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Einfach vergessen....!

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Womansworld

Gast
Ich war gerade 10, es war Sommer und und in dieser heissen Sommernacht 1983 standen mein Vater bei mir im Kinderzimmer, meine Mutter und meine Schwester.
Es war taghell, irgendjemand hatte das Licht angemacht.
In einer Hand hatte mein Vater eine Pistole, in der anderen Hand die Haare meiner Mutter, er hielt meiner Mutter die Pistole an den Kopf und schrie:"ich bring Dich um Du D*******, ich knall Dich ab!"
Die Augen meiner Mutter waren knallrot verheult, ich sass auf meinem Bett, ich weiss nicht ob ich Angst hatte oder was ich fühlte.
Meine Schwester schrie irgendwie hysterisch rum er solle aufhören.
Dann flog die Pistole durch's Zimmer und der Kopf meiner Mutter raste mit wahnsinniger Geschwindigkeit auf die Wand zu vor der ich sass.
Er schlug sie mit dem Schädel einfach 10cm neben mir gegen die Wand.
Da lief ein bisschen Blut an der Wand entlang, nicht viel, ein ganz schmaler Streifen.
Dann gingen sie alle aus dem Zimmer, das Licht wurde ausgemacht und es hiess, ich solle jetzt schlafen, meine Mutter gab mir einen Kuss und sie versicherte mir es sei nichts passiert und sie würde mich nie alleine lassen.
Meine Mutter lief weg als ich 14 war, das Blut klebte an meiner Wand bis wir auszogen, da war ich 18, ich hatte immer ein Poster drübergehängt.

Meine Schwester lag mal bewusstlos auf dem Küchenfussboden, wie es dazu kam weiss ich nicht aber meine Vater wusste es, das Schwein.
Er trat in sie rein, auch ins Gesicht, dabei spürte sie doch schon gar nichts mehr, sie war doch bewusstlos aber irgendwie musste ja sein Rest-Stress abgebaut werden. Da war ich so sieben.

Ich lag in meinem Bett, meine Mutter war wie so oft im Krankenhaus, wenn sie eine Auszeit brauchte, lies sie sich einfach in ein Krankenhaus einweisen, sehr clever....!
Ich hatte Bauchweh und sollte schlafen, konnte ich aber nicht, ich hatte so Angst brechen zu müssen und stand zwei, dreimal auf um meine Schwester zu rufen aber mein Vater schickte mich sofort zurück ins Bett und ich solle mich nicht mehr blicken lassen.
Natürlich ging ich schnell ins Bett, rief aber laut nach meiner Schwester.
Er kam wie von der Tarantel gestochen ins Kinderzimmer, in der Hand einen Kochlöffel und den schlug er mir solange auf den Hals bis ich Ruhe gab.
Mein Hals war ziemlich blau, ich weiss noch das ich nicht in die Schule durfte und einen Schal anziehen musste.....im Sommer!!! Weiss nicht wie alt ich da war, so acht?

Ich brach mir mit 12 in der Schule den Fuss, war umgeknickt. Ich bin ins Krankenhaus und bekam einen dicken Gips.
Als ich heimkam, flog ich mit samt dem Gips durch unser Wohnzimmer, ich war zu blöd zum laufen, sagte er....!
Da dies am ersten Schultag nach den Sommerferien war und ich keinen Gehgibs hatte und nicht in die Schule konnte, fuhren wir alle zusammen in Familien-Urlaub, schön ne! Meine Mutter heulte den ganzen tag, mein Vater schrie den ganzen Tag und ich sass da mit meinem Gips....!
Die anderen Kinder beneideten mich in der Schule weil ich verlängerte Ferien hatte...!

Und heute kommen Leute die mir erzählen wollen, ich solle das doch alles mal vergessen, sei doch schon lange her und vorbei.
Ich solle doch in die Zukunft schauen und das ganze hinter mir lassen.
Und was tue ich? Ich vergesse es, Tag für Tag, ich vergesse es jeden Morgen beim aufstehen, immer für einen Tag. Wenn ich es nicht vergessen würde, wäre ich doch schon lange tot aber das versteht niemand.
Ist ja auch nicht einfach immer seine Geschichte zu verleugnen nur damit man mit den anderen auch mal Lachen kann....den Pausenclown spielen kann.
 
