Anzeige(1)

  • Liebe Forenteilnehmer,

    Im Sinne einer respektvollen Forenkultur, werden die Moderatoren künftig noch stärker darauf achten, dass ein freundlicher Umgangston untereinander eingehalten wird. Unpassende Off-Topic Beiträge, Verunglimpfungen oder subtile bzw. direkte Provokationen und Unterstellungen oder abwertende Aussagen gegenüber Nutzern haben hier keinen Platz und werden nicht toleriert.

Emotionaler Missbrauch in der Kindheit und die Folgen im Erwachsenenalter

A

Alena

Gast
Hallo,

es hat mich vor kurzem nachdenklich gemacht, als ich über die Folgen emotionalen Missbrauchs in der Kindheit gelesen habe.
Wird ein Kind emotional missbraucht, so zeigt es in der Schule oft schlechtere Leistungen, als normalerweise aufgrund der vorhandenen Intelligenz zu erwarten wäre. Die Opfer zeigen häufig Konzentrationsschwächen, Gedächtnisstörungen und wenig Ehrgeiz. Manche sind aggressiv und können sich nur schwer in die Klassengemeinschaft einfügen.

Desweiteren habe ich gelesen, dass sich die Folgen emotionalen Missbrauchs nicht nur in mangelndem Selbstwergefühl im Erwachsenenalter äußern. Ganz offensichtlich soll es wohl auch so sein, dass solche Menschen kaum an Universitäten zu finden sind und selten Karriere machen.

Mich würde mal interessieren, was ihr dazu meint.
Warum machen solche Menschen später zumindest in beruflicher Hinsicht wenig aus ihrem Leben?
Liegt es eher daran, dass sie psychisch so geschwächt sind und daher nicht so viel Energie und Ehrgeiz haben?
Oder hat ständiger emotionaler Missbrauch in der Kindheit Auswirkungen auf die kognitiven Fähigkeiten?

Bei mir ist es so, dass ich selbst Betroffene bin.
Meine Mutter hat, als wir Kinder waren, ständig ihre Launen an meiner Schwester und mir ausgelassen.
Sie hat uns oft angeschrien und beschimpft, dass wir das allerletzte seien und sie uns am liebsten in ein Heim geben würde. Dabei waren wir immer ruhige Mädchen.
Auch wurden wir ganz oft zum Spielball unserer Eltern, die sich häufig heftige Szenen lieferten.
Unsere Mutter saß dann heulend da und wollte uns auf ihre Seite ziehen und gegen unseren Vater aufhetzen.
Wir waren ständig in Angst, was der nächste Tag bringen würde.

Und ja, bei uns hatte es großen Einfluss auf unsere Leistungen.
Gerade ich konnte mich in der Schule kaum konzentrieren und flüchtete oft in eine Fantasiewelt.
Im Laufe der Jahre sackten meine Leistungen immer mehr ab.
Trotz Abitur war gar kein Denken an ein Studium, denn das hätte ich mir niemals zugetraut.
Ich arbeite heute in einem Büro und bin sogar dort mit meinem nicht allzu stressigen Job als Sachbearbeiterin häufig überfordert.

Vielleicht hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht und kann mal seine Meinung dazu schreiben.

Liebe Grüße,
Alena
 
Ich kann mir schon vorstellen, dass da was dran ist, wenn man sich in seiner Kindheit ständig gegen seine Eltern wehren musste, um die eigene Identität behalten zu können und Launen aushalten, dann hat man für alles andere keine Energie mehr.

Für ein Kind eine Gratwanderung die extreme Konzentration erfordert.
 
