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Einbruch Selbstvertrauen im Beruf

Hallo Weidebirke,

in Neuordnungsphasen sind diese Zustände innerer Zerrissenheit absolut typisch. Alte Denkmuster funktionieren nicht mehr, neue sind noch nicht wirklich in Sicht. Das ist immer eine Erschütterung des persönlichen Fundamentes. Ich meine mal gelesen zu haben, dass man von einem Wechsel aus dem mittleren Mamagement in das Top-Management ungefähr mit zwei Kriesenjahren rechnen muss, bevor man die neuen Spielregeln beherrscht und in die neue Rolle wirklich hineingewachsen ist. Bei dir kommt ja noch erschwerend hinzu, dass sich der Vorstand geändert hat und nun mit völlig neuen Konzepten und Orientierungen kommt.

Ein zweiter vielleicht intersessanter Aspekt ist der Ansatz, dass grade Krisen ein hervorragender Weg zur Selbsterkenntnis sind. Löst sich die äußere, haltgebende Struktur auf, dann wird man radikal auf sich selbst zurückgeworfen. So erfährt man sehr intensiv, um welche Konstanten herum man sein Denken, Fühlen und Handeln bisher organisiert hat. Im Prinzop ist auch ein Job eine Kristallisationsform dahinterliegender, sehr persönlcher Motive. In diesem Zusammenhang würde ich nun deine Aussagen deuten, dass du dich mit der neuen zahlenfixierten Philosophie nicht abfinden möchtest, sondern nah mit den Kunden arbeiten möchtest. Oder dass du gerne beweisen möchtest, Herausforderungen gewachsen zu sein. Oder dass der Beruf für dich ein sehr wichtiger Teil deines Lebens ist (hier geht es möglicherweise um Sinnfragen). Solange diese Aspekte fest in die beruflichen Strukturen eingebunden sind, treten sie in dieser reinen Form nur sehr selten zu Tage. Der Vorteil in der aktuellen Situation besteht nun darin, dass sich alle diese Fragen in Form innerer Konflikte in einer grundlegenderen Form offenbaren. Man kann es ein bisschen durch die Formel "Besinnung auf die Kernkompetenzen" umschreiben. Und genau hier liegt die Chance: Sind deine Kerneigenschaften einmal aus ihrer Einbindung in einen Kontext herausgelöst, kannst du damit zwei Dinge tun. Erstens kannst du dich nach neuen und besseren Möglichkeiten umsehen, diesen Dingen zur Entfaltung zur verhelfen. Zweitens kannst du die Dinge hinterfragen und unpassendes abstreifen.
Dieselbe Logik, die im individuellen wirkt, lässt sich in weiten Teilen auch auf Neuordnungsprozesse in Unternehmen anwenden. Gewissermaßen sind die inneren Umorganisationsprozesse spiegelbildlich zu den äußeren verstehbar. Beide bedingen sich wechselseitig, können dabei symmetrisch oder komplementär sein.

Ich könnte mir vorstellen, dass diese Sichtweise helfen kann, ein bisschen den Druck aus der Situation herauszunehmen und den Dingen ihren Lauf zu ermöglichen. Wenn du erst einmal sammelst und Klarheit gewinnst, dann hast du schon ganz viel geleistet, auch wenn sich das noch nicht sofort in äußeren Dingen wie etwa einer konkreten Entscheidung niederschlägt. Die Situation ist komplex, "richtige" Entscheidungen können hier leider nicht berechnet werden. Man kann Lösungen in komplexen Systemen auch nicht "machen", man kann nur die Rahmenbedingungen so beeinflussen, dass sie sich ereignen. Du kannst also glaube ich darauf vertrauen, dass besonders in der Ruhe und Geduld der Schlüssel liegt, dass sich eine für dich passende Lösung langsam entwickelt. Und es wird sehr wahrscheinlich eine sein, die du dir jetzt noch garnicht ausmalen kannst. Und je mehr innere Klarheit du gewinnst, desto mehr Klarheit kannst du im Rahmen deiner Einflussmöglichkeiten in dein Arbeitsumfeld bringen.
 
