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Fehlt euren Freundschaften auch Tiefe?

Mitterjo

Neues Mitglied
Hallo, ich bin fast 26 und habe einen relativ kleinen Freundeskreis, was mich grundsätzlich auch nicht stört, allerdings merke ich immer öfter, dass mir Gespräche über emotionale Themen oder Gefühle im Allgemeinen fehlen. Ich denke aus dem Grund, weil ich zurzeit das Bedürfnis habe, mehr über meine Gefühle zu sprechen als sonst und aber niemanden in meinem Umfeld habe, dem ich mich da anvertrauen könnte. Generell habe ich das Gefühl ich bin da mit meiner "emotionalen Intelligenz" (ohne mich auf ein Podest zu stellen) sehr alleine in meinem Freundeskreis, was ich sehr schade finde ...
Gleichzeitig fällt es mir auch eher schwer neue Menschen kennenzulernen, vor allem weil ich selber sehr schüchtern und eher introvertiert bin. Habt ihr vielleicht Tipps für mich wie ich damit umgehen könnte oder geht's manchen von euch vielleicht auch manchmal so? LG
 
Hey Mitterjo,

das kenne ich leider auch. Ich bin fast 20 Jahre älter als du. In meinen 20ern hatte ich recht viel Kontakt zu Gleichaltrigen und das ein oder andere Gespräch ging auch mal tiefer, vor allem mit 2 Freundinnen.

Während Corona und danach haben sich die Menschen verändert, auch ich. Im Moment ist eigentlich keiner mehr übrig geblieben. Die Leute, die ich noch kenne, sind auch nicht die Richtigen... Ich lerne mich alleine zu beschäftigen oder gehe über die App meet5 oder spontacts mit neuen Leuten los. Die Gespräche bleiben da leider auch oberflächlich, aber ich hab das Gefühl, nicht alleine auf der Welt zu sein.

Alles Gute dir!

PS: im Stillen hab ich mir auch manchmal gesagt "Ich bin überqualifiziert" ;o) Mit nem Schmunzeln natürlich und ein bisschen Wehmut.
 
Hey 🙂

Ich würde tatsächlich bei einigen deiner Punkten mitgehen, bzw. da Parallelen zur mir ziehen. Mein aktueller Freundeskreis ist sehr winzig und innerhalb dessen werden auch gewisse Tiefen an Themen nicht wirklich angesprochen oder nur oberflächlich angerissen. Das variiert aber sehr stark, je nach Person. Ich bin zum Beispiel ein sehr zurückgezogener Mensch und habe damals immer alles versucht mit mir selbst auszumachen, damit ich anderen Leuten mit meinen Problemen, Sorgen, etc. nicht auf die Nerven gehen muss. Irgendwann habe ich mich damit leider total übernommen und war komplett überfordert. Es kamen mehrere Dinge, mehr oder weniger zeitgleich, denen ich gänzlich nicht gewachsen war und die mich echt aus der Bahn geworfen haben.

Das Ganze hatte dann zur Folge, dass ich mich weiter zurückgezogen habe und das hält auch bis heute an. Damals habe ich mich dazu entschlossen, um wieder zu mir zurückzufinden, mich ganz fundamental um mich selbst zu kümmern. Ich nahm mir viel Zeit ausschließlich für mich und fand heraus, dass ich durchaus damit klarkomme, Dinge mit mir selbst auszumachen. Was ich brauchte war Halt und Stabilität, um die Kraft dafür aufbringen zu können. Gefunden habe ich das was ich brauche im sportlichen Bereich und der Natur.

