihr die Couch nicht schenken, fragt sie warum, ob ich was gegen sie hätte, ob ich sie nicht lieben würde usw. Das fragt sie immer wieder, zu jedem Thema, über Jahre. Wenn man es schafft ein Thema zu beenden, kommt das nächste. Ein ewiger emotionaler Druck.
Regelmäßig kommt sie etwa mit dem Thema, dass sie ihr Haus ja nicht hätte verkaufen müssen, wenn ich ihr finanziell geholfen hätte. Ich wette das Thema hat sie bereits 50 mal angeschnitten. Das Thema ist längst vorbei aber sie hackt weiter auf mir rum als den "bösen Sohn", der ihr nicht geholfen hat.
Jahre lang habe ich gedacht, ich müsse ihr meine Entscheidungen erklären, dann würde sie diese verstehen oder zumindest irgendwann Ruhe geben. Nein! Diese Frau macht mich kaputt!
Ich kann 30 Minuten die Woche mit ihr telefonieren und sie zweimal im Jahr an Weihnachten und zum Geburtstag sehen, aber mehr Raum darf ihr nicht geben. Jeder Kontakt wird toxisch ausgenutzt. Nach jedem Kontakt geht es mir schlecht. Und aktuell stelle ich für mich fest, wie wenig mir fehlt, obwohl ich sie jetzt seit einem halben Jahr garnicht mehr gesehen habe.