Anzeige(1)

  • Liebe Forenteilnehmer,

    Im Sinne einer respektvollen Forenkultur, werden die Moderatoren künftig noch stärker darauf achten, dass ein freundlicher Umgangston untereinander eingehalten wird. Unpassende Off-Topic Beiträge, Verunglimpfungen oder subtile bzw. direkte Provokationen und Unterstellungen oder abwertende Aussagen gegenüber Nutzern haben hier keinen Platz und werden nicht toleriert.

Einbruch Selbstvertrauen im Beruf

Alles gut, Weidebirke. Ich hatte meinen Beitrag eher als allgemeinen Gedanken geschrieben und mich nicht auf eine spezielle Äusserung von Dir bezogen. Im übrigen bin ich sehr dafür, ideelle Werte den materiellen vorzuziehen. Besonderen Respekt habe ich für jeden, der ähnlich denkt und sogar bereit ist, dafür Nachteile in Kauf zu nehmen.

Und ja, den Spruch "wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit" finde ich für unsere Gesellschaft oft zutreffend. Sollte ich irgendwann mal wieder vor der Wahl stehen, dann gehe ich eben. Es wäre für mich nicht das erste Mal. Ich habe für meine Haltung oft Nachteile in Kauf nehmen müssen, auch existenzbedrohende. Falsche Kompromisse, aus Angst vor Nachteilen, finde ich eklig. Ich kann daher gut verstehen, wenn Du Dich nicht schämen möchtest, weil ....
Da bin ich ganz bei Dir!

LG, Nordrheiner
 
Hallo,

seit einiger Zeit bin ich völlig verunsichert im Beruf und weiß gar nicht so recht, was ich machen soll.

Zum Verständnis die Vorgeschichte: ich bin als Spätstudierende und Quereinsteigerin in einer fremden Branche gelandet und habe dort Karriere gemacht. Innerhalb von acht Jahren bin ich von Lehrkraft zur Fachbereichsleiterin und dann COO und Geschäftsleitungsmitglied (Position jetzt) aufgestiegen.

Vor zwei Jahren wurden wir verkauft, die neue Ausrichtung ist sehr ... sagen wir ... marktwirtschaftlich orientiert. Was ja nichts Schlechtes ist, wir sind ja auch ein privatwirtschaftliches Geschäft und müssen Geld verdienen. Aber: wir arbeiten im sozialen Sektor und das sind auch meine Stärken.

Mit dem neuen Vorstand kam eine Umstrukturierung, das alte System wurde radikal gestoppt, es folgten Kündigungen seitens langjähriger MA.

Die neue Struktur steht noch nicht und irgendwie geht jetzt alles schief. Der Umsatz ist eingebrochen, unsere früheren Stammkunden kommen nicht mehr und ich fühle mich mit meinen neuen Aufgaben nicht mehr wohl. (Operating war früher wirklich Operating, jetzt wird mir vorgeworfen, ich sei zu operativ).

Zwischenzeitlich hatte ich meine Aufgaben abgeben wollen, das war wirklich eine Krise. Da wurde mir signalisiert, dass man an mich glaube und ich das schon schaffe. Die versprochene Unterstützung traf aber nicht ein, zumindest nicht für mich fühlbar.

Inzwischen sitze ich davor wie ein Kaninchen vor der Schlange. Ich finde keine Lösung für mich. Eigentlich sollte ich gehen...

Jetzt, wo es da steht, macht es mir Angst.

Und außerdem bin ich eigentlich ein Stehaufmännchen und bin noch nie vor einer Aufgabe eingeknickt. Ds passt nicht zu meinem Selbstbild. Aber diese Situation jetzt: ich verstehe kaum, was der Vorstand mir erzählt vor lauter Business-Management-Slang. Ich lerne gerade bescheuerte Vokabeln "costumizing", "sich comitten", "branding"... Ich hasse es. Mir ist der Markt scheißegal. Die Kunden nicht und ich will auch, dass sie wiederkommen. Und eigentlich war ich da auch immer sehr erfolgreich. Wir waren erfolgreich.

Ich fühle mich gerade wie ein Azubi. Ich weiß nichts, ich kann nichts. Und es ist so schwer in meinem Kopf. Dieser Wirtschaftskram interessiert mich nicht.

Noch einmal woanders anfangen? Bleiben und sich durchkämpfen oder gehen? Back to the roots (=Verdienst- und Verantwortungseinbruch?)?

Wie fühlt sich das für Euch an, wenn Ihr das lest?

Nach gehen, du hast eine gute Ausbildung und wirst bestimmt woanders unterkommen können. Wenn ich schon so ein Neumodisches Geschwafel höre dann bin ich schon satt. Alles nur aufgeblasenes Geschwafel was nichts nützt wenn einem die Kunden weglaufen und da dies so ist ,ist dies ein untrügliches Zeichen das im Unternehmen irgend was nicht stimmt da hilft auch so ein Überspanntes Geschwurbel nichts.

