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Erfahrungen durch Bewerbungsgesprächsbegleitung

moonlife

Aktives Mitglied
Hallo liebe community,
seit einigen Monaten bin ich die 2. Schwerbehindertenbeauftragte meines Arbeurgebers. D.h. immer wenn der 1. Beauftragte verhindert ist, begleite ich einen Teil des Bewerbungsverfahrens, sobald es einen Bewerber mit Schwerbehinderung gibt.
Ich bekomme alle Bewerbungen von Schwerbehinderten, die Begründung, wenn sie nicht zum Gespräch eingeladen werden und wenn sie zum Gespräch eingeladen werden, alle Bewerbungen derer, die ebefalls kommen.
Somit bekomme ich doch einen Teileinblick, warum Bwerber abgelehnt werden, gar nicht erst eingeladen werden oder eben auch eingestellt werden.
Vielleicht helfen ja meine Erfahrung jenen, die verzweifelt Arbeit suchen und nur Absagen bekommen? Oder jemand mag sich darüber austauschen?
Die Rahmenbedingungen:
Wir haben ca 500 Beschäftigte, hauptsächlich im sozialen Bereich, aber auch Verwaltung, hauswirtschaft, Reinigung, Hausmeister. Es gibt Stellen für Besserqualifizierte (z.B. SozialreferentIn) oder niederschwellige Stellen (z.B. HauswirtschafthelferIn).
Ich hätte nicht gedacht, dass ein paar der folgende Ratschläge wirklich nötig sind, aber die Erfahrung hat mich eines Besseren belehrt; diese Punkte spielen im Bewerbungsverfahren immer wieder eine Rolle:
  1. Bewerbungen sollten nach Möglichkeit ohne Rechtschreibfehler sein. Ja, echt. Neulich meinte eine Leitung zu mir, wenn sie nur die Bewerber ohne Rechtschreibfehler in der Bewerbung eingeladen hätte, wäre es eine gewesen. Ich mache auch viele Tipfehler, aber bei einem wichtigen Schreiben kann man ja mal jemanden drüber lesen lassen.
  2. Arbeitszeugnisse sollten vollständig sein, wenn man das Arbeitszeugnis vom aktuellen Arbeitgeber noch nicht hat, kann man ja schreiben, dass es nachgereicht wird.
  3. Blind - der Initiativbewerbungen, die nur ein Anschreiben (mir vielen Rechtschreibfehlern) enthalten, aber keinen Lebenslauf, Arbeitszeugnisse oder Ähnliches, werden nicht berücksichtigt.
  4. Auch ehrenamtliche Tätigkeiten, die mit Arbeitsbestätigungen belegt sind, werden berücksichtigt.
  5. Nicht immer ist es sinnvoll eine Bewerbung persönlich vorbei zu bringen. Unsere Personaler kommen immer ins Trudeln, weil sie dann alle Bewerbungen einscannen und weiter leiten müssen. Einen Vorteil verschafft sich der Bewerber so nicht, denn in der Regel ist er eh nicht in der richtigen Abteilung persönlich vorbei gekommen. Aber bei kleineren Arbeitgebern ist das persönliche Vorbeibringen vielleicht besser.
  6. Es kommt nicht gut an, wenn die Frage "warum bewerben sie sich bei uns?" mit "Ich möchte mehr Geld verdienen." als Erstes beantwortet wird. Geld darf eine Rolle spielen, aber eigentlich sollte es nicht die erste Motivation sein. Und wenn doch, sagt es wenigtens nicht als Erstes.
  7. Es macht Sinn, sich über den Arbeitgeber zu informieren, bei Fragen nach den Leitlinien, der Philosophie oder Ähnlichem, sollte man nicht völlig ins Schwimmen geraten.
  8. Manchmal gibt es auf eine freie Stelle 130 Bewerber, die nicht alle eingeladen werden können. Dann sucht sich der Arbeitgeber natürlich jene aus, die die besseren Bewerbungen und besseren Qualifikationen haben. Siehe oben , fehlerfreie Bewerbungen, etc.​
  9. Manchmal gibt es eine/n MitbewerberIn mit Schwerbehinderung, die/der bei gleicher Eignung bevorzugt einzustellen ist. Das ist dann mein Job , dafür zu sorgen.
Vielleicht hilfts ja jemandem......
LG
moon
 

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ResistanceD

Mitglied
Finde ich auch, es ist echt mal interessant eine Meinung von der anderen Seite zu hören. Wobei mich das mit den Rechtschreibfehlern eher schockiert. MsOffice erkennt doch Fehler in der Rechtschreibung?

Bei mir hat es neulich gewaltig Klick gemacht, als ich folgendes sinngemäß über Bewerbungen gelesen habe: Bewerbungen sind eine Werbebroschüre über die eigene Person bzw. die eigene Arbeitskraft. Diese will man ja bekanntlich anpreisen mit dem Ziel, diese zu verkaufen. Und so sollte man sich beim Bewerben durchaus auch von der Werbung inspirieren lassen. Man denke nur an den schicken BMW, der in der Wüste eine mordsmäßige Staubwolke aufwirbelt, und und und ... Schon daher verbietet sich, eine Vorlage für Anschreiben zu verwenden. Oder würden Sie von einem Auto begeistert werden, wenn die Werbung dafür so losgeht: Hiermit möchte wir Ihnen unser neues Model vorstellen ...
 
