Das ist mir schon klar.
Und ich habe auch schon viel Glück in meinem Leben gehabt.
30 Jahre,die ich mit meinem Mann hatte,eine Familie gründen durfte,unheimlich viel Liebe erfahren durfte.
Dafür bin ich auch dankbar.
Trotzdem hadere ich mit Gott,weil so viel Leid auf der Welt ist,denken wir nur an den Krieg,Kinder,die schwerkrank sind....usw.
Zumindest den Krieg macht aber nicht Gott, sondern den machen die Menschen. Menschen töten und quälen andere. Menschen demütigen andere. Menschen sehen auf andere herab. Menschen sind gleichgültig gegenüber fremdem Leid und brüsten sich sogar vor Leidtragenden mit ihrem eigenen Glück. Im Großen wie im Kleinen.
Und auf die sog. Theodizee-Frage (d.h. warum Gott das Leid in der Welt zulässt) werden wir in dieser Welt keine Antwort bekommen. Mein verstorbener Partner, der ein Studium der evangelischen Theologie abgeschlossen hatte, wusste zumindest das und hatte auch seinen Frieden damit gemacht.
Genauso könnte ich auch fragen: Warum hat Gott es zugelassen, dass sein eigener Sohn, der nur Gutes getan und die Nächstenliebe gepredigt hatte, qualvoll am Kreuz sterben musste? Warum sind so viele, die ihm nachgefolgt sind, ebenfalls verfolgt und ermordet worden? Wenn es danach ginge, dürfte schon seit Jahrtausenden überhaupt niemand mehr an Gott glauben.
Darüber denken wir aber nicht gern nach, solange es uns gut geht. Wir lassen uns nicht gern von Gott in unserer friedlichen Behaglichkeit und unserem erfolgreichen Privat- und Berufsleben stören. Schon gar nicht nicht durch fremdes Leid. Ich habe noch eine andere Cousine, die sagte bei Medienberichten über Amokfahrten und drgl. gern, das ließe sie nicht so nahe an sich heran. Sie kümmere sich lieber um ihre Gesundheit und um ihre Enkelkinder.
Sie ist nur ein Beispiel von vielen. Denn solange es uns gut geht, finden wir das selbstverständlich. Wir finden selbstverständlich, dass wir leben, atmen, einigermaßen gesund sind. Diejenigen, die finanziell abgesichert sind, ebenso diejenigen, die heiraten und eine Familie gründen durften, fragen auch nicht, ob sie das nur sich oder vielleicht auch Gott zu verdanken haben. Sie finden, es steht ihnen einfach zu. Und die anderen, die das nicht erreichen, sind eben dumm, hässlich, unattraktiv, uninteressant, bestenfalls bemitleidenswert und an ihrer desolaten Situation selbst schuld. Deshalb braucht man sie auch nicht taktvoll und respektvoll zu behandeln.
Wir kommen meist gar nicht auf die Idee, Gott für alles Gute und alles Glück in unserem Leben dankbar zu sein. Wir sind ja alle soooo attraktiv, tüchtig und liebenswert. Wir haben alles Glück, das uns zuteil wird, nur dem Umstand zu verdanken, dass wir so toll, intelligent und unwiderstehlich sind. Menschen, denen es schlechter geht, die zu vereinsamen drohen, die nicht zu unserem engsten Familien- und Freundeskreis gehören, interessieren nur am Rande. Nur wenn es uns dann selber schlecht geht, wenn Gott nicht so ist, wie wir gedacht haben, wenn auch die Tatsache, dass wir ihm wenigstens ab und zu gedankt haben, uns nicht vor Schicksalsschlägen bewahrt - dann klagen wir ihn plötzlich an, wie er das nur zulassen kann.