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Frusttagebuch: Mutter

Früher wäre ich darauf angesprungen und hätte ihr ein Kissen bestellt.
Heute weiß ich, was das bedeutet:
  • Eine Stunde Diskussion über Größe, Farbe, Preis usw.
  • Dazu wiederholtes Klagen, dass meine Mutter kein Online-Shoppen "kann".
  • Dass die ganze Welt ungerecht ist.
  • Hundert Fragen dazu wo und wie das Kissen hergestellt wird,
Dann bist du schon ein gutes Stück weiter, sowohl mit dem Kissen, als auch mit dem TV-Gerät. DAS wird dir nicht noch einmal passieren. Also sehr gute Abgrenzung.

Was mich interessieren würde: Falls du sie zum Geburtstag oder Weihnachten beschenkst oder beschenkt hast. Wie reagiert sie auf Geschenke? Würdest du ihr zu Weihnachten das Keilkissen schenken, würde sie genau so herummäkeln?
 
Ob narzistisch oder anders, meine Mutter hat immer gut verstanden mir ein schlechtes Gewissen einzureden und ich habe es mitgemacht.

Wenn sie zu einem Treffen eine ganze Stunde zu spät kam und mir sagte "Du bist mir doch nicht böse?", habe ich die Zähne zusammen gebissen, gelächelt und gesagt "Nein", auch wenn sie die letzten 10 Male auch schon zu spät war. Warum? Weil ich keine Lust auf die Diskussion hatte, die folgte wenn ich etwas kritisierte.
Meine Therapeutin hat das in unserem Erstgespräch bereits gemerkt. Sie meinte: Immer wenn ich Emotionen verspüre, sieht man mir an, ich "lächle diese weg".

Du sagst, ich habe viel Geduld aufgebracht. Ja, ich habe gelernt alles lächelnd zu ertragen, aber das hat mich selber total fertig gemacht und es macht mir den Umgang mit anderen Menschen schwer, weil ich Konflikte meide und sogar dann deeskalierend agiere wenn ich das Opfer bin. Ich der Typ, der geschlagen wird und dann sagt "Bestraft den Täter nicht, vielleicht habe ich mich ja provokant bewegt".

In diesem Jahr habe ich aber durch die Sanierungsarbeiten in meinem Haus wieder gemerkt, dass es garnicht immer schlimm ist, auch mal in den Konflikt zu gehen und z.B. eine Nachbesserung zu verlangen, wenn Arbeiten nicht ausreichend ausgeführt wurden. Man darf auch mal unzufrieden oder sauer sein.

Meine Mutter betreibt aber eine Schuldumkehr:
  1. Person A macht einen Fehler.
  2. Person B äußert berechtigte Kritik.
  3. Person A rechtfertigt sich, greift an oder diskutiert endlos.
  4. Person B wird müde und gibt nach.
  5. Person A fühlt sich bestätigt und muss ihr Verhalten nicht ändern.
Und irgendwann gibst du halt auf irgendwas noch zu kritisieren und so eine Person hat dich komplett mürbe gemacht und du verhälst dich Anderen gegenüber auch so.

Meine Mutter hat sich ihr Leben lang so verhalten. Sie hat mal einen Job verloren, weil sie in dem Laden geklaut hat. Nach 6 Stunden Diskussion mit meiner Oma, gab meine Oma am Ende meiner Mutter Recht: Meine Mutter sei das Opfer, weil sie so wenig verdiene, dass sie klauen musste.

Ich finde Narzist als Bild so passend, weil sich meine Mutter ihr eigenes Idealbild geschaffen hat. Sie ist das Opfer selbst wenn sie als Täter auftritt. Und NIEMALS lässt sie von diesem Selbstbild ab. selbst wenn sie dich dafür mit Füßen tritt.
Ich verstehe dich da sehr gut. Mit Menschen, die einen zu manipulieren und schwindelig zu reden versuchen und wortreich und im Brustton der Überzeugung alles so hindrehen, als ob alle anderen Schuld hätten und sie selbst nur die armen unverstandenen Opfer seien, habe ich auch schon zur Genüge Erfahrung gesammelt... ^^

Aber ich sehe es positiv: Ich habe dadurch viel dazugelernt und kann mittlerweile gut damit umgehen. Diese Erfahrungen sind mir heute also sehr nützlich und ich bin froh darum! 🙂
 
Dann bist du schon ein gutes Stück weiter, sowohl mit dem Kissen, als auch mit dem TV-Gerät. DAS wird dir nicht noch einmal passieren. Also sehr gute Abgrenzung.

Was mich interessieren würde: Falls du sie zum Geburtstag oder Weihnachten beschenkst oder beschenkt hast. Wie reagiert sie auf Geschenke? Würdest du ihr zu Weihnachten das Keilkissen schenken, würde sie genau so herummäkeln?
Gute Frage, wirklich!

