Hallo Sisandra und kiablue,
danke, dass ihr euch die Mühe macht und mir so schnell geantwortet habt.
Nein, die Diagnose Schizophrenie wurde bei meiner Schwester nie gestellt, da sie sich konsequent weigert, zum Arzt zu gehen (welcher Fachrichtung auch immer). Nur ein einziges Mal in den letzten 11 Jahren, seitdem sie auffällig ist, hat sie sich freiwillig ambulant ins Krankenhaus begeben, um eine stark blutende Platzwunde versorgen zu lassen.
Ich habe aber sehr viel über Schizophrenie gelesen, und ihr müsst mir einfach glauben, dass ich laienhaft typisch psychotische Symptome (Wahnwahrnehmungen zum Beispiel, völlige Realitätsverzerrungen) an ihr beobachtet habe. Und zwar nicht nur ich, auch Nachbarn, Verwandte, frühere Freunde etc. hatten ihre einschlägigen Erlebnisse mit meiner Schwester. Auch Ärzte in den Krankenhäusern, in denen meine Mutter in ihren letzten Lebensjahren oft lag, merkten, dass mit meiner Schwester was nicht stimmt, einfach aufgrund ihres extrem misstrauischen und aggressiven, gegenüber vernünftigen Argumenten absolut unzugänglichen Verhaltens.
Beim örtlich zuständigen Sozialpsychiatrischen Dienst habe ich in der Vergangenheit mehrfach vorgesprochen, allerdings noch zu Lebzeiten meiner Mutter. Da ging es auch eher darum, wie ich meine Mutter irgendwie vor den Ausbrüchen meiner Schwester schützen könnte. Auch in das Betreuungsverfahren für meine Mutter, das ich auf Anraten des Ordnungsamts und des Sozialpsychiatrischen Dienstes angeleiert hatte, war letzterer ja einbezogen. Leider hat der Psychiater, mit dem ich wenige Jahre zuvor auch persönlich gesprochen und auch mal telefoniert hatte, meiner Schwester in diesem Verfahren bescheinigt, dass sie sich in medizinischer Hinsicht "geradezu vorbildlich" um unsere Mutter kümmern würde. Alles andere interessierte in dem Zusammenhang nicht, da meine Mutter meine Schwester ja auch noch deckte, weiter so mit ihr zusammenleben wollte und behauptete, sich bezüglich aggressiver Ausbrüche an nichts mehr erinnern zu können. Mehrere Nachbarn hatten in dem Verfahren zu meinen Gunsten ausgesagt und bestätigt, wie oft sie Zeugen von extremen Wutausbrüchen meiner Schwester wurden. Ein benachbarter Polizist alarmierte völlig unabhängig von mir von sich aus das Ordnungsamt. Es lagen zwei Polizeiprotokolle über Einsätze vor, weil meine Schwester mit meiner Mutter herumgetobt und diese laut um Hilfe gerufen hatte, woraufhin die Nachbarn die Polizei riefen. Aber es nützte alles nichts. Das Betreuungsverfahren wurde eingestellt, und nach dem Schlaganfall meiner Mutter wenig später wurde meine Schwester sogar noch deren Betreuerin! Auch empörte Anrufe der meine Mutter behandelnden Ärzte im Krankenhaus Wochen später führten zu keiner Rücknahme der Entscheidung.
Könnt ihr euch vorstellen, was für Aufregungen ich dadurch in den letzten Jahren neben meinem Vollzeitjob hatte und wie angespannt ich nervlich und psychisch war (und im Grunde ja immer noch bin)?
Von dem zuständigen Psychiater beim Sozialpsychiatrischen Dienst hatte ich bei meinem persönlichen Gespräch (vor ca. 5 Jahren) auch schon keinen allzu sympathischen Eindruck. Er wirkte auf mich eher so, als ob er lästige Arbeiten möglichst von sich abwimmeln wollte und förmlich nach Gründen suchte, um nichts tun zu müssen. Er kam mir vor wie jemand, der durch jahrzehntelangen Umgang mit psychisch kranken Menschen allmählich zum Zyniker geworden ist. Allerdings hat er mir in dem Gespräch damals auch gesagt, wenn unsere Mutter eines Tages tot sei und "alles den Bach runter" gehe, weil meine Schwester selbst dann noch nichts tue, dann hätte ich bessere Chancen, einschreiten zu können.
Auch die Nachbarin gegenüber von meinem Elternhaus meinte kürzlich, vielleicht sei es doch hilfreich, den Sozialpsychiatrischen Dienst noch einmal zu kontaktieren, falls sich die Sache demnächst zuspitzen sollte. Dann könnten die Behörden jedenfalls hinterher nicht behaupten, sie wären nicht wegen einer möglicherweise bestehenden Suizidgefahr vorgewarnt worden.
Vielleicht rufe ich wirklich noch mal bei diesem Sozialpsychiatrischen Dienst an, wenn meine Schwester sich weiter quer stellt und mir nichts anderes übrig bleibt als die Erbauseinadersetzung vor Gericht. Mehr als noch einmal abwimmeln können die mich ja nicht.
Außerdem ist eine Bekannte von mir (wir musizieren ab und zu gemeinsam) pensionierte Psychiaterin. Sie kennt "den Fall" mittlerweile auch aus meinen Erzählungen, tippt von meinen Beschreibungen her übrigens auch auf Schizophrenie, jedenfalls etwas Psychotisches. Natürlich kann ich sie nicht dauernd mit dem unerfreulichen Thema behelligen, aber vielleicht hat sie ja doch noch irgendeinen hilfreichen Tipp, wie man die Sache am besten anpacken könnte.