Unternehmer der alten Schule sind leider ein Auslaufmodell stattdessen werden AN mit solchen Figuren zwangsbeglückt.

Das ist es was mir beim lesen solcher Zeilen durch den Kopf geht ich weis allerdings nicht ob es für dich Hilfreich ist.
 
Naja, noch nicht viel besser.

Es gab Gespräche mit dem Vorstand, der schwankt gerade zwischen erschrockener Betroffenheit ...

(Warum haben wir das nicht gemerkt? Warum geben Sie uns keine Chance? Was können wir tun, damit Sie bleiben? - erinnert mich an meinen Ex, als ich mich trennte, irgendwie kann man sich Blasen an den Mund reden und es kommt erst an, wenn man Nägel mit Köpfen macht - ich bin ja weiß Gott nicht auf den Mund gefallen und trage -leider- auch mein Herz auf der Zunge)

... und Bockigkeit. Ich habe einen Maulkorb bekommen und darf niemanden über meine Kündigung informieren. Sie haben Angst, dass dann eine große Mitarbeiterabwanderungswelle eintritt (vor allem in der mittleren Managementebene, das sind ja alles meine alten KollegInnen und die sind auch super unzufrieden, da habe ich so einiges abgepuffert und immer wieder neu motiviert, das wissen die einfach), außerdem haben sie keinen Nachfolger. Die kurze Kündigungsfrist bricht ihnen das Genick. Sie wollten meinen Vertrag nicht an die üblichen Konditionen einer Führungskraft anpassen und so habe ich die klassischen vier Wochen. Tja, karma is a bitch.

Der erste Auftrag ist in der Vorbereitung. Vertrag ist unterschreiben. Ich habe noch keinen Anschlussauftrag, was mich etwas nervös macht. Aber vor den Weihnachten und zwischen den Jahren arbeitet niemand. Ich gehe davon aus, dass meine weiteren Akquisebemühungen ab KW 3 für Reaktionen sorgen.

Danke für Dein Interesse 🙂 Ich labere gerade alle möglichen Leute mit dem Zeug voll, weil mir so viel im Kopf rumgeht.
 
Danke für den Input.

Das kommt mir, von jemand anderen, ziemlich bekannt vor (bzgl. der üblichen Konditionen einer Führungskraft).
Schema Top Leute für wenig Geld, bis zum Schluss. :mad:

---

Ein Anschlussauftrag kommt oft etwas träge zustande. Das liegt eben auch daran, dass einige Mühlen arg langsam laufen. Eigentlich alles was mit Ausgaben zu tun. Rechnungen zahlen, wie soll es auch anders sein....super schnell. Kennt man doch.

Ich denke mal das wird schon werden. Der Bedarf ist da, Deine Kontakte sind da, Deine Qualität, auch die menschliche, ist bekannt. Besser geht nicht, würde ich sagen. Musst Dich nur noch beweisen.😛😀

Als ich mich selbständig gemacht hatte, hatte ich zwar auch sehr gute Startbedingungen, die Anschlußverträge hingegen, da hatte ich das Gefühl, man wollte sich von mir bitten lassen. Schlieslich sind sie der.... äääämmm.... mein Mammon. 😀

Qualität spricht sich rum. Auch wenn es länger dauert. Patzer dagegen, die machen sehr schnell die Runde.
Da Du das Herz auf der Zunge hast, noch besser. Ist so. Gerade bei Verhandlungen. Temprament schadet nie.

Du hast ja nun mitbekommen wie wichtig Kontakte sind. Die muss und will man ja auch pflegen. Für die zukünftigen Kontakte gabs bei mir was zum anfüttern. Ein Auftrag gratis, damit man sehen kann wie ich arbeite. Dann erst der Vertrag. Das ist zwar ein Risiko mehr, aber es hat zu 100% funktioniert.

Der Wermutstropfen ist, man darf auf sein Lohn warten. Doch das spielt sich mit der Zeit ein. Dann hat man auch genügend Puffer.

Ich drück Dir beide daumen. :daumen:


LG
abendtau
 
Ja klar, dass die Auftraggeber manchmal nicht (pünktlich) zahlen, weiß ich und ich hoffe, zumindest am Anfang nicht gleich an so einen geraten zu sein. Aber da kenne ich nichts, das lasse ich mir nicht gefallen. Vier Wochen, kurzen Anruf und dann wird gemahnt, gleich formell und einen Mahnbescheid hinterher. In Abhängigkeit vom Wichtigkeitsgrad des Kunden natürlich. Aber meist sind das die, an denen man nicht so hängt.