Früher habe ich über Jahr genau zugehört und versucht meiner Mutter etwas besonders schönes zu schenken. Einmal einen Tablett PC, dann Noise-Cancelling Kopfhörer, weil sie so klagte dass ihre Nachbarn so laut seien. Sie freute sich zwar immer über die Geschenke, aber es gab immer nur zwei Alternativen: Entweder herummäkeln oder vergessen.
Beim Tablett z.B. meckerte sie konstant, dass der Bildschirm oder die Schrift zu klein sei oder sie es ständig in der Hand halten müsse (worauf ich ihr noch einen Ständer für das Gerät schenkte).
Von anderen Geschenken wie den Noise-Cancelling Kopfhörern habe ich nie wieder was gehört, obwohl ich zwischendurch mal nachgefragt habe.

Schlimmer ist es umgekehrt. Wenn sie mir etwas schenken will, hat sie mich oft monatelang belagert und mich gefragt was ich will und war regelrecht penetrant und sauer wenn ich nicht ganz konkret etwas nannte.
Hat sie dann was gefunden, schenkte sie es mir dann über Jahre immer wieder. Meiner Oma hat sie damals ich glaube 10 Jahre lang die gleichen Anti-Faltencreme geschenkt. Ich habe irgendwann mal eine Schublade aufgemacht und da 8-9 Dosen davon gesehen, die meine Oma nie benutzt hat, aber vermutlich hatte auch meine Oma keine Lust auf Diskussionen um Geschenke...

"Geschenke" scheint so ein harmloses Thema, es fühlt sich aber auch so unheimlich emotional belastend an.
 
So ähnlich dachte ich es mir, zufrieden ist sie nie und schiebt ihre Unzulänglichkeit auf dich, auf andere oder auf die Dinge, die da nicht funktionieren.

Meinem Vater fehlten viele Dinge, als ich nach 40 Jahren wieder Kontakt hatte, ich besorgte ihm alles, selbstverständlich von meinem Geld. Wegen der Entfernung schickte ich oft Päckchen, auch zum Geburtstag/Weihnachten. Alles Dinge, die er brauchte, haben wollte. Wenn ich ihn besuchte, fand ich NICHTS davon wieder. Er entsorgte alles!
 
Gab es dafür eine Erklärung? Das ist ja schon krass.
Nicht wirklich. Wir waren zusammen für ihn einkaufen, er befand alles als gut. 2 Tage später erfolgten zig Anrufe, ähnlich wie bei @Andreas900 , ihn störe Dies und Das und überhaupt brauche er jenes eigentlich nicht. Wohlgemerkt waren wir auf seinen Wunsch einkaufen, weil er Dies und Das unbedingt brauchte. Dass er alles wegwarf, bemerkte ich dann jeweils nur bei meinen Besuchen.

Sorry, @Andreas900 fürs OT, aber ich kann sehr gut nachvollziehen, was das bei dir mit deiner Mutter macht.
 
Meine Mutter berichtet mir jetzt seit 3 Jahren darüber. Seit 3 Jahren fällt in Gesprächen von ihr immer mal wieder der Hinweis, dass die Couch kaputt gehe. Oft mit unterschwelligen Klagen gegen mich: "Ich hätte es ihr sagen sollen", "ich soll ihr eine neue Couch besorgen", "Dafür hätte sie nicht 200 € gezahlt" oder "Der Sohn einer Bekannten hätte seiner Mutter für so einen Mist keine 200 € abgeknöpft" (Ich habe ihr keinen Cent abgeknöpft sondern die Couch geschenkt, weil SIE darauf bestand!!!)
Möchtest du wissen, wie ich darauf reagieren würde?
 
Nicht wirklich. Wir waren zusammen für ihn einkaufen, er befand alles als gut. 2 Tage später erfolgten zig Anrufe, ähnlich wie bei @Andreas900 , ihn störe Dies und Das und überhaupt brauche er jenes eigentlich nicht. Wohlgemerkt waren wir auf seinen Wunsch einkaufen, weil er Dies und Das unbedingt brauchte. Dass er alles wegwarf, bemerkte ich dann jeweils nur bei meinen Besuchen.

Sorry, @Andreas900 fürs OT, aber ich kann sehr gut nachvollziehen, was das bei dir mit deiner Mutter macht.
Kein Grund sich zu entschuldigen, ich finde es ja spannend wenn es anderen Menschen wie mir geht.

Ich glaube, dass es diesen Menschen oft nicht um die Sache geht sondern um die emotionale Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Das lässt meine Mutter oft nebenbei fallen, etwa wenn sie auf einem Schwerbehindertenparkplatz parkt obwohl sie nicht schwerbehindert ist. Sie kann 10 Meter weiter auf einem normale Platz stehen, will aber den SB Parkplatz weil es ihr sooooo schlecht ginge.

Es geht nicht um den Parkplatz, nicht um einen Gegenstand, nicht um eine Sache sondern darum nach außen kund zu tun: Erkennt welch armer, verkannter Mensch ich bin. Welch heimliches Genie, welch aufopferungsvolle Mutter, welch edelmütiges Wesen.
 

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