Zuletzt bearbeitet:
Wie kann dein Vater seiner Familie und ganz besonders vor den Kindern so was machen...Pistole...woher hatte er die?

Wie gehts deiner Schwester und deiner Mutter? Was macht das Schwein?...sorry das ich so über deinen Vater reden...aber andere Worte sind für diesen Menschen nicht abgesehen.

Maydan
 
Hallo!

Keine Ahnung warum der ne Knarre hatte oder woher, weiss ich nicht aber er hatte sie halt.
Wie ein Mensch sowas machen kann weiss ich nicht, ich glaube es gibt da für mich auch nichts zu verstehen.
Meine Mutter lebt heute so 600 km entfernt von mir, ich habe keinen wirklichen Kontakt. nach sovielen Jahren Entfernung war eine Mutter-Tochter beziehung irgendwie nicht mehr möglich, habe sie in den letzten zwanzig Jahren auch nur zweimal gesehen.
Meine Schwester lebt bei mir in der Nähe auch sie hat mich mit dem irren alleine gelassen, da war ich elf.
Ich war halt am Schluss noch übrig und bekam dann alles ab...naja!
Ich lebte mit ihm bis ich 23 war unter einem Dach, musste unter Polizeischutz da raus weil ich dachte der Irre macht mich kalt.
Komisch, er ist immer in meinem Kopf, egal was ich tue, er ist immer da.
Er wohnt ganz in meiner Nähe und ich kriege schon Brechreiz wenn er mich nur anruft. Am liebsten würd ich ihn hinter Gitter bringen für das was er uns angetan hat aber dafür ist es zu spät, verjährt.
Das die Opfer solcher Menschen manchmal Jahre brauchen um sich zu wehren, das manche in ihrem ganzen Leben nicht darüber wegkommen, darüber macht sich die Gesetzgebung keine Gedanken.
Sowas ist wie Mord, nur das die Opfer überleben.....!
 
Seit ich das gestern geschrieben habe, bin ich total nachdenklich.
Ich habe das zwar erlebt aber habe keinerlei Gefühl dazu.
Es ist wie wenn man einen schlimmen Film guckt, man ist erschüttert darüber aber man hat ja nichts damit zutun, es ist nur ein Film...!
Genauso kommt es mir vor, es ist mir zwar passiert, ich bin auch erschüttert aber irgendwie habe ich auch nichts damit zu tun....😕

Woran liegt das?
 
Ich glaube dein Realisierungsprozess ist noch voll im gange und du kannst immer noch nicht fassen, dass es dir passiert ist. Deshalb so ein gefühl wie ein Film.

Bist du in Therapie?

Maydan
 
Nee, mache keine Therapie, habe grad eine stationäre Therapie beantragt.
Habe schonmal ne ambulante Therapie angefangen aber abgebrochen weil es mir zu strange war aber ich glaub schon das ich ne Therapie brauche, das stürzt alles grad mal wieder auf mich ein.
 
Hallo,

vergessen geht nicht und ist an sich auch nicht gut. Aber was geht, ist angemessen mit diesen traumatischen Erinnerungen umgehen lernen.
Was du auf jeden Fall brauchst ist eine gute Traumatherapie um die Dinge, die damals schiefgelaufen sind - und zwar gründlich schiefgelaufen- auf die Reihe zu kriegen. Du solltest dich dazu einem guten Therapeuten oder Therapeutin anvertrauen, sonst gehst du mit zu großer Belastung durchs Leben. Denn wie bereits oben geschrieben: vergessen geht nicht und verdrängen ist oft auch schädlich.

Traumatisierte Gewaltopfer sind oft emotional blockiert..so wie du es hier schilderst und damit bist du in einem unschönen und ggf. auch gefährlichen Zustand, den du bearbeiten solltest..per Therapie, sonst könnte das in eine psychische Erkrankung führen oder in Verhaltensblockaden etc.
Für dich ist es wichtig die Macht des Täters über dich zu brechen, radikal, das geht. Ich selber war auch Opfer eines brutalen Vaters, habe aber gelernt mich zu wehren und heute ist der Typ kein Thema mehr für mich...außer so nebenher unter sachlichen Gesichtspunkten.
Du selber hast genügend Macht über dein Leben um bestimmen zu können wo es langgeht. Aber du musst diese Macht schon selber aktivieren und auch nutzen um voranzukommen. Als EX-Opfer musst du erstmal lernen wie so was geht, ne Therapie ist dazu Gold wert.