Ich bin gerade dabei, mir einen Brotjob zu organisieren, der mich versichert und wenigstens die Miete einbringt. Wenn es mir gelingt, einen mit dem jetzigen Stundenlohn und Homeoffice zu ergattern, wäre auch noch der volle Kühlschrank dabei. Aber da bin ich nicht sehr optimistisch.

Die ersten Wochen werden hart.

Gerade verhandele ich mit meinem AG die Ausstiegskonditionen. Ich habe ein paar Vorschläge gemacht, mal sehen, wie er das sieht.

Räume peu à peu mein Büro aus. Über die Jahre hat sich da allerhand angesammelt. Allein die Lehrwerksbibliothek. Jeden Tag ein bisschen, damit ich nicht mit dem Umzugswagen kommen muss.

Das erinnert mich an das Jahr 2000, als ich schon einmal einen unbefristeten Vertrag kündigte, um ins Ungewisse zu starten. :herz: Danach folgten ein paar sehr turbulente und aufregende Jahre. Danach dann leider ein paar ganz schlimme. Das zweite werde ich nicht wiederholen. Aber auf das erste freue ich mich. Offensichtlich brauche ich immer etwas Aufregung. Mein erster Brotjob damals war Hauskrankenpflege im übelsten Viertel der neuen Großstadt fahren. Das war krass! Seitdem traue ich mich jedes Auto in jeder Stadt zu fahren. Nur parken kann ich immer noch nicht. 😀
 
Kommt mir vieles bekannt vor.
Ja... das ist nur Klug, wenn man ein zweites Standbein für den Kühlschrank hat. Kleinvieh macht eben auch "Mist". 🙂 und wer weiss.... manchmal bekommt man somit einen wichtigen Kontakt mehr.

Bei mir war das dann so, dass meine beiden primären Auftraggeber fast gleichzeitig in finanziellen Schwierigkeiten kamen. Durch meine Reputation hatte ich zwar recht schnell Ersatz gefunden, aber dann kamen Private Dinge dazu. Meine heutige Ex wurde Arbeitslos und weiters....
Ich musste mich dann zwischen Aufgabe oder dem zu hohen Risiko, dass das nochmals passiert, entscheiden. Da ich damals Fam. mit zwei Kindern hatte, ging ich/wir lieber den sicheren Weg. Habe das Geschäft aufgegeben und mich wieder anstellen lassen. Was auch sehr schwierig war, denn man wollte kurioser weise lieber keinen der mal Selbständig war. So als ob man automatisch hinter die Kulissen jeder Firma schauen könne, nur weil man mal eine mini Firma hatte. lol... Am Ende war ich eh nur noch alleine unterwegs.
Dann bin ich doch noch untergekommen. Bei einer alten Firma. lol... Die haben mich mit Kusshand genommen. Wußten sie doch, dass ich etwas bestimmts kann, was weit und breit keiner wirklich kann. Tja... so spielt das Leben. Turbulent.

Ich habe das mit den Mahnungen an Firmen sehr genau abwägen müssen. Das kam mir immer vor wie eine Gradwanderung. Schema. Wenn es um geld geht, hört die Freundschaft auf.
Bei der Privatkundschaft gab es zu 99.9% keine Probleme. Bei Ämten... ohjee..... einmal und nie wieder.

Alles in allem bereue ich das nicht. Schwierg wars immer, aber ich könnte hinter meiner Arbeit stehen. Mich damit identifiziern. Mich nicht für meine Arbeit bzw. den Arbeitgeber schämen. Der Kunde ist zwar König, der Chfe aber, der Kaiser. Änlich dem weshalb Du Dich gefragt hast... was mach ich hier überhaupt.

Vorher war ich Kundendienstleiter in einem großen Möbelkaufhaus. Am Ende kam ich mir vor, wie ein Betrüger, der die Kundschaft abzocken muss, nur um den Job nicht zu verlieren.

Mein Fazit:
Wenn man mit der Kundschaft auf Augenhöhe bleibt und aggiert, kann man durchaus auch mal einen groben Fehler machen. Wo gehobelt wird, fallen nun mal auch Späne. Bleibt halt die Frage, was man gemeinsam daraus macht. Gell? 🙂
Ob ich heute nochmal den Mut aufbringen könnte, dass glaube ich nicht.
 
Ja, als Alleinerziehende damals mit drei schulpflichtigen Kindern habe ich mich dann auch anstellen lassen. Bei meiner Branche ist es so, dass meine Leistungen sich die Firmen über Angestellte und über Freiberufler erbringen lassen. Wenn mna gut ist, klauen sie einen vorm Whiteboard weg.

