Naja, ob jemand das sagt und ob man deswegen derselben Meinung sein muß sind ja zwei Paar Stiefel. Ich könnte mir vorstellen, daß die Entwicklung einer für eine Gesellschaft gültigen Ethik durchaus auch in der Entwicklungsbiologie eine Rolle spielt. Wenn die menschliche Spezies bestimmte Verhaltensnormen allgemeingültiger Natur entwickelt, hat das u.U. zur Folge, daß sie sich weiter erfolgreich behaupten kann, oder?
Beispiel: die Moral schreibt vor, daß es unanständig sei, seinen Nachbarn zum Grillwochenende zu verspeisen. Finde ich der heutigen Zeit angemessen. In früheren Zeiten, wo Nahrungsressourcen vielleicht knapp und mehrere Stämme auf relativ kleinem Gebiet gelebt haben, war es vielleicht vernünftig, den Nahrungskonkurrenten zu dezimieren um den eigenen Stamm zu erhalten (Stärke setzt sich durch) und zugleich den gemeuchelten Nachbarn nicht ungenutzt vergammeln zu lassen (aufessen). Eigentlich ganz pragmatisch gedacht. Um das aber auch umsetzen zu können, braucht's die "moralische Erlaubnis", das künftige Barbecue als Speise zu deklarieren, weil: "Sieht so aus wie ich, stinkt wie ich, frißt wie ich" beinhaltet als mögliche Schlußfolgerung auch "Artgenossen frißt man nicht" (außer man ist Guppy und erkennt die millionenfachen Mini-Artgenossen nicht als Artgenossen sondern als etwas, das ins Maul paßt). Also muß eine Ethik her: Artgenossen sind nur dann Artgenossen, wenn sie in meiner Sippe geboren wurden, sich an unsere Sippenregeln halten und mit mir die Beute teilen. Alles andere sind keine Artgenossen, also eßbar.
Ach ist das kompliziert. Worauf ich hinaus will: ich könnte mir vorstellen, daß auch die Entwicklung von "Ethik" dem Menschen beim Überleben geholfen hat. Mitgefühl, den Stammesgenossen nicht krepieren lassen, weil er alt geworden ist, sondern ihm mit Achtung zu begegnen und ihn weiter zu füttern, um als Gegenleistung von seiner Erfahrung zu profitieren usw. sind doch alles Dinge, die in eine Art ethisches Grundverständnis passen. Wenn man ein Gewissen entwickelt und nach vorgegebenen, ethischen Regeln handelt, kann das dem Arterhalt dienlich sein. Wenn aber ALLE innerhalb einer Spezies dieselben ethischen Regeln haben, wird's eng - (bestimmt kriege ich gleich eins auf die Mütze von wegen sozialdarwinistischer Gedanken oder so) - also neigen Gruppierungen mit unterschiedlicher Ethik dazu, IHRE Ethik als allgemeingültig zu erklären und die Gruppierungen mit anderen Wertvorstellungen zu bekämpfen und u.U. auszurotten, weil: die sind ja keine richtigen (gottesgefälligen) Menschen, um die ist's ja dann auch nicht schad. Ne?