Die nächsten Monate waren dann ein richtiger Zickzackkurs, mal suchte er viel Nähe, dann ging er wieder auf Distanz und meldete sich dann auch nie bei mir. Dann verbrachte er das Pfingstwochenende bei mir und ich hatte das Gefühl, dass dies nun der Beginn einer Beziehung wäre, obwohl er immer betonte, dass er keine wolle. Und über das Stadium küssen und kuscheln kamen wir auch nie hinaus.
Spätestens da hätte Dir klar sein müssen, dass da was faul ist. Wenn ein Mann der sich offensichtlich für Dich interessiert keinen Sex haben will, dann ist da immer was im Busch ...
Und auf einmal sprach er Klartext, er erzählte mir, dass er noch nie eine Beziehung hatte, noch nie Sex und dass er vor mir auch noch nie eine Frau nackt sah und dass er Angst hatte mir das zu sagen, weil er Panik vor meiner Reaktion hatte.
... wie auch in diesem Fall. Mit 25 nach Maßgabe seine bisherigen Verhaltens ist klar, dass das mittlerweile zu einer fixen Idee und einem massiven Problem für ihn geworden ist, das nicht spurlos an seiner Psyche vorbeigegangen ist.
Am Sa und So war er auch richtig aufmerksam, bemühte sich richtig um mich und war charmant. Dann wollte er körperlich einen Schritt weiter gehen, aber das funktionierte überhaupt nicht, ich hab ihm dann gesagt, dass das nicht schlimm ist und dass das kein Problem wäre und dass er sich nicht stressen solle.
Aus seiner Sicht der totale worst-case. Seine gesamte Selbstachtung ist in diesem Moment zusammengebrochen - jetzt schaltet sein Ego in den Überlebensmodus ...
Sonntag Abend war dann komisch, er schaute sehr lange fern und ich wollte nur ins Bett, er legte sich dann recht spät erst zu mir und stand am Montag total früh auf. Er hat mir dann noch ein Frühstück gemacht und redete dann sehr komisch. Ich wäre ihm am Sonntag auf die Nerven gegangen, er wolle keine Beziehung, weil er lieber noch jahrelang allein sein will, er hätte sich nicht in mich verliebt und ich solle nun gehen.
... und die einfachste Lösung ist: Flucht (um sich der Situation zu entziehen) und Leugnen (um das Versagen nachträglich zumindest teilweise in einen "Verzicht" umzudeuten). Quasi eine emotionale "Schonhaltung".
Ich bin noch immer total vor den Kopf gestoßen und fühle mich verarscht und ausgenutzt.
Für beides gibt es keinen Anlass. Er kann nicht anders. Der Mann hat ganz offensichtlich eine sexuelle und in Folge auch eine Beziehungsstörung entwickelt. Solange er das aber nicht erkannt hat und selber dran arbeiten will - am besten mit professioneller Hilfe - kannst Du nicht viel machen, als auf Dich selber zu schauen.
Gestern konnte ich nicht schlafen und schrieb ihm folgende SMS, ich kann nicht schlafen, weil mir so viele Gedanken durch den Kopf gehen. Ich kann nicht verstehen, dass wir das alles scheinbar nix bedeutet hat und dass du so leicht die Freundschaft mit mir aufgibst und ich verletzt werde, nachdem ich dir soviel Verständnis entgegen gebracht hab. Ich bin ziemlich traurig ;-(
Traurig wird er auch sein, aber melden wird er sich wohl nicht. Er wird alles vermeiden, was ihn an sein Versagen erinnert - und da stehst Du nunmal ganz oben auf der Liste ...
Natürlich warte ich noch immer auf eine Antwort und das macht die Sache nicht leichter und dann hab ich auch noch Dinge von ihm in meiner Wohnung.
Ich hab keine Ahnung was ich tun soll ;-( Wahrscheinlich kann ich nun nichts mehr machen, muss ihm Zeit zum Nachdenken geben und Geduld haben oder ist der Zug für mich schon gänzlich abgefahren?
Erstmal überleg Dir gut, ob Du Dir das antun willst. Wenn Du wirklich willst, dann musst Du die Konfrontation erzwingen, denn da ist die "Hürde" für ihn am größten: Sag ihm, dass Du um die und die Zeit vorbeikommst um Deine Sachen abzuholen und er sich melden soll, wenn ihm ein anderer Termin recht wäre. Wenn er dem ausweicht (und Dir die Sachen schickt u.ä.) dann lass gut sein - es hat keinen Sinn, wenn er sich komplett sperrt. Ansonsten sprich die Sache direkt an - Du musst ihm demonstrieren, dass es keinen Sinn hat, eine Fassade aufzubauen bzw. aufrechtzuerhalten:
Sag dass Du ihn magst und bereit wärst, mit ihm gemeinsam an seinem Problem zu arbeiten, aber dass er es wollen muss und Du von ihm erwartest, dass er sich zusammenreißt. Wenn er das nicht will oder leugnet, dass es überhaupt ein Problem gibt, dann lass es gut sein und brich den Kontakt ab.
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