G

Gast

Gast
Du hast mich vor allem darin bestätigt, wie ungünstig es ist, seine Bewerbungsunterlagen persönlich in einer Firma abzugeben. Ich habe schon öfter zu Leuten in Privatgesprächen gesagt, daß das sicher meist zu ungünstigen Zeiten paßiert und es gibt kaum was Schlimmeres als ungünstige Zeitpunkte, wenn es um was Wichtiges geht. Also genau meine Rede. Wirklich maximal machbar in einem kleinen Betrieb, aber ich würde vorher anrufen und fragen, ob man die Unterlagen persönlich vorbeibringen kann. Daß man durch persönliches Vorbeibringen generell Vorteile hätte, kann man eben nicht sagen. Und Rechtschreibfehler, Satzzeichen, klar, es muß top sein. ;-) Dazu kommt dann noch das Layout, auch ganz wichtig. Und die Mappe sollte kein Schrott sein, lieber ein paar Groschen mehr ausgeben.
 

Yukmaus

Aktives Mitglied
Tja ganz im Ernst, dieses "Schwerbehinderte bevorzugt" ist großer Humbug. Ich habe als Schwerbehinderte über 600 Bewerbungen geschrieben die ALLE die von dir genannten Mindestanforderungen erfüllten und nur Absagen bekommen.

Daß keine Rechtschreibfehler drin sein sollen ist unnötig zu erwähnen, das versteht sich wohl von selbst.
Trotzdem immer nur Ablehnungen, auch und besonders in öffentlichen Arbeitsbereichen, wo da ja eigentlich drauf geachtet werden sollte, daß Schwerbehinderte nicht benachteiligt werden.

Also - alles nur Beschiss, verzeihung für die Direktheit. Die Wahrheit ist, daß man als Schwerbehinderter als unfähig und uneinstellbar angesehen wird und machen kann was man will, man findet keinen Job (es sei denn mit Vitamin B). Das ist MEINE Erfahrung, die sich hundertfach bestätigt hat.
Mehr als ein Einser-Abi und Einser-Diplom kann ich leider auch nicht beitragen. Und mein Ehrenamt wird leider nicht durch Arbeitsbestätigung belegt. Arbeitszeugnisse gibts nicht - wie auch wenn einen keiner einstellt.

In den Absagen steht immer nur: tut uns leid, sie werden abgelehnt, die Schwerbehindertenvertretung (gibts was NOCH überflüssigeres?) wurde beteiligt.

Und was nun?

Ich mach mir jetzt als Rentnerin einen schönen Lenz und stelle meine Bemühungen, Arbeit zu finden, im Alter von 35 komplett ein. Soll doch die Gesellschaft für mich zahlen, wenn sie mich nicht arbeiten lassen will...
 

Landkaffee

Urgestein
Bei der Einstellung Schwerbehinderter spielt doch in zunehmenden Maße die Förderung des Arbeitsplatzes und die Lohnkostenbezuschussung eine Rolle.
Da sehe ich gerade im sozialen Bereich ein Problem.
Wenn in manchen Projekten das Geld ausgeht, nimmt man sich einen Behinderten.:rolleyes:

Ist das im Projekt bekannt, herzlichen Glückwunsch: der Eintritt ins Mobbing.:eek:


LG
Landkaffee
 

moonlife

Aktives Mitglied
Liebe Yukmaus,
ich würde dir jetzt zu gern etwas Tolles, Aufbauendes, Positives schreiben - und kann es leider nicht. Ich muss dir auf der ganzen Linie recht geben. Das AGG ist zu oft zu große farce.....
Eigentlich wollte ich mein Anerkennungsjahr zur Erzieherin bei der Stadt machen und wurde abgelehnt. Ich ging vors Arbeitsgericht und habe verloren. Da wurde ziemlich viel gedreht und gewendet. Arbeitgeber sind natürlich nicht blöd und lassen sich da schon die "richtigen" Gründe einfallen, warum jemand abgelehnt wird. Bei mir waren sie besonders frech: Ich wurde auf Grund des amtsärztlichen Gutachtens abgelehnt, das letzlich nichts anderes als meine Behinderung beinhaltet. Aber: Die Stadt muss das Gutachten nicht medizinisch korrekt lesen, es hätte ja auch sein können, dass ich eine ansteckende TBC habe.....
Das Anerkennungsjahr habe ich dann tatsächlich üner Vitamin B bekommen, heute arbeite ich hier als Gruppenleitung. Ich hoffe sehr, dass meine Übernahme nichts mehr mit Vitamin B zu tun hat, sondern damit, dass ich mich bewiesen habe.
Aber wieso bekommst du keine Arbeitsbestätigungen für dein Ehrenamt? Das ist auch frech!
Und deine Einstellung, dass die Gesellschaft deine Rente finanzieren soll, kann ich sehr gut verstehen.....soweit war ich damals auch.