So wurde ich gefunden und so habe ich ja auch alle meine MA gefunden. Die uns aber als Sprungbrett genutzt haben, das war mir klar. Mit den Qualitäten haben die andere Ambitionen und gehen in den Staatsdienst bzw. in was auf jeden Fall sichereres und besser bezahltes.

Jetzt habe ich sie alle groß, die Kinder. Meine Mädels sind selbstständig und nicht mehr abhängig und sie haben mir versprochen, ihren Bruder mit durchzufüttern, sollte es bei mir ganz schlimm kommen 😀 Der Vater ist schließlich auch noch da (Krankenkasse ist so eine Sache ...). Um mich mache ich mir keine Sorgen. Ich bin immer mit sehr wenig Geld und genauso mit sehr viel Geld zurecht gekommen. Ich brauche kein Geld. (also, naja, der Vermieter will welches und das mit dem Singen hat im Supermarkt auch nicht geklappt, aber sonst so ....)

Mir geht es gut.
 
Naja, noch nicht viel besser.

Es gab Gespräche mit dem Vorstand, der schwankt gerade zwischen erschrockener Betroffenheit ...

(Warum haben wir das nicht gemerkt? Warum geben Sie uns keine Chance? Was können wir tun, damit Sie bleiben? - erinnert mich an meinen Ex, als ich mich trennte, irgendwie kann man sich Blasen an den Mund reden und es kommt erst an, wenn man Nägel mit Köpfen macht - ich bin ja weiß Gott nicht auf den Mund gefallen und trage -leider- auch mein Herz auf der Zunge)

... und Bockigkeit. Ich habe einen Maulkorb bekommen und darf niemanden über meine Kündigung informieren. Sie haben Angst, dass dann eine große Mitarbeiterabwanderungswelle eintritt (vor allem in der mittleren Managementebene, das sind ja alles meine alten KollegInnen und die sind auch super unzufrieden, da habe ich so einiges abgepuffert und immer wieder neu motiviert, das wissen die einfach), außerdem haben sie keinen Nachfolger. Die kurze Kündigungsfrist bricht ihnen das Genick. Sie wollten meinen Vertrag nicht an die üblichen Konditionen einer Führungskraft anpassen und so habe ich die klassischen vier Wochen. Tja, karma is a bitch.

Der erste Auftrag ist in der Vorbereitung. Vertrag ist unterschreiben. Ich habe noch keinen Anschlussauftrag, was mich etwas nervös macht. Aber vor den Weihnachten und zwischen den Jahren arbeitet niemand. Ich gehe davon aus, dass meine weiteren Akquisebemühungen ab KW 3 für Reaktionen sorgen.

Danke für Dein Interesse 🙂 Ich labere gerade alle möglichen Leute mit dem Zeug voll, weil mir so viel im Kopf rumgeht.

Das ist doch nicht dein Problem. Dein AG ist doch selber schuld.
 
Ehemalige Freiberufler habe ich selbst übrigens nur nach sehr gründlicher Begutachtung eingestellt.

Die fügen sich nicht so gut in Teams ein, haben Schwierigkeiten, von dieser Unabhängigkeit in eine Hierarchie zu wechseln, brauchen Zeit, um zu begreifen, dass sie nicht mehr der lonely fighter sind und sich in Rahmenbedingungen einfügen müssen, sich absprechen müssen usw. Das hat nicht so sehr was mit "hinter die Kulissen gucken" zu tun. Zumindest bei mir.

Da muss ich aufpassen, denn bis zur Rente will ich nicht freiberuflich bleiben, also nicht zu sehr einrichten darin.

Und eine Sache wieder: ich halse mir gerade eine Sache nach der anderen auf. Typisch. Ich muss jetzt ein paar Gänge zurückschalten. Aber so ist das meist. Wenn ich für etwas brenne, dann vollständig.

Augenhöhe ist so wichtig. Mit den Kunden und mit den KlientInnen/ Lernenden. Das ist immer mein Credo gewesen. Und nur so funktioniert es. Augenhöhe und Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit. Ich hasse Geschwurbel. Rhetorische Taktiken. Furchtbar. Das ist für mich jemanden betrügen, ihn einwickeln. Erinnert mich an den Vorwerk-Vertreter gleich nach der Wende, der meiner arbeitslosen Nachbarin ein viele tausend D-Mark teures Gerät andrehen wollte.
 

Anzeige (6)

Autor Ähnliche Themen Forum Antworten Datum
S Adenomyose und dadurch Probleme im Beruf Beruf 13
F Wie finde ich den Mut um meinen Beruf zu wechseln Beruf 23
G Beruf gesättigt und genervt Beruf 9

Ähnliche Themen

Anzeige (6)

Anzeige(8)

Regeln Hilfe Benutzer

Du bist keinem Raum beigetreten.

      Du bist keinem Raum beigetreten.

      Anzeige (2)

      Oben