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Freundschaften mit Grenzen

M

milestiba

Gast
Hallo,

habe nun auch den Weg hierher gefunden und möchte mir mal ein bißchen was von der Seele schreiben. Vielleicht hat ja jemand Lust es zu lesen und auch ein paar Worte dazu zu schreiben.

Zunächst muss ich sagen, dass ich jemand bin, der das AlleinSein durchaus genießen kann, ja es oftmals sogar sucht, weil ich es hin-und wieder einfach brauche, um mich zu sammeln usw.
Dennoch fühle ich mich in letzter Zeit immer häufiger unwohl damit, fühle mich schnell einsam und mache mir Gedanken über die Qualität meiner Freundschaften.

Es ist so: i.d.R. habe ich keine Probleme Kontakte zu knüpfen, komme relativ schnell ins Gespräch mit neuen Menschen usw, dennoch sind die Kontakte, die sich nun schon über Jahre halten überschaubar (vermutlich normal, ist ja rein pragmatisch schon nicht möglich mit allen superintensiven Kontakt zu halten).
Ich schätze diese Kontakte bzw. Freundschaften sehr und möchte sie auch nicht missen aber irgendwie spüre ich auch oftmals so etwas wie Grenzen.
Ich weiß nicht genau, wie ich es beschreiben soll. Ich kann mit vielen gut reden, auch oftmals über sehr persönliches aber irgendwie ist das immer nur so punktuell. Man trifft sich mal (oder telefoniert, weil einige auch weiter weg wohnen)-tauscht sich aus und dann ist wieder Ruhe (mal länger mal kürzer). Im alltäglichen Leben ist man nicht wirklich verbunden bzw. habe ich oft das Gefühl,ich bin ein wirklich gern gesehener Gast aber nicht wirklich in das jeweilige soziale Netz integriert. Hab den Eindruck, egal wen ich kennenlerne, die wirklich wichtigen Plätze sind sozusagen meistens schon belegt und so bleibe ich für die meisten eine nette Randerscheinung. In den letzten Jahren hat sich das vielleicht noch verstärkt, da viele nun in festen Partnerschaften leben, Kinder haben...klar, dass sich die Aufmerksamkeit dann um andere Menschen fokussiert (ging mir ja auch so als ich noch in einer Partnerschaft lebte).
Aber auch die,die noch solo sind, haben ja trotzdem schon ein bestehendes Freundschaftsnetz, dass sich über Jahre entwickelt hat...nur ich scheine irgendwie auf allen Hochzeiten zu tanzen und doch nichts eigenes zu finden. Und das macht mich traurig, denn auch ich möchte ein Gefühl von Zugehörigkeit usw. haben...aber was kann ich tun?

Vielleicht mal ein Bsp. aus der jüngsten Vergangenheit an dem sich u.a. mein Eindruck festmacht.
Letzten Sommer gab es 10jähriges Abitreffen. Hab mich gedrückt aus verschiedenen Gründen, trotzdem haben sich einige alte Kontakte wiederbelebt. Es war zu Schulzeiten schon so, dass ich zwar nie direkt ausgeschlossen wurde aber so richtig dazu gehörig habe ich mich auch nie gefühlt (im Nachhinein ist mir klar, dass es kommunikativ auch ganz schön viele Mißverständnisse gab), kurz gesagt, ich war damals froh die Schule verlassen zu können und so auch meine soziale Rolle irgendwie loszuwerden.
Deswegen zögerte ich zunächst mich wieder auf die Kontakte einzulassen, zumal die anderen sich in all den Jahren weiterhin regelmäßig gesehen haben usw. Aber ich hab's getan und es hat gut getan zu merken, dass man erwachsen geworden ist und sich auch mit anderen Augen betrachten kann. Ich war auch froh, weil viele andere Freunde, die ich vom Studium usw. kannte, mittlerweile nicht mehr in Berlin sind. So fand ich es schön auch hier in der näheren Umgebung wieder Kontakte zu wissen. Es hat sich zunächst auch gut entwickelt und ich war voller Hoffnung, dass sich das nun Schritt für Schritt intensivieren würde aber dann spürte ich wieder diese Grenzen durch die man spürt, dass man eben doch wieder nicht richtig dazu gehört. So gab es z.B., da wir ja alle 30 geworden sind in der letzten Zeit, eine riesen Party, welche u.a. von dem Freund einer der Freundinnen, mit denen ich nun wieder oft Kontakt hatte, initiert wurde. Es waren wirklich so viele Leute eingeladen, sogar ehemalige Lehrer und weitläufigere Bekanntschaften aus Schulzeiten...aber ich nicht. Ich erfuhr davon erst bei einem weiteren Treffen als alle davon rumschwärmten, denn sie waren ja alle da.
Das hat mich irgendwie total verletzt und das schlimmste ist, dass es nicht mal jemanden aufgefallen ist, dass ich da vielleicht auch hingehört hätte aber gefehlt habe und überhaupt.
Ich weiß einfach nicht, wie ich das interpretieren soll. Ich glaube nicht mal, dass das irgendeine tiefere Bedeutung hat,ich nicht eingeladen wurde, weil mich keiner mag, ich wurde schlichtweg vergessen und das tut fast noch mehr weh.
Ich merke, wie so etwas dazu führt, dass ich mich innerlich wieder zurückziehe....aber dann kommen ja wieder Einladungen. Aber es ist eben nichts beständiges, mal ja, mal nein.Mal ist man gewollt, mal nicht? Ich wünschte aber, dass man einfach mal selbstverständlich dazu gehört bei solchen Veranstaltungen.