Liebe Landkaffee,
ja, sowas hab ich auch schon erlebt, allerdings in einer Kaffeehauskette. Im sozialen Bereich ist das ja besonders dreist!
Bevor ich Erzieherin wurde, saß ich ja acht Jahre auf ner Sozpäd Stelle und habe auch viel mit diesen finaziell immer knappen Projektleuten zusammen gearbeitet und das Vorgehen nicht erlebt. Ich wäre auf die Barrikaden gegangen.


Aber noch mal zum Thema Bewerbungen:
Ja, es stimmt schon, eine Bewerbung ist Werbung in eigener Sache......Und je nach Branche ist mal mehr oder auch mal weniger gefragt.
Bei uns ist es so, dass im Bewerbungsgespräch die Leute schon sehr getestet werden. Wenn sich da jemand als "Blender" heraus stellt, kommt das auch nicht gut an.
Es gibt ja, branchenabhängig, so Grundbegriffe, zu denen man was sagen können sollte.
bei uns ist das z.B. "Partzipation".
Wurde auch ich im Gespräch gefragt.
Man sollte erst mal wissen und eklären können, was das ist und wie man das umsetzen könnte. Das ist basic. wenn man dann noch weiß, das Partizipation gesetzlich verankert ist und/oder welche Ziele Partipation hat, sehr gut.
Leider habe ich erlebt, wie wirklich gut ausgebildete Leute ins Schwitzen kamen....
Je nach Branche wird es doch immer solche Begriffe geben, oder?

LG
moon
 

Landkaffee

Urgestein
Moon,

ich erinnere mich, dass Du schon ´mal einen Thread zum Thema hattest.
Damals wolltest Du, wenn ich mich nicht irre, eben die Stelle beim Amt.

Gratuliere Dir zum Job!:D


LG
Landkaffee
 

Yukmaus

Aktives Mitglied
Ich bekomm keine Arbeitsbestätigung fürs Ehrenamt weil ich nicht angestellt bin, sondern zuhause auf eigene Rechnung und eigenverantwortlich arbeite (als Wildtierauffangstelle). Was anderes wärs wenn man angestellt ist zb bei der AWO wie meine Schwiegermutter. Da gibts dann auch "Gehalt" (Übungsleiterpauschale), Fahrkostenzuschuss und "Arbeitszeugnis".
Da hab ich mir wohl das falsche Ehrenamt ausgesucht ;)

Nachdem dein Thread genau am falschen Tag kam (hatte gerade 5 Minuten vorher die Absage aus der Post geholt), war ich entsprechend auf 180. Mittlerweile hab ich schon wieder die nächste Bewerbung geschrieben.

Zumindest aber gehts bei mir nicht ums Geld, sondern einfach nur um "Beschäftigung". Es ist also eher ein Luxusproblem. Warum ich mich darüber so aufrege - keine Ahnung. Wahrscheinlich die Enttäuschung nach extremen Anstrengungen, gute Noten und hohe Bildung zu erreichen - als Sozialhilfeempfängerkind ein Diplom zu machen - und dann keinen Job zu bekommen. Trotz der angeblichen "Förderung". Das ist einfach ungerecht. Meiner Meinung nach sollte in Stellenanzeigen drinstehen: Schwerbehinderte brauchen sich gar nicht zu bewerben, sie haben eh keine Chance. Das wäre zumindest ehrlich. Aber so wird einem doch wieder jedesmal umsonst Hoffnung gemacht, was auf Dauer ziemlich auslaugt!

Hier mal das Ergebnis eines Telefongesprächs von heut morgen: ich hatte mich auf eine Integrationsausbildung beworben. Nachdem ich aufgefordert wurde meine Unterlagen zu schicken, passierte wochenlang nix. Darauf rief ich heute an um zu fragen was der Sachstand sei und die Frau sagte mir: Ach ich dachte Ihre Bewerbung sei ein Versehen (!) gewesen... jemand wie Sie (mit Abi und Diplom) bewirbt sich doch nicht auf eine Ausbildung (???).
So wanderte meine Bewerbung also mal wieder in den Schredder. Und das, obwohl ich schon bei der ersten Anfrage gesagt hatte ich hätte ein Diplom... ob ich mich trotzdem bewerben könne? Ja, kein Problem, schicken Sies her...
Jetzt will die Dame sich doch noch drum kümmern. Fragte mich dann aber noch wie es sein kann, daß so jemand bei 600 Bewerbungen 600 Absagen bekommt. Wahrscheinlich aus demselben Grund warum SIE meine Bewerbung geschreddert hatte.
Wenn das alle so machen, wird mir einiges klar.

Würd ich mir ein Kopftuch umbinden, behaupten ich habe die Schule nach der 8. Klasse geschmissen und das in gebrochenem Deutsch - ich hätte schon lang einen Job!
 
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