Bist du durch die Gespräche zu irgendwelchen Erkenntnissen gekommen? Hat sich ansonsten irgendwas verändert?
Nein, keine Erkenntnisse oder Veränderungen, eher Verschlechterungen (die aber nicht von der Therapie kommen, sondern davon, dass sich eben nichts gebessert hat und das Leben weiterging).
Gibt verschiedene Arten von Verhaltenstherapien.
Je nach Therapieansatz und Persönlichkeit sind viele Varianten sinnvoll.
Zu Beginn wird eine genaue Diagnose gestellt.
Die entscheidet welche Art der Therapie gewählt wird.
Anschließend legen der Therapeut und der Patient gemeinsam die Ziele der Therapie fest und stellen einen Therapieplan auf.
Schau mal hier ein, da wird das erklärt:
Neben der klassischen und der kognitiven Verhaltenstherapie sind u.a. Akzeptanz- und Committment-Therapie, Schematherapie und Dialektisch-behaviorale Therapie oder Verhaltensaktivierung wichtig.
www.therapie.de
Mir wurde nie eine Diagnose genannt, von diesem Therapeuten zumindest nicht. Bei einem vorherigen Erstgespräch hat eine Therapeutin eine Verdachtdiagnose genannt. Aber gemeinsame Ziele oder ein Therapieplan wurde nie aufgestellt.
Ich habe eine kognitive Verhaltenstherapie wegen meinem Waschzwang gemacht und es war sehr gut. Ich habe die Therapie in einem Ausbildungsinstitut für Therapeuten gemacht. Da wurde jede Therapiestunde auf SD-Karte oder Handy aufgenommen und ich musste mir die Stunde zuhause nochmal anhören und ein Protokoll der Therapiestunde schreiben. Das haben wir dann am Anfang der nächsten Stunde besprochen. Von diesen Protokollen bzw. meinem Therapieordner profitiere ich heute noch und das war auch in der Therapie sehr hilfreich. Ich habe auch durch die Therapie wie eine Art imaginären Werkzeugkoffer mitbekommen bzw. mit der Therapeutin erarbeitet, so dass ich weiß, wie ich mich richtig verhalte, wenn ich wieder Zwangsdruck habe.
Wir haben Therapieziele festgelegt und sind diese am Ende der Therapie auch nochmal durchgegangen und haben geguckt, inwieweit ich sie erreicht habe und ob ich damit zufrieden bin.
Am Anfang wurde mir erstmal erklärt bzw. wir haben herausgearbeitet, was Gefühle, automatische und nichtautomatische Gedanken sind und das eine Situation zu einem Gedanken und dieser zu einer Bewertung und die zu einem Gefühl und das Gefühl dann zu einem bestimmten Verhalten führt.
Ich habe auch gelernt, dass man etwas besser mit günstig oder ungünstig bewerten soll anstatt mit härteren Worten wie blöd, schlecht oder so. Wir haben geguckt, welche Gedanken und Bewertungen und welches Verhalten günstig und ungünstig im Sinne meiner Lebensziele ist. Zum Beispiel, ob es günstig ist, mich jetzt wegen irgendetwas verrückt zu machen und mir unnötig die Hände zu waschen oder ob es ungünstig im Sinne meiner Lebensziele ist, die ja unter anderem sind, die Situation gesund zu bewerten und kein Zwangsverhalten zu machen.
Dann haben wir mit SAEs, Selbstanalyse von Emotionen herausgearbeitet, was eigentlich hinter meinem Zwang steckt, die Expositionen vorbereitet und danach kam die Expositionsphase. Wir haben dann auch zuhause Expositionen gemacht. Und dann kam eine Abschlussphase, in der die Therapiestunden nicht mehr wöchentlich, sondern in immer größeren Abständen statt gefunden haben.
Die ganze Therapie war sehr strukturiert und für mich war es in der Stunde wie an einer Aufgabe zu arbeiten, so ähnlich wie bei Aufgaben auf der Arbeit.