Na ja, vielleicht bin ich auch einfach zu empfindlich, doch Bsp. dieser Art gibt es viele (auch mit anderen Menschen) und es führt mich doch zu Fragen alà "Warum ist das immer wieder so?" "Was mach ich falsch?" "Liegt es an mir-bin ich eine schlechte Freundin oder sind die Menschen einfach so?" "Wie kann ich das ändern?" usw.

Es ist auch so, dass, abgesehen von den Schulfreunden, sich die meisten meiner Freunde untereinander gar nicht kennen, vielleicht sich teilweise auch gar nicht mögen würden. Ist eben irgendwie alles so zerfleddert und manchmal mache ich mir Gedanken wie: Was ist, wenn ich irgendwann doch mal heiraten sollte? Hab's auf einigen Hochzeiten schon erlebt, dass sich dann Freunde, Geschwister usw. tolle Sachen für das Brautpaar haben einfallen lassen (spiele, Zeitung und sowas). Ich fand das immer ganz rührend aber wer sollte so etwas in meinem Fall tun? Mögen tut man mich aber kennt mich auch jemand? Fühlt sich dann jemand zuständig für so etwas oder denkt jeder "na, so viel haben wir ja auch nicht miteinander zu tun, da wird sie sicher andere für haben, die das machen"
Ich weiß, das ist jetzt Quatsch sich da konkret Gedanken drum zu machen aber irgendwie merkt man bei solchen Gedankenspielen doch, wie man die Situation einschätzt.

Manchmal frag ich mich, ob ich mich einfach für jemanden entscheiden muss und mir dann quasi gezielt einen Platz in dessen Leben ergattern sollte. Aber das ist natürlich auch Quatsch, denn 1. mag ich sie ja alle, könnte mich da nun nicht entscheiden 2. muss sich so etwas einfach ergeben.

So, das war jetzt sehr lang (obwohl ich noch viel mehr,besonders Bsp. bringen könnte- aber ich will mal erstmal nicht weiter nerven😉)...

Ich möchte auch nicht undankbar erscheinen, denn ich bin wirklich froh, dass ich überhaupt so viele nette Menschen kenne aber wie gesagt, die Grenzen sind mir manchmal zu spürbar. Wie könnte ich die durchbrechen (manchmal denke ich auch, vielleicht ist denen gar nicht klar, wieviel mir deren Freundschaft bedeutet. Vielleicht sollte man das mal direkt ansprechen aber dann hab ich fast schon wieder Angst, dass die sich überfordert fühlen könnten)....was meint ihr?

