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Endstation - Scheidung meiner Eltern

Anay

Mitglied
Ich möchte erzählen, wie mein Leben nach der Scheidung meiner Eltern den Bach runterging und würde mich über Antworten von Personen freuen, die etwas ähnliches erlebt haben und mir vielleicht helfen können mit der Situation klarzukommen.

Es fing alles mit der Grundschulzeit an.
Ich war ein sehr menschenscheues, schüchternes Kind, das die gesamte Grundschulzeit über gemobbt wurde. Mein Vater übte, obwohl ich nur gute Noten nach Hause brachte einen gewaltigen Druck auf mich aus und zeigte mir, dass es nie gut genug sein konnte, egal was ich tat.
Ich merkte schon früh, dass meine Eltern sehr kühl miteinander umgingen...da war keine Zärtlichkeit und auch keine Liebe.
Nach der Grundschule kam ich auf ein Gymnasium.
Es war trotz enormen Leistungsdruck wie ein Zuhause für mich.
Meine Mitschüler waren warmherzig und hilfsbereit.
Schnell fand ich Freunde, alles war perfekt.

Zuhause aber wurde es immer schlimmer.
Anfangs nur sehr langsam, dann immer schneller...
Meine Eltern schliefen schon länger nicht mehr im selben Bett.
Plötzlich war mein Vater weg, einfach so...er ging zu meinem Opa.
Ich erfuhr von der Trennung. Meine Mutter war total fertig und wusste nicht mehr weiter, sie hatte Angst vor meinem Vater und sie brachte meine Geschwister und mich zu ihrer Freundin. Auf einer Geburtstagsfeier lernte sie einen Mann kennen. Zu ihm sollten wir nun ziehen. Das ging mir alles zu schnell...ich wollte doch in meiner Schule und in Berlin bleiben und nicht zu einem Mann ziehen, den ich garnicht kannte. Was ist mit meinem Vater ?!
Ich hatte Angst, dass er sich etwas antut...

Ich konnte nichts tun...also zog ich mit meiner Mutter und meinen Geschwistern zu ihrem neuen Mann nach Niedersachsen.
Es war schrecklich...totaler Kulturschock...im Gegensatz zu Berlin...denn wir zogen in ein Kuh-Kaff...50 Einwohner.
Das Haus war eine Ruine, es war grauenvoll.
Ich kam mit der Umgebung nicht zurecht, konnte ihren neuen Mann nicht akzeptieren und mit der Schule klappte es auch nicht. Ich fand hier keine Freunde.
Anfangs spielte ich bei dem Neue-Familie-Ding mit. Doch dann wurde es mir zuviel.
Ich wurde behandelt wie Dreck, ich hatte nichts zu sagen und von nichts eine Ahnung.
Ich fühlte mich unterdrückt und konnte mich nicht gut entwickeln.
Ich wusste nicht wohin ich gehöre und fühlte mich hin und her gerissen.

Ich schmiss alles hin und zog zu meinem Vater zurück nach Berlin.
Meine Mutter hat es mir bis heute nicht verziehen, immer wieder macht sie mir Vorwürfe.
Es war keine leichte Entscheidung für mich.
Doch jetzt lebe ich bei meinem Vater.
Er ist ein sehr schwieriger Kerl, man kann es ihm nur sehr schwer recht machen, eigentlich garnicht. Ich habe das Bedürfnis, mich um ihn kümmern zu müssen und ich möchte ihn glücklich sehen, doch er macht es mir sehr schwer.
Er behandelt mich wie seine Putzfrau.
Und er belastet mich mit seinen Problemen, die für mich eine sehr große Last sind, weil ich ihm nicht helfen kann. Ich fühle mich nicht wie eine Tochter, sondern eher wie eine Mitbewohnerin.

Ich bin bis vor kurzem auf eine Realschule gegangen, es war grauenvoll...also die Leute.
Jetzt habe ich wieder einen Platz auf einem Gymnasium bekommen, wo ich demnächst anfange. Ich hoffe, dass ich dort nette Leute kennenlerne.

Ich leide an Essstörungen, Minderwertigkeitskomplexen, Schlafstörungen, ich ritze mich, habe Depressionen und Angst vor der Gesellschaft. Am liebsten würde ich mich in meinem Zimmer einsperren und mir dort meine eigene Welt aufbauen.

Äußerlich würde jeder denken, ich sei glücklich, aber es ist gespielt.
Ich wollte es immer allen recht machen, doch anscheinend habe ich das Gegenteil getan, ich bin für jeden in irgendeiner Form eine Belastung.
Oft frage ich mich, wie es wäre, wenn meine Eltern zusammengeblieben wären...

Wahrscheinlich bin ich aber auch daran Schuld, wie es mir geht.
Vielleicht sind es meine Gedanken und Ansichten, die mich so unglücklich machen.
Ich weiß es nicht...
Ich weiß nur, dass ich nicht mehr die bin, die ich mal war...


 

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W

Wapiti

Gast
Liebe Anay.
Das ist eine traurige Geschichte, eine schöne Kindheit sieht anders aus.
Die meisten Menschen auf der Welt haben und hatten wohl eher keine schöne Kindheit und viele quälen sich ihr Leben lang mit den Folgen ab.
Da ich nun auch in deinem anderen Thread lese, sehe ich da schon Zusammenhänge zwischen deinen Erscheinungen und deiner Lebensgeschichte.
Ich denke, daß es dringend nötig ist, daß du dich einem Erwachsenen anvertraust.
Ob das einer deiner Eltern sein kann, das kann ich nicht beurteilen. Klingt für mich eher nicht so.
Aber vielleicht hast du einen vertrauenswürdigen Lehrer oder Hausarzt, mit dem du über all das sprechen kannst und der dir weiterhelfen kann.
Du solltest dich bei einem Neurologen/ Psychologen vorstellen.
LG Wapiti :)
 

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