Wir haben in unserer Ehe auch getrennte Kassen, nicht, weil wir einander nichts gönnen würden, sondern weil wir unterschiedliche Auffassungen vom Umgang mit Geld haben, die zu permanenten Konflikten führen würden, wenn wir gemeinsam gemeinsames Geld ausgeben würden. Wir machen oft Dinge getrennt, weil der andere sie sich nicht leisten 'kann'. Ich schreibe 'kann' extra in Anführungsstrichen, weil es nicht die reine finanzielle Möglichkeit betrifft, sondern die Prioritätensetzung. Ich gehe gerne mit meinem Mann thermalbaden, aber so oft wie er es tut, 'kann' ich es mir nicht leisten. Und das ist auch bei vielen anderen Dingen des Alltags so. Kein Problem, er kann das auch alleine genießen 🙂 Ich 'kann' mir keinen so tollen Computer leisten wie mein Mann, und bin insgesamt viel knausriger. Dafür 'kann' ich mal eben für eine Woche in die USA fliegen, wenn sich ein Grund dafür ergibt, und das 'kann' mein Mann dann nicht. Dadurch, daß wir getrennte Kassen haben, kann sich jeder in einem gewissen Rahmen seine Wunsche erfüllen. Er die kleinen und mittleren des Alltags, ich die großen und seltenen. Würden wir unser Geld zusammentun, hätte keiner mehr, was er will - und er würde sich von mir bevormundet fühlen, während ich stinkig wäre, daß er unser Geld verschwendet. Bei uns sind getrennte Kassen kein Zeichen von mangelnder Liebe, sondern ein Zeichen davon, daß wir einander gut kennen und unnötige Alltagskonflikte vermeiden wollen. Ich finde es auch nicht schlimm, wenn ich dadurch Erfahrungen mache, die er nicht macht (und umgekehrt). Das ist durchaus belebend für die Gesprächskultur 🙂
Falls es mal passieren sollte, daß ich weitaus mehr Geld habe als er (und er auch nicht mehr verdienen kann - wenn er nicht will, will er nicht), dann zahle ich ihm lieber die Differenz zwischen unseren Einkommen am Monatsanfang, als gemeinsame Kasse zu machen.
Zum anderen Thema: Hier müssen wir Bildung und Intelligenz auseinanderhalten. Wenn ein Partner partout kein Interesse an Politik hat, dann ist das halt so, dann finden sich oft genug noch andere Themen, über die man diskutieren kann. Außerdem schnappt man in einem gemeinsamen Leben mit der Zeit eh' viel Wissen des anderen auf. Ich weiß Dinge über das Fachgebiet meines Mannes, das glaubt man nicht - und umgekehrt 😀 Mangelnde Neugierde wäre eher eine Charakterfrage... Habe ich aber noch nie erlebt 🙂
Zu Unterschieden in der Intelligenz kann ich aus eigener Erfahrung auch nicht viel sagen. Ich weiß nur, daß ich Intelligenz erotisch finde - ich weiß auch, in welche Menschen ich mich normalerweise vergucke. Ich weiß auch, daß ich eine relativ aggressive Diskussionskultur habe, und Menschen, die sich nicht verbal wehren können, schnell unterbuttere. Da ist ein schlagfertiger und hochintelligenter Partner ein Garant für eine gleichberechtigte Beziehung (die auch sonst möglich ist, aber nur unter Anstrengung - so ergibt sie sich automatisch).
Meine Hauptfrage ist ja schon gestellt worden: Wenn man einen bestimmten Gesprächstyp sehr schätzt, warum merkt man dann nicht schon in der Flirtphase, daß der potentielle Partner dazu nicht in der Lage ist oder kein Interesse daran hat? Oder ist das einem erst nach ein paar Jahren, wenn vielleicht die Hormone abflachen, wichtiger? Kein Angriff, nur eine Frage.