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Friedhofsbesuche

Besucht ihr gerne Friedhöfe?

  • ja

    Teilnahmen: 13 65,0%
  • nein

    Teilnahmen: 4 20,0%
  • Friedhöfe sind mir gleichgültig

    Teilnahmen: 3 15,0%

  • Anzahl der Umfrageteilnehmer
    20
Ich weiß ehrlich gesagt nicht, welchem Zweck Besuche an bestimmten Gräbern dienen sollen. Das was den Menschen ausmachte, der da beerdigt oder eingeäschert liegt, seine Seele, Bewußtsein, Individualität, seine Hoffnungen, Wünsche, niederen Triebe und so weiter, nennt es wie Ihr wollt, das gibt es längst nicht mehr, ist wahlweise woanders oder hat sich in Luft aufgelöst, je nachdem was man glaubt.
An ihn denken kann man auch zuhause oder an einem Ort, wo der Verstorbene gern war, dazu braucht man nicht auf den Friedhof laufen.
Und eine Bestätigung, daß auch der Richtige im Grab liegt, kriegt man ebensowenig, falls man daran Zweifel hegen sollte, da muß man auf den Totengräber vertrauen.
In früheren Zeiten dienten Friedhofsbesuche wohl als Memento Mori oder hingen mit dem Glauben an eine leibliche Auferstehung zusammen, obwohl da immer die Frage offen blieb, wie sowas funzen soll wenn von dem Körper längst nichts mehr übrig ist, weil total vom Boden absorbiert, von Tieren gefressen oder von Pflanzen aufgenommen.
Nicht immer bleiben wenigstens Knochen übrig, in sehr kalkarmen oder sauren Böden werden auch die im Lauf von Jahrhunderten total zersetzt, bis von einer Leiche überhaupt nichts mehr übrig ist außer ein paar Verfärbungen im Boden und vielleicht Grabbeigaben, wenn er zu so einer Zeit begraben wurde wo das üblich war. Nicht so erfreulich für Archäologen.
Aber die Leute die daran glaubten, glaubten in der Regel auch daran, daß diese Auferstehung in absehbarer Zeit erfolgen würde, vielleicht noch zur eigenen Lebenszeit, so daß von den Leichen noch ein bißchen was übrig sein würde. Den Rest hätte dann irgendeine göttliche Magie bewirkt, daß die Leichen sich wieder vollständig zusammensetzen.
Deswegen sind für mich die Friedhöfe quasi die legalen Aufbewahrungsorte für menschliche Überreste, die mit Pietät zu behandeln sind, aber jetzt nicht irgendeinen Wert hätten, wegen dem man sich großartig verbiegen müßte. Aus den Augen, aus dem Sinn.
Auch aufwendige Beerdigungen machen für mich wenig Sinn mit Echtholz-Mahagoni-Sarg und jeder Menge Tamtam, denn der Tote hat davon gar nichts mehr, das dient nur dazu, die Lebenden zu beeindrucken.
Den eigentlichen Nutzen hat die Natur, wo man sie auf naturbelassenen Friedhöfen zuläßt, und die Menschen die den Ort als ruhige Oase nutzen wollen, weil da halt nicht alles erlaubt ist, was Lärm und Dreck macht.
 
Als Corona anfing, habe ich mir einige Friedhöfe angesehen. Friedhöfe mit alten Denkmäler wo der Herr Oberstudienrat noch verewig ist und seine gute Frau auch in Frieden ruht. War interessant ws alles auf den Grabdenkmäler so steht.
Ein Friedhof steht noch aus, dort gibt es Sinti- und Romakönigsgräber, eine Führung dazu kommt auch noch.
 
Mir sind Friedhöfe egal. Ich geh nur hin, um das Grab meiner Eltern zu pflegen oder um meiner Lebensgefährtin bei der Pflege der Gräber ihrer Angehörigen zu helfen.
 
Ich sehe mir gern historische Friedhöfe an.

Abgesehen davon sind Friedhöfe für mich ein Ort der Erinnerung und der Natur.
Hier gibt es einen Waldfriedhof. Mittlerweile liegen dort viele Menschen, die irgendwann auf verschiedenste Art und Weise Teil meines Lebens waren und an die ich mich gerne erinnere. Auf dem Friedhof habe ich die Ruhe, genau das zu tun.
Ich denke auch im Alltag immer wieder an diese Menschen, aber auf dem Waldfriedhof geschieht das manchmal bewusster. So richtig erklären kann ich es nicht.