Wenn mich irgendwas tiefgründig beschäftig, mich runterzieht oder auch belastet, ziehe ich mir daraus die Kraft und Energie mich dessen zu stellen. So habe ich auch das Leben in meiner Einsamkeit bspw. bewältigt. Ich schnappe mir mein Fahrrad, trainiere, oder gehe einfach in die Natur. Manchmal eine Stunde, manchmal vielleicht auch vier bis fünf Stunden. Aber danach habe ich die Kraft und Energie mich meine Sorgen, Ängsten, Gefühlen oder allgemeinen Problemen zu stellen und was immer mich beschäftigt, zu lösen. Manche Dinge lassen sich vielleicht auch nicht lösen, dann lerne ich den Umgang damit und wie es mir dennoch damit gut gehen kann.

Was das Thema Freundschaften betrifft, so versuche ich mich nach Jahren der Introvertiertheit und der fast schon Isolation, mich langsam aber sicher wieder zu öffnen – unter anderem auch hier.

Ob das von mir geschriebene dir in irgendeiner Form einen Mehrwert bietet, weiß ich nicht. Aber ich hoffe du kannst vielleicht etwas daraus mitnehmen. Am Ende des Tages unterscheiden wir uns vermutlich alle in dem Umgang mit solchen Dingen auch einfach. Ich hoffe, dass du das findest was du brauchst, bzw. was dir fehlt.
 
Laut Profil männlich.
Danke für den Hinweis!

Es ist häufig so, dass bei Freundschaften unter Männern nicht so viel über Emotionen geredet wird. Viele empfinden es als entspannender, zusammenzusitzen und über eine gemeinsame Leidenschaft zu fachsimpeln oder etwas zu unternehmen, als über Gefühle zu reden. Das heißt nicht, dass die Freundschaften weniger tief sind, ganz im Gegenteil, die Verbindung ist häufig sehr stark.

Manchmal funktioniert es besser, über Probleme und Sorgen in einem Vieraugengespräch zu reden, als in der großen Runde. Hast du das einmal versucht? Meine Erfahrung ist, dass die Leute dann erstaunlich verständnisvoll sind.
 
Zuletzt bearbeitet:
Vielleicht schätzt du die anderen in Bezug auf emotionale Intelligenz falsch ein. Denn bisher hast du dich ja niemandem geöffnet oder die Gefühle der anderen erfragt, wenn ich das richtig verstehe. Folglich musst du es auf den Versuch ankommen lassen.
 
Grundsätzlich würde ich dir da erstmal vollkommen zustimmen, @Rumpelstilzchen . In meinem spezifischen Fall war all das gegeben, da mein Umfeld schon recht breit gefächert war. Der Rückzug meinerseits kam nicht deswegen zustande, dass eine gewisse Tiefe der Freundschaft nicht gegeben gewesen wäre, oder es nicht möglich gewesen wäre, tiefere Gespräche zu führen. Es ist etwas vielschichtiger.

Bei mir selbst sind innerhalb kürzester Abstände mehre Dinge ins straucheln geraten. Das waren berufliche, familiäre und finanzielle Sorgen oder Probleme, etwa zu der Hauptzeit der Pandemie. Darin habe ich mich verloren. Die mir damals engsten zwei Person hatten selbst mit einigen Problemen zu kämpfen, da wollte ich nicht noch für zusätzlichen Ballast sorgen. Leider öffnete ich mich den Leuten erst, als es im Prinzip schon zu spät war. Der Rückzug erfolgt nicht, weil irgendwas innerhalb der Freundschaften fehlte, sondern ich es nicht genutzt habe, oder nutzen wollte. Unklug – klar, keine Frage. Vermutlich sogar auch der Rückzug und das Isolieren. Aber ich wollte wieder zu mir finden und wusste mir zu der Zeit nicht anders zu helfen. So wollte ich mich dann Schritt für Schritt wieder aufbauen.