Es war nicht einfach nur reden. Das hatte ich vorher in der tiefenpsychologisch fundierten Therapie, die mir aber beim Waschzwang nicht geholfen hat. Dafür war die kognitive Verhaltenstherapie genau richtig. Das stellt für mich auch einen Unterschied zwischen der kognitiven Verhaltenstherapie und anderen Therapieformen dar. Die kognitive Verhaltenstherapie ist für mich richtige Therapiearbeit mit Aufgaben, die von Therapeut und Patient zusammen ausgearbeitet werden. Meine Therapeutin hat mich durch Fragen und Hinterfragen zielgerecht zu Lösungen und neuen Bewertungen gebracht.
Da war es nicht wie bei anderen Therapieformen, die ich auch kennengelernt habe, ein hinkommen und über irgendetwas reden das mich beschäftigt. Es gab das zentrale Thema Waschzwang und das hat sich wie ein Faden durch die Therapie gezogen - außer am Ende, als wir noch ein bisschen die soziale Phobie behandelt haben. Meine Therapie war also in Phasen aufgeteilt: Psychoedukation, Vorbereitungsphase, Expositionsphase, Nachbereitungs- und Abschlussphase.
Es war anstrengend, aber auch sehr schön.
Falls du Fragen zu meiner Therapie hast, kannst du sie mir gerne stellen.
Vielen Dank für deinen Erfahrungsbericht! Das klingt eigentlich genau nach dem, was ich auch wollen würde, vor allem durch die Strukturiertheit und da konkrete Tipps gegeben werden, statt "nur" zu reden. Das war sehr hilfreich für mich um einschätzen zu können, wie Verhaltenstherapie gemacht werden kann. Ich werde das als Inspiration nutzen um vielleicht meine eigene Therapie besser gestalten zu können. Vorher war ich mir nicht ganz sicher, was normal ist und wie eine Therapie (für mich) idealerweise aussehen könnte.
EDIT: Was war das denn für ein Protokoll? Einfach alles nochmal zu verschriftlichen oder dann schon konkret die Gedanken zu analysieren?
-gab es denn schon irgend eine Diagnose?
-wurde daraufhin besprochen, welche Art Therapie sinnvoll ist?
-habt ihr beide gemeinsam schon Ziele besprochen und/oder Therapieplan?
Nein, was meinst du mit Art Therapie? Also der Therapeut bietet nur Verhaltenstherapie an, aber bei einem Erstgespräch, das ich vorher hatte, wurde gesagt, dass Verhaltenstherapie wahrscheinlich am besten wäre.
Ich muss sagen, Psychoanalyse-Therapeuten gibt es in meinem Umkreis gar nicht, aber das klingt wirklich nicht so hilfreich. Aber ich hatte eigentlich extra Verhaltenstherapie gewählt, um sowas zu vermeiden.
Wie würdest Du denn das Verhältnis zwischen euch generell beschreiben?
Dir auch vielen Dank für deinen Erfahrungsbericht und die Anregungen! Ich denke, es ist jetzt kein schlechtes Verhältnis, aber es ist halt eher so als ob ich eine normale Konversation führen würde, als dass es sich hilfreich anfühlt. Außerdem hab ich das Gefühl, öfter Sachen wiederholen zu müssen, weil er es bis zur nächsten Sitzung vergessen hat. Oder dass seine Antworten nicht so hilfreich sind, wenn er z.B. versucht, nachdem ich geredet habe, eine Folgerung über mich zu ziehen und es passt meiner Meinung nach eigentlich gar nicht (das ist jedoch seit den Anfangssitzungen etwas besser geworden). Ich rede auch relativ schnell mit Gedankensprüngen und manchmal versteht er mich nicht (aber dann unterbricht er mich einfach und ich wiederhole es). Allerdings ist das glaube ich auch besser geworden in den letzten Wochen, da ich auch bewusst langsamer und klarer rede. Das alles führt zu einem leichten Gefühl, nicht verstanden zu werden, ist aber auch nicht so schlimm.
EDIT: Ach ja, er hat mir allerdings jetzt bei der letzten Stunde so einen Fragebogen mitgegeben u.a. mit Fragen zu konkreten Therapiezielen. Also vielleicht bessert es sich jetzt auch sowieso. Ich glaube, man kann sonst auch relativ problemlos auch in einer Therapie den Therapeuten wechseln?