Meiner bescheidenen Meinung nach, um die Du ja bittest, liegt hier das Problem bei euch beiden und nicht nur bei einer Person. Hab mal ein wenig Beziehungs-Psychologie gegoogle't und vielleicht erkennst Du Dich bzw. Deinen Partner hier wieder:
Rückzug
Wenn eine Beziehung Gefühle in uns auslöst, die wir schwer einordnen können – zum Beispiel (Verlust-) Ängste, Eifersucht, Liebe – kann das dazu führen, dass wir unwillkürlich den Rückzug antreten, auf Abstand gehen und eine unsichtbare Mauer zwischen uns und der anderen Person errichten (Stonewalling). Die Intention dahinter ist meist, uns selbst zu schützen und uns ein Gefühl von Kontrolle zu bewahren.
Dieser Rückzug kann entweder physisch sein, das heißt, wir verbringen weniger Zeit mit der Person oder lassen weniger Nähe zu, emotional – wir unterdrücken unsere Gefühle –, oder er wirkt sich auf unser Engagement in der Beziehung aus: Wir hören auf, uns um die andere Person zu bemühen und Energie in die Beziehung zu investieren.
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Etwas, was mich zu einer Frage verleitet: Wie war es bei ihm bzw. euch beiden zu Beginn? Die ersten Tage, Wochen, der erste Monat? Wie verlief das? War es da genauso wie jetzt? Wie hat er sich Dir gegenüber verhalten?
Abwehr
Eine Abwehrhaltung entwickelt und manifestiert sich oft auf Grundlage eines instabilen Selbstwertgefühls, das aus früheren Erfahrungen von Geringschätzung, Ausgrenzung und Herabsetzung resultieren kann.
Er äußert sich darin, dass wir jegliche Kritik (aber auch zu forderndes Verhalten) als Angriff auffassen, uns als Opfer fühlen und sofort beleidigt sind oder uns rechtfertigen (müssen). Wie wir uns vorstellen können, hat das meist zur Folge, dass die andere Person in der Beziehung Angst und Hemmungen aufbaut, ehrlich mit uns zu sein und Probleme anzusprechen.
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Vielleicht hat er tief liegende Ängste oder Unsicherheiten, die er aus seiner früheren Beziehung mitgenommen hat, oder er kennt das von seinen Eltern, dass in bestimmten Situationen immer ein Streit folgte, oder er schämte sich für seine Jungfräuligkeit und wusste nicht damit umzugehen und hat das als "wunden Punkt" betrachtet, oder oder oder ...
Selbstaufgabe
Auch nicht ganz selten entsteht diese schädigende Gewohnheit in einer Beziehung: Wir tun alles, was wir können, um die Person zu sein, von der wir glauben, dass der:die andere sie gut findet und liebt – und stellen dafür unsere eigenen Bedürfnisse sowie unser wahres Ich zurück. Dieses Verhalten hängt oft ebenfalls mit einem mangelhaften Selbstbewusstsein zusammen und mit einer übersteigerten Angst vor Ablehnung. Da wir uns selbst nicht für liebenswert halten, nehmen wir an, dass wir uns Liebe und Treue verdienen müssen, indem wir zum Beispiel anderen alles recht machen.
Problem daran: Die andere Person kann uns dadurch gar nicht zeigen, dass sie uns liebt und uns mit unseren Bedürfnissen und allem Drum und Dran akzeptiert. Doch genau um diese Erfahrung geht es in intimen Beziehungen – zu erleben, dass wir nichts leisten müssen, um etwas wert zu sein. Dadurch geben sie uns Halt im Leben und helfen uns, mit Herausforderungen und Krisen klarzukommen. Es sei denn, wir verhindern es, indem wir sie sabotieren.
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Es kann sein, dass Deine inneren Ängste sich in Deinem Verhalten spiegeln und Du ihn unbewusst zu sehr bedrängst, weil Du Dir seiner Liebe oder wenigstens Zuneigung nicht sicher bist, was sich bei ihm in einer gleichgültigen aber abblockenden Art und Weise zeigt, um nicht angreifbar zu werden.
Angriff
Die Angriffshaltung ist in gewisser Weise das Gegenstück zur Abwehrhaltung und entsteht meist aus Unsicherheit und einem übersteigerten Bedürfnis nach Kontrolle. Indem wir der anderen Person in unserer Beziehung immer wieder Vorwürfe machen, sie angreifen und beschuldigen, sich falsch zu verhalten, nehmen wir die Dinge für unser Gefühl in die Hand, während wir gleichzeitig die Verantwortung von uns weisen, sodass wir nicht an uns zu zweifeln brauchen. Wahrscheinlich wird das viele Menschen eher von uns wegtreiben – was wir dann jedoch nicht mit uns in Verbindung bringen, sondern allein ihnen in die Schuhe schieben.
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Das trifft jetzt zwar nicht zu einhundert Prozent auf Dich zu, aber Tendenzen sehe ich hier bereits. Du bist unsicher, weil Du Bedürfnisse hast, die von seiner Seite aus unbefriedigt bleiben, was Dich dazu verleitet, alles selbst in die Hand zu nehmen und ihm damit die volle Kontrolle zu entziehen. Da er scheinbar nicht erwachsen genug ist, Dir gewisse Grenzen aufzuzeigen und zu sagen: "Du, pass auf, ich bin mir noch nicht zu einhundert Prozent sicher, weil ich nicht so schnell Gefühle entwickeln kann, wie Du", reagiert er dann scheinbar abweisend und quasi gleichgültig, um seine Mauer die er um sich gebaut hat zu stärken.
Soviel also zu meiner Meinung. 🙂
Tut mir leid, wenn es etwas viel Text ist. ^^