Ganz kann ich es noch immer nicht verstehen. Jeder Erwachsene kann zu jeder beliebigen Zeit aufstehen. Ob angenehm oder nicht.
Sonst einen Job mit anderen Arbeitszeiten suchen.
Dies.
Bin ein ganz extremer Nachtmensch, und das pendelt sich auch immer wieder so ein, wenn man mich lässt - das heißt, ich schlafe, wenns nach mir geht, wirklich erst um 5 oder 6 Uhr morgens. Ich mag auch gar nicht dieses ganze Geseier von selbsternannten Lerchen, die sich damit immer so überlegen fühlen, von wegen, damit verdiene man mehr oder was auch immer. Dieses ganze "man muss um 4 aufstehen und seine Morgenroutinen runterbeten, wenn man erfolgreich im Leben sein will" bzw. "alle erfolgreichen Menschen salutieren bereits um 4 vor dem Schreibtisch" (was überwiegend aus den USA herüberschwappt) geht mir echt auf den Senkel, weil es keine Universallösung für jeden ist und weil es nix ist, worauf man stolz sein muss, wenn man eh ne Lerche ist und quasi um 4 bereits aus dem Bett fällt. Neuere Studien deuten an, dass Nachtmenschen intelligenter sind, also kein Wunder, dass sich die Welt nach den Lerchen dreht.
Aber davon abgesehen, als erwachsener Mensch, steht man halt auf, wenn man muss. Man muss nur genug Angst vor den Konsequenzen haben. Vielleicht muss man auch ein, zwei Jobs verbocken, Freunde verlieren usw., bis es einem irgendwann zu peinlich und charakterschwach ist, SCHON WIEDER zu spät zu kommen.
Dieses "Versucht, früh schlafen zu gehen", "versucht, aufzustehen", liest sich alles wie Kindergarten. Entweder macht man es oder man lässt es.
Momentan bin ich auf nem Seminar und es geht morgens um 8:30 Uhr los, d.h. ich leide die Woche über halt in der Hinsicht. Kann abends nicht pennen und bin morgens am A*. Aber ich möchte da nichts verpassen oder unangenehm auffallen, weil ich nicht aus dem Bett komme, also reiße ich mich halt zusammen. Das geht schon. Eine Zeit lang.
Was ich tatsächlich als Problem sehe - ich hatte mal nen Job, da musst ich wirklich um 4 aufstehen, und es war auch noch Schicht. Ich dachte, es pendele sich ein, aber das tat es nicht. ich dachte, gut, ich habe durchgemacht und gehe zur Arbeit, es geht mir S****, aber ich werde ja müde sein und dann gehe ich einfach schlafen. Ging ich dann auch. Um 22 Uhr, denn ich wusste ja, 20 Uhr wird definitiv ein Schuss in den Ofen. Leider war auch 22 Uhr ein Schuss in den Ofen, denn um 1 wachte ich auf und konnte nicht mehr schlafen. Das wiederholte sich, bis ich ein psychisches Wrack war. Ich hatte immer angenommen, irgendwann sei man so müde, dass man durchschläft. Aber es passierte nicht. Ich konnte nur noch an freien Tagen richtig schlafen, und da dann immer nur zur falschen Zeit - bis mittags. Was echt toll ist, wenn man dann um 20 Uhr wieder schlafen müsste. Nach 3 Monaten hab ich gekündigt, war aber bereits nach 4 Wochen durch. Ich finde, Eulen und Lerchen können da wunderbar koexistieren, denn es gibt immer Leute, die froh sind, wenn man lieber die späteren Zeiten nimmt (sogar oft mehr Leute, die lieber früh arbeiten als spät). Ist doch auch cool, wenn da nachts mit wachsender Begeisterung ein Brudi wacht und verhindert, dass euch die Säbelzahntiger fressen, damit ihr morgens um 5 direkt loskönnt, Beeren sammeln.
Also entweder nimmt man halt nen Job, der dazu passt, oder man passt sich an den Job an. Beides geht nicht. Dieses "versuchen" klingt eh nicht besonders überzeugt, und bei den Kollegen ist sie ja scheinbar auch bald durch, was unter den Umständen, das die Hauptarbeitslast morgens stattzufinden scheint, verständlich scheint.