In jedem Fall schonmal Danke an alle, die es mit dem Lesen bis hierher geschafft haben😉

Liebe Grüße und 'nen schönen Abend wünscht,
milestiba
 
hallo milestiba,

du bist in deine eigen falle getappt.
deine gedanken fahren karussell und du weißt nicht wie du das stoppen sollst.
im grunde hast du alles, was ein mensch braucht.

du hast ein grundmotiv für dein leben erfüllt, in dem es darum geht, menschen um dich zu haben.
erfreue dich an den menschen in deiner gegenwart, egal wie gut du mit ihnen befreundet bist.
sei dankbar dafür, das man dich mag.

ich möchte dir einen buchtip geben.
wenn du das gelesen hast, wirst du alles mit anderen augen sehen und du wirst dich glücklich in deiner situation fühlen.
du kommst aus deinem karussell wieder raus und kannst deinen weg weiter gehen.

das buch heißt MARY und ist von ella kensington
ich wünsche dir viel spass beim lesen.

liebe grüße
shaddowangel
 
@ lila

es geht in dem buch um ein camp. in dem camp sind menschen, die das glück suchen. alle denken sie würden ein seminar machen, doch das ganze camp ist ein seminar. dort sind viele menschen mit unterschiedlichen problemen.
dann ist da eine frau, die erzählt einem mann eine geschichte von einem lichtwesen. der mann begreift durch die geschichte immer mehr, warum er probleme hat.
im grunde sind es gar keine probleme, er macht sie sich nur. als er das erkannt hat, verwandelt sich sein ganzes leben. das buch ist so fesselnd und du hast das gefühl, du bist mit in dem camp anwesend. du bist einer der campbesucher und lebst dort.
das ganze ist in einer art liebesgeschichte aufgebaut und mit immer neuen erkenntnissen über das glück.

z.z. lese ich die fortsetzung
das buch heißt: robin und das positive fühlen.

in dem buch wird alles noch genauer erklärt. es handelt sich ebenfalls um einen roman, der sich mit dem glück beschäftigt.

während des lesens erlebt man erstaunliche dinge.
man kann stets mitlernen, probieren und erfahrungen sammeln. und das tolle ist, es realisiert sich wirklich.

man fühlt regelrecht mit und lernt seine eigenen gefühle besser verstehen.
 
Danke für deine Antwort, shadowangel, aber um ganz ehrlich zu sein, bin ich nicht sicher, ob sie mir so viel weiterhilft.

Habe das Buch noch nicht gelesen aber ich kann mir anhand vieler Rezensionen schon denken, worauf es hinweisen will und ja, mit Sicherheit schaffen wir uns viele Probleme selbst durch unsere Gedankenkonstrukte. Mit Sicherheit macht es uns auch glücklicher eher auf die Dinge zu schauen, die wir haben und dankbar dafür zu sein (und das bin ich auch) anstatt sich immer auf die Mängel zu konzentrieren.

Und dennoch, es muss doch einen Grund geben, dass sich trotz positiver Einstellung bestimmte Mangelgefühle immer wieder einstellen (ich spreche jetzt nicht von materiellen Mängeln sondern meine ausschließlich den zwischenmenschlichen Bereich).
Kann es nicht sein, dass es tatsächlich einen Mangel gibt, der sich eben nicht "einfach" durch eine andere Einstellung, positives Denken kompensieren bzw. beheben lässt?

Ja, wir alle tragen eine eigenständige Kraft in uns, können uns selbst ein guter (vielleicht der beste) Freund sein uns selbst lieben- das alles kann uns lebensfähig machen- aber haben wir nicht trotzdem alle auch die zwischenmenschliche Wärme und Zuwendung nötig? (ist ja eigentlich auch wissenschaftlich erwiesen, dass in gut funktionierenden sozialen Netzen psychische Erkrankungen wie Angststörungen, Depressionen usw. viel seltener vorkommen)
Können wir deren Mangel wirklich aus uns selbst heraus kompensieren?