Ja ich finde auch du solltest nach vorne schauen, aber auch rückwärts um mit der Vergangenheit abzurechnen und mit den angelagerten Belastungen erstmal gründlich aufzuräumen, sonst hält dich der alte Mist im Griff...alter Seelenmist muss also erstmal raus aus dir! Um das hinzukriegen brauchst du jedoch professionelle therapeutische Anleitung und Unterstützung, sonst kann da viel schiefgehen und das muss nicht sein. Also zögere nicht und tu dir mal was Gutes, mach was Sinnvolles für dich, also Therapie, Kampfsport, Selbsthilfegruppen, und ggf. noch nachträgliche Strafanzeigen oder Schmerzensgeldklagen etc.

In Hinsicht auf die väterliche "Behandlungsmethode" sollte dir klar sein, dass er ein ausgemachter Sadist war, machtgeil und Spass daran hatte andere durch Gewalt zu unterdrücken und zu zerstören. Diese Macht hat er jedoch nur, wenn man sie ihm freiwillig gibt! Gieb sie ihm also nicht und löse dich. V.a. aus dem Opferhabitus..eine Haltung die so aussieht: schweigsam, sich schuldig fühlend, große Scham, passiv-duldend, unterwürfig, oft hörig da total unsicher und glaubend, man sei nix (ohne seinen Herrscher) wert und hätte keine Ansprüche, in Selbstmitleid verharrend, aber nie was Gutes für sich tuend und somit Sklavin des Herrn bleibend etc. Durch das ebenfalls devote und passiv-duldende Verhalten deiner Mutter bist du schlecht/ungünstig vorgeprägt...hast einfach unkritisch diese Haltung übernommen, was dich weiterhin stark gefährdet.
Gegen diese Haltung musst du also rigoros ankämpfen (damit dein Nickname auch in Erfüllung geht!) und das beginnt damit dass du anfängst deinen Selbstwert aufzupolieren indem du dir sagst: mein Leben ist was wert und auch wert etwas dafür zu TUN...z.B Therapie oder Kampfsport um das Trauma zu besiegen, um von der Vergangenheit loszukommen etc. was durchaus möglich ist. Aber das liegt dann an dir und inwieweit du da zu Leistung und zum Kampf für dein Leben bereit bist...um Hilfe zur Selbsthilfe anzunehmen etc, dich auseinanderzusetzen etc.
Du hast einen prima ersten Schritt in dieses Forum gemacht, lass weitere Schritte folgen, dann wirst du es schaffen, da bin ich mir sicher.

Viel Erfolg!
Tyra
 
Zuletzt bearbeitet:
ach les das grad mit der stationären Therapie..würde ich auf jeden Fall machen! Und nicht so tralala, sondern echt ernsthaft. Einige Wochen stationär, danach teilstationär und dann noch für einige Jahre ambulant....Meine mittlere Schwester hat das auch so gemacht. Sie war vor einigen Jahren zusammengebrochen...weil sie zu sehr verdrängt hatte, nach außen hin das Maul nie aufgekriegt hatte zu traumatischen Ereignissen bei uns zu Haus....womit ich nie ein Problem hatte...zum Glück.

Wird Zeit dass Schluss ist mit dem zeitweiligen auf dich einstürzen...du solltest lernen diese schrecklichen ERinnerungen zu kontrollieren und v.a. gründlich wegzukommen von der Macht und dem Einfluß deines Brutalo-Paschapapas

Ne Frage: wurde dein Vater damals angezeigt und war er im Knast? Der scheint deinen Beschreibungen nach ja echt brutal gewesen zu sein. Und deine Mutter ne devote Kuh, die euch Kids nicht vor diesem Mistkerl geschützt hat. Ich kann verstehen, dass du heute keinen Kontakt mehr zu ihr willst.

Was ich nicht verstehe: warum wagt er es dich anzurufen? Und warum gehst du dann ran? Du könntest deine Nummer ändern, Geheimnummer beantragen..alles kein großes Problem. Trotz Verjährung kannst du jederzeit nen Anwalt einschalten und ne richterliche Verfügung erwirken, dass er keinerlei Kontakt mehr mit dir aufnehmen darf! Hast du das mit der Verjährung auch eindeutig geklärt? Wie alt bist du?