Die Gräber meiner Verwandten besuche ich allerdings ungern. Nirgends ist weniger von ihnen, als auf dem Friedhof. Ich trage sie in meinem Herz und meiner Erinnerung und brauche den Besuch des Grabs nicht.

Vor ein paar Wochen war ich mit meinen Eltern auf einem größeren Friedhof. Dort gingen wir unter anderem seit Jahren am Grab eines Jugendfreundes meines Vaters vorbei. Nun wurde das Grab aufgelöst. Der Grabstein ist weg und da, wo vorher Blumen waren, wäschst nun Wiese. Das war ein weniger wie ein neuer Abschied.
 
Jüdische Friedhöfe sind etwas ganz Besonderes!

Ein jüdischer Friedhof (hebräisch בית-עלמין bzw. בית-עולם, Aussprache: [beɪt ʌl'mɪn] bzw. [beɪt o'lʌm], dt. „Haus der Ewigkeit“ nach Kohelet 12,8 EU oder בית קברות [beɪt kvʌ'rot], „Haus der Gräber“) ist ein Friedhof mit Besonderheiten, die sich aus den Gesetzen des Judentums ergeben. So ist die Erdbestattung vorgeschrieben. Die dauerhafte Totenruhe gilt als verbindlich und steht einer begrenzten Ruhefrist entgegen. Die Besucher legen statt Blumen in der Regel kleine graue Steine auf das Grab.


Vor Jahren habe ich in Prag auch für Franz Kafka einen kleinen Stein auf sein Grab gelegt.
 
Zweck?
Muss denn immer alles einen praktischen "Zweck" haben?
Womöglich noch mit finanziellem Nutzen?
Das sehe ich nicht so.
Für mich erfüllt der weite Weg zum Friedhof keinen Zweck, wenn ich in der Zeit was besseres zu tun hätte. Wenn ich mal über einen Friedhof laufe, dann weil ich sowieso grad in der Gegend bin und meine Zeit nicht auf andere Art nutzen kann. Zum Glück muß ich keine Gräber von Verwandten betreuen, Bepflanzung, Gießen, Sauberhalten und so weiter, einer der Gründe warum sich heute immer mehr Menschen einäschern lassen, dann entfällt das nämlich auf anonymen Urnengräbern, da geht nur mal der Friedhofsgärtner mit dem Rechen drüber und gut ist. Reicht völlig als Aufwand, imho.
 
Jüdische Friedhöfe sind etwas ganz Besonderes!
Vor Jahren habe ich in Prag auch für Franz Kafka einen kleinen Stein auf sein Grab gelegt.
Ja, das sind sie.
Das mit dem Stein hatte früher übrigens eine sehr praktische Bedeutung. Wenn die Juden während der Wanderschaft (als Nomadenvolk) ihre Toten irgendwo am Wegesrand begruben, konnten sie selten im harten Boden in die Tiefe graben, stattdessen wurden viele Steine über den Leichnam gehäuft, damit keine Schakale, Schweine und andere Aasfresser drankamen, und jedesmal wenn die Nomaden in späteren Jahren wieder an der Stelle vorbeikamen, wurden als Andenken an den Verstorbenen weitere Steine draufgepackt, bis sich ganze Wegmarken entlang ihrer Wanderroute gebildet hatten, aus den Steinhaufen über den Gräbern. So konnten sich die Hinterbliebenen mit ihren Viehherden auf den Wanderrouten kaum verlaufen.
Später als sie seßhaft wurden, hat man nur noch symbolische Kieselsteine benutzt, das gilt bis heute, und der Spruch: "Blumen sind für die Lebenden, Steine sind für die Toten." Darum sollte man sich nicht wundern, wenn man einen jüdischen Friedhof besucht, daß die nicht sauber ausgeputzt sind wie die christlichen, sondern Gras zwischen und über den Gräbern wuchert, keine Blume weit und breit, nur kleine Steine auf verschiedenen Gräbern. Das gehört sich so!
 

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