Für den heutigen Tag kann ich sagen: ich kann meine Freundschaften noch so hoch wertschätzen, heute spüre ich auch wieder deren Grenzen. Vielleicht liegt es daran, dass es mir momentan nicht so gut geht, ich auch konkrete Schwierigkeiten mit einer Uniaufgabe habe - es wissen eigentlich alle Freunde von meinen Schwierigkeiten, ich könnte auch jemanden anrufen und darüber sprechen (vorausgesetzt ich erreiche jemanden) und das ist schon toll und trotzdem, was mir fehlt, ist jemand der mich wirklich begleitet oder nein, eigentlich würde es mir schon Kraft geben, wenn ich das Gefühl hätte, jemand würde sich wirklich dafür interessieren, mal konkret nachfragen (eben öfter als alle paar wochen oder Monate) oder 'ne kleine Aufmunterung schicken ('nen Kärtchen oder so)....so etwas in der Art....eben einfach wirklich da sein.....

Ich möchte wirklich nicht undankbar erscheinen- das bin ich wirklich nicht- und ich bin auch nicht sauer oder vergnatzt, weil so etwas nicht passiert aber traurig bin ich schon.Ich spüre einfach, dass es fehlt....
Und ja klar, ich kann mich dann wieder zusammenrappeln, mich auf mich selbst und meine Stärken besinnen und irgendwie wurstel ich mich da auch alleine durch- dann kann ich mich wieder freuen, dass ich etwas ganz alleine geschafft habe. Aber wäre es nicht viel schöner auch mal zu erfahren, dass andere sich für einen interessieren, einen unterstützen, sich dann mit einem freuen usw.?
Andersherum ist es auch schön, wenn man diese Erfahrung zurückgeben und weitergeben kann...

Ich hab ja auch das Gefühl, dass meine Freunde dass alles durchaus transportieren aber eben innerhalb ihres sozialen Netzes, wo eben für mich scheinbar kein wirklicher Platz ist.
Und dann frag ich mich, warum das so ist- ob es an mir liegt, was ich noch tun kann, damit es sich ändert usw.?
Habt ihr 'ne Idee?

Na ja, das wollte ich einfach nochmal loswerden, weil es mich eben immer wieder beschäftigt. Vielleicht versteht das ja jemand- das ist nämlich oftmals schon hilfreicher als so mancher Ratschlag....einfach in seinem Kummer angenommen, verstanden und akzeptiert zu werden.... na ja, soviel dazu.

Ich wünsche allen einen schönen Abend,
milestiba
 
hallo milestiba

Ja, wir alle tragen eine eigenständige Kraft in uns, können uns selbst ein guter (vielleicht der beste) Freund sein uns selbst lieben- das alles kann uns lebensfähig machen- aber haben wir nicht trotzdem alle auch die zwischenmenschliche Wärme und Zuwendung nötig? (ist ja eigentlich auch wissenschaftlich erwiesen, dass in gut funktionierenden sozialen Netzen psychische Erkrankungen wie Angststörungen, Depressionen usw. viel seltener vorkommen)
Können wir deren Mangel wirklich aus uns selbst heraus kompensieren?

ja können wir.
ich hab mittlerweile auch die fortsetzung gelesen: ROBIN UND DAS POSITIVE FÜHLEN
in diesem buch erfährt man noch viel mehr darüber.
wenn man diese beiden bücher aufmerksam liest, fällt einem unglaubliches auf.

man kann das gar nicht in kurze worte fassen, weil es einfach viel zu umfangreich ist.
aber alles ist wirklich nachzuvollziehen, alles ist einfach zu verstehen und anzuwenden.

ich selbst war in depressionen gefangen, hatte ängste und sorgen.

all dieses ist ein missverständnis in unserem gehirn.
wenn man das erst einmal verstanden hat, verlieren sich ängste und sorgen und auch die depressionen lösen sich auf.

ich kann dir die bücher wirklich nur empfehlen.
die rezensionen sind schon gut beschrieben, aber sie sind eben nicht das buch selbst.

Ich hab ja auch das Gefühl, dass meine Freunde dass alles durchaus transportieren aber eben innerhalb ihres sozialen Netzes, wo eben für mich scheinbar kein wirklicher Platz ist.
Und dann frag ich mich, warum das so ist- ob es an mir liegt, was ich noch tun kann, damit es sich ändert usw.?
Habt ihr 'ne Idee?
genau um dieses thema geht es in dem buch: ROBIN UND DAS POSITIVE FÜHLEN

ich wünsch dir alles gute
shaddowangel
 

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