Immer dann, wenn ich bewusst über mein Essverhalten nachdenke, realisiere ich, wie tief ich in der S**** stecke.
In der Theorie verstehe ich, wie eine halbwegs gesunde Ernährung aussehen sollte. Aber allein der Gedanke, das auch praktisch unzusetzen, startet bei mir ein komplettes Stressprogramm.
Mein Essverhalten war wahrscheinlich nie wirklich normal. Ich weiß von meinen Eltern, dass ich schon unterernährt auf die Welt gekommen bin und ich nochmal zurück ins Krankenhaus musste, weil ich nicht zugenommen habe.
Während meiner Kindheit war Essen Stress, weil mein Vater meine Essgewohnheiten immer kritisiert hat. Wenn ich etwas nicht essen wollte, durfte ich nicht stattdessen etwas anderes essen, sondern wurde angebrüllt und bestraft. Ich habe später oft heimlich gegessen, weil es mich gestresst hat, vor ihm zu essen. Deshalb habe ich zu viel ungesundes gegessen und zugenommen, wodurch es wieder Grund zur Kritik gab.
Dann habe ich gemerkt, dass es mir ein gutes Gefühl gibt, zu hungern. Habe mich dann bewusst von BMI 25 auf 16 runtergehungert.
Zwischen 18 und 20 war es dann für 1.5 Jahre soweit ok, dass ich wieder Normalgewicht hatte und mich Essen nicht so sehr gestresst hat.
Dann bin ich für ein paar Monate zurück zu meinen Eltern gezogen, bin in ein depressives Loch gefallen und habe wieder angefangen, zu hungern. Und das wirklich deprimierende ist, dass ich es dieses Mal besser machen wollte und um Hilfe gebeten habe. Das ist nach hingen losgegangen und hat zu Hause zu Stress geführt und aus Verzweiflung oder aus einer Trotzreaktion heraus or whatever bin ich komplett in diesem destruktiven Impulsen aufgegangen und hab mich wieder ins Untergewicht gehungert. Gleichzeitig habe jetzt auch - nach zahlreichen Versuchen die letzten Jahre - gelernt, mich absichtlich zu übergeben.
Ich bin wirklich motiviert, etwas zu ändern und mein Leben auf die Reihe zu bekommen. Gleichzeitig glaube ich, dass mich dieses Problem schon viel zu lange verfolgt und zu so einem großen Ding geworden ist, dass ich es gar nicht alleine in den Griff kriegen kann.
Extern um Hilfe zu bitten finde ich aber aus mehreren Gründen schwer. Bereits gemachte negative Erfahrungen und die Tatsache, dass niemand damit rechnet, dass man als Mann ein Problem in der Richtung haben kann. Dabei ist alleine hier im Forum gerade außer mir noch ein zweiter Mann mit einer derartigen Problematik unterwegs. Es kommt also nicht nie vor.
Ich will nicht behaupten, dass Frauen es da leichter haben, aber ich stelle mir vor, dass die Hemmschwelle geringer ist, weil es bei Frauen mehr normalisiert ist.