Springen wir mal zum hier und jetzt: Aus meinem kompletten Rückzug und dem daraus entstandenen „Neustart“ habe ich genau die beiden engsten Leute noch in meinem Umfeld – das war es dann auch schon. Aber durch all das was geschehen ist, die vergangene Zeit, die Veränderung von mir und meinem Umfeld, hat sich auch in Teilen der Bezug zu den Freunden geändert. Zudem, dass sich auch bei ihnen Dinge verändert haben. Da ist dann auch eine gewisse Tiefe verloren gegangen, was die Freundschaft an sich nicht beendet, sondern lediglich verändert. Allerdings variiert das etwas zwischen den Personen. Das ist das, worauf ich mich oben im Beitrag bezogen habe. Vielleicht hätte ich etwas mehr Kontext liefern sollen oder habe das schlecht formuliert.

Wenn du niemanden für Deeptalk hast, dann kannst du parallel zu den bestehenden Freunden andere suchen, die dein Bedürfnis befriedigen.
Richtig, genau das ist ja zum Beispiel hier der Plan, beziehungsweise allgemein Kontakte knüpfen und eben schauen was daraus wird.
 
Wenn tiefere Gespräche in deinem Freundeskreis nicht möglich sind, dann sind das auch nur sogenannte Sonnenschein-Freunde, die nur solange da sind, bis du Regenwolken über dir hast. Denn dann sind die nämlich ganz schnell verschwunden und du stehst alleine da. Gerade dann wenn du jemanden bräuchtest.
Ich sehe das differenzierter.
Gerade diese sog. "emotionale Tiefe" ist halt immer so ein Thema.
Kenne das von mir selber, in jungen Jahren hat man gemeinsam mit seinen Freunden alles geteilt, Probleme am Arbeitsplatz, Herzschmerz, Probleme in der Familie und und und.
Man kann das natürlich so im Sinne von "wir waren für einander da" usw. interpretieren.
Genausogut, kann man auch argumentieren, dass man sich gegenseitig halt als Mülleimer benutzt hat.
So ein stillschweigener Deal.
Heute hörst du dir mein Gelaber an und Morgen höre ich mir deins an.
Ob das automatisch gleich "Tiefe" bedeutet?
Ich weiß es nicht.

"Tiefe" hat ja auch nicht nur etwas mit emotionalen Aspekten zu tun.
Für mich bedeutet das auch mal bei Gesprächsthemen über Gott und die Welt mal nicht nur an der Oberfläche rum zu kratzen.

"Tiefe" hat auch etwas mit einer gewissen Gegenseitigen "Wichtigkeit" zu tun.
Ich erwarte nicht, dass ein Freund alles für mich stehen und liegen lässt oder ähnliches.
Aber Leute die man 3 Mal im Jahr, nur nach wochenlangen Planungs-Whatsapp-Gruppen-Chats, zu Gesicht bekommt und die dann nur von ihrem Job labern...Naja..Einen echten Freund, muss man niedrigschwellig erreichen können auch einfach "mal so" ohne jeden Grund.
"Hey bin gerade zufällig in der Nähe von deinem Haus. Bock auf nen Kaffee?🙂"

Um die Eingangsfrage zu beantworten.
Meinen Freunschaften fehlt mittlerweile keine Tiefe mehr.
Ich habe 2 Leute, die ich als "Freunde" bezeichne..zu allen anderen habe ich im Laufe von vielen Jahren den Kontakt auf Null heruntergefahren, weils einfach keinen Spaß macht und man nur noch von einer gemeinsamen Vergangenheit gezerrt hat, die schon laaaaaange vorbei ist. Ist ja lieb und nett, dass du mal 2005 für mich da warst, als ich Herzschmerz für irgendeine Frau hatte, oder mich mal bei irgendeiner Diskoschlägerei 2007 nicht hängen gelassen hast, aber das ist alles Schnee von gestern, wenn wir uns im Hier und Jetzt nichts mehr zu sagen haben, außer gegenseitige Monologe über unsere Projekte in der Arbeit🙂
Ich erinnere mich an Leute, die waren mir vor 20 Jahren näher als mein Bruder und wenn man sich heute zufällig beim Einkaufen sieht, sagt man kurz "Servus" und geht weiter...
 

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