Tyra

strange bist an sich du drauf, wenn du keine Therapie machst, nach dem was du da an Hölle erlebt hast! Was fandest du denn strange an der ambulanten Therapie?
 
Zuletzt bearbeitet:
Halo Woman

Mir half es darüber zu schreiben, ich hatte eine Autobiographi von 400 D4 Seiten. So habe ich meine Psychosen überwunden, ich musste nicht mehr ins Krankenhaus wegen Krankheiten die ich nie hatte. Es waren immer nur Symptome. Leider habe ich das erst mit 60 Jahren geschrieben du solltest es jetzt tun. Und nicht so lange wie ich warten, jetzt bin ich 72 und Kerngesund. Ich umarme dich weil ich weis von was du Redest.
Ich wünsche dir viel Kraft das durchzustehen, und schreibe auch das kleinsten Detail an den du dich erinnern kannst. Du wirst bald merken wie der Druck auf deine Brust nachlässt, bei jederGeschichte die du niederschreibt kannst du besser durchatmen. Probiere es einfach mal.

L.G. Pasqualle
 
Hallo!

Also ich bin demnächst 34, die schlimmste Zeit liegt schon über 15 Jahre zurück, bin mit 18 ausgezogen, hatte dann drei Jahre Ruhe und ein relativ ruhiges Verhältnis zu meinem Vater, kein gutes aber es war mal Ruhe.
Dumm wie ich war, zog ich in eine Wohnung seines Hauses, da war ich 21 und mit etwa 23 gab es einen Übergriff der mich dazu veranlasst hat auszuziehen, allerdings mit Polizei und so weil er meinen damaligen Freund angegriffen hatte und ich hochschwanger war.
Zur Anzeige kam es damals nicht, ich bin weg und hatte gut drei Jahre keinen Kontakt zu ihm, bis ich ihn zufällig in einem Einkaufszentrum traf. Er sagte ich solle doch mal vorbeikommen und wir reden mal in Ruhe.
Naja, ich bin natürlich hin, hatte ja schon keine Mutter, überhaupt keine Familie zu haben ist ja auch nicht grad so doll.
Als ich ihn traf, hatte ich grad kurze Zeit zuvor mein zweites Kind bekommen und das machte mich irgendwie weich, ich hatte selbst zwei Kinder und wollte meinen Kindern auch sowas wie Familie bieten.
Es ging dann wieder mal ne zeitlang gut, er spiele Opi und war gut zu den Kindern, mich nervte diese getue ziemlich weil es mir nicht "echt" vorkam aber ich ließ ihn mal machen, vielleicht hatte er sich ja doch geändert.
Irgendwann musste ich stationär ins Krankenhaus und er sagte, ich solle die Kids zu ihm bringen, das tat ich auch, ich hatte sonst niemanden in der Zeit und ich war froh das er sich so einbrachte.
Ich lag zwei Monate im Krankenhaus und er kam kein einziges mal mit den Kindern vorbei, als ich entlassen wurde war ich trotzdem froh das er das solange gemacht hat.
Ich glaube erst drei Monate später hat mir meine Grosse erzählt das der Opa sie ganz heftig auf den Po geschlagen hat.
Ich brauchte keine grossen Fragen zu stellen, ich wusste wie das abläuft mit seinen riesen Pranken.....es tat mir in der Seele weh und ich machte mir grosse Vorwürfe und brach den Kontakt ab.
Die ganze Geschichte ist jetzt fast vier Jahre her und vor ein paar Wochen stand er einfach vor der Tür und ich dumme Kuh habe ihm noch nen Kaffee gekocht....*stupid*!
Er hat gefragt ob ich nicht mal mit den Kindern vorbeikommen will usw. aber ich bin natürlich bis heute nicht hingegangen, jetzt ruft er halt manchmal an und erzählt mir irgendeien Blödsinn, nur so banales Zeug.
Nach meiner Stationären Therapie will ich hier weg ziehen, in ein anderes Bundesland, ich will und kann hier nichts mehr sehen und glaube eine örtliche Veränderung würde mir gut tun.

@Pasquale: Das habe ich auch mal ne zeitlang gemacht, hat auch ein Stück weit geholfen, auch heute schreib ich mir manchmal meine Panikattacken weg, auch das funktioniert ganz gut aber eine Therapie ersetzt es mir nicht.
 

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