Ich denke an sich ist das garnicht falsch. Natürlich hat emotionaler Missbrauch große Auswirkung auf das Selbstbewusstsein, wenn man dann noch andere Faktoren dazurechnet, dann sickert der Gedanke schnell durch und wird zu einem manifestierten Grundgedanken. Man traut sich weniger zu und verliert auch schneller die Kontrolle. Ich kann das nur aus der "Analyse" eines Therapeuten meinerseits erklären, dass man, wenn man als Kind wenig Zuwendung empfindet, bzw viel Missbrauch auf psychischer Ebene empfängt, man selbst mehr benötigt. Manche kriegen diese Art von Bestätigung dann von anderer Seite und können sich so von dieser Sache schneller "lösen", andere nicht. Diese werden mit diesem Bedürfnis groß und so bleibt das Selbstbewusstsein immer auf einem tiefen Niveau. Viele, die früher missbraucht wurden, haben später im Erwachsenenalter Depressionen und psychische Störungen. Das könnte vermutlich damit zusammenhängen, dass der Bildungsgrad darunter leidet. Man traut sich viel weniger zu, da man im Kopf immernoch etwas Kind ist, im Sinne von, dass man eine Führungsperson benötigt. Wie kann man dann selbst eine Führungsperson werden?
 
Das ist eigentlich ganz einfach.

Wer von klein auf zu hören kriegt, er sei nichts wert, wird auch keinen gesunden Ehrgeiz entwickeln, sich lebenslang nichts zutrauen, sich klein und unbedeutend fühlen.

Karrieristen müssen ein gewisses Maß an Egomanie aufweisen und tun das für gewöhnlich auch.

Dazu kommt sicher auch eine Art angeborene Konstitution/ veranlagung, die dafür sorgen, dass der Eine oder andere auch mit solcher Prägung Karriere macht. Oder eben die, die das dadurch kompensieren, dass sie ihrerseits dann andere klein machen.
 
naja ich denke mal das es auch damit zu tun hat, dass viel nach so etwas depressiv werden & sich somit nicht auf schule ... etc. konzentrieren können ... & es werden ja auch manche nach misshandlungen im kindesalter multiple, um sich selber zu schützen ... das erschwert ihr leben ja auch noch um einiges weiteres ...
 
Hallo Alena, ich gehöre auch zu diesen Menschen die als Kind dasselbe erlebt haben wie du und deine schwester. könntest du vielleicht posten welches Buch du gelesen hast das würde mich interessieren, danke.
 
Ich denke auch, dass emotionaler Mißbrauch in der Kindheit erhebliche Konsequenzen für den Betroffenen hat. Auch ich habe ihn in meiner Kindheit erfahren und ein Leben lang darunter gelitten. Eine Berufsausbildung war nicht möglich gewesen, die vielen schrecklichen Dinge, die zu mir gesagt worden sind, kamen immer wieder in mir hoch und verhinderten jede Konzentration.
Ich habe meine Intelligenz nicht umsetzen können. Auch eine eigene Familie habe ich nicht gründen können, weil alles zu schwer wog.

Nach heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen hinterläßt Mißbrauch, egal welcher Art auch immer, Spuren im Erbgut. Sowas überträgt sich auch auf Folgegenerationen. Es gibt Dinge, da kann man nicht einfach drüber hinwegkommen, weil solche Geschehnisse Verbrechen darstellen. Noch schlimmer finde ich die Verleugnung. Die Verleugnung ist ein zweiter, noch größerer Verrat. Wir müssen hinschauen, wir müssen lernen, hinzuschauen. Wir dürfen uns nicht von Vorurteilen und Voreingenommenheiten blenden lassen. Wir müssen aufwachen und ehrlich zu uns sein. Nur so haben wir eine Chance.
 
Es muss nicht immer so sein, aber oft dürfte es so sein.

Natürlich lernen wir alle früher oder später, dass es im Leben recht rauh zugeht und diverse Kämpfe gekämpft werden.

Aber:

Wenn ein Schaden und Mangel an Respekt jemandem in der Kindheit zugefügt wird, dann kann das gravierende Konsequenzen haben. Es wird nicht zwangsläufig der Körper zerstört, aber das grundlegende Vertrauen, das Urvertrauen.

Und jetzt wird es verdammt schwierig:

1) Man ist geistig tot, obwohl der Körper noch lebt.

2) Man findet den einzigen "Sinn" im Leben, indem man das so Vertraute, also die Eltern bzw. die Familie nachahmt.

3) ... (das Schwierigste und Härteste).
 
Zuletzt bearbeitet:

Anzeige (6)

Thema gelesen (Total: 4) Details

Anzeige (6)

Anzeige(8)

Regeln Hilfe Benutzer

Du bist keinem Raum beigetreten.

      Du bist keinem Raum beigetreten.

      Anzeige (2)

      Oben