Spontan und etwas vereinfacht gesagt: Man sollte solange bleiben, bis man nicht mehr das Gefühl hat, nützlich zu sein.
 
Hallo Weidebirke, nachstehend Dein eigener, bereits mir gegebener, Rat als Auszug:

"....das ist schade, dass es so blöd läuft. Da gibt es wohl nur eins: schauen, ob Du Dich eingewöhnst oder wieder anfangen zu suchen. Die Stellendichte ist bei Euch nicht so hoch, was? In meiner Region findet man eigentlich immer was..."

Sofern Du Dir selbst immer wieder tagtäglich ins Gesicht gucken kannst, Du Deine eigene Lebensvision eben so leben kannst und auch willst - dann beisse Dich weiterhin durch!

Ich wünsche Dir zumindest den "Kick" für eine richtige Entscheidung.😉
 
Wow, fast ein halbes Jahr ist mein Thread schon alt. Es hat sich nichts geändert.

Gestern Abend habe ich beschlossen zum 31.01.2018 zu kündigen. Auslöser war eine Unterrichtshospitation, bei der ich mich hinterher fassungslos gefragt habe, was in Gottes Namen mich reitet, etwas zu arbeiten, womit es mir jeden Tag schlecht geht und was ich unter diesen Bedingungen auch nicht gut kann.

Die Entscheidung ist gefallen, am 03.01. habe ich mein erstes Vorstellungsgespräch und den Kurs eigentlich schon in der Tasche 🙂 Die Bezahlung ist etwas zu mickrig, aber um wieder in den Markt zu kommen, passt das schon. Beim Verdienst muss ich sowieso Abstriche machen.

Dazu zwei weitere Eisen im Feuer....

Ich krieg das schon hin, hab schließlich die allerbesten kontakte, bin erfahren und kein Marktnewbie.

Es geht mir mit dieser Entscheidung soooo gut und ich plane gerade schon meinen ersten Unterrichtstag im Kopf.

:herz:

Ich werde dann immer um 15 Uhr Feierabend haben! (okay, Unterrichtsvorbereitung und HA-Korrekturen sind nicht ohne und fressen auch den Feierabend, dazu das Freiberuflichkeitsrisiko, aber das ist was anderes, Unterrichten ist so dankbar)
 
Hi weidebirke,

dann drück ich dir ganz fest beide Daumen.🙂 Mutig mutig. :daumen::blume: *daumendrück*

Ich denk' oft, manches muss so sein, damit eine positive Veränderung überhaupt erst stattfinden kann bzw. Raum bekommen kann. Wer weiss...

LG und alles Gute
abendtau
 
Jaa, danke.

Hab heute gleich meine Kontakte angeleiert und krieg nur positives Feedback.

Ich bin ganz von den Socken, als hätte ich Drogen genommen. Ich darf mich so freuen, die Ernüchterung kommt sowieso. Aber erst später! So lange genieße ich das.

Hat mir doch einer der Kontakte gleich eine Standortleitung angetragen? Nein danke, Regen und Traufe und so.
 
Nach der Euphorie kam der Kater. Und jetzt geht es ein bisschen hoch und runter, mal freue ich mich, mal mache ich mir Sorgen.

Anflüge von Zweifeln ersticke ich im Keim.

Ich habe meinen ersten Auftrag in der Tasche.
 
Dann auch von mir alles Gute.

Trotzdem möchte ich darauf aufmerksam machen, dass Märkte im Wandel sind.
So einen Gedanken "das kann mir nicht noch mal passieren" würde ich nicht so ohne weiteres nachvollziehen, denn es gibt auch die Regel: "Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit."

Auch wenn Du vermutlich jetzt eine schöne und angenehme Alternative hast, würde ich doch der Frage nachgehen, was an den bisher neuen Anforderungen fremd und nicht nachvollziehbar ist. Mein Prinzip: Lernen schadet nicht.

LG, Nordrheiner
 
Dann auch von mir alles Gute.

Trotzdem möchte ich darauf aufmerksam machen, dass Märkte im Wandel sind.
So einen Gedanken "das kann mir nicht noch mal passieren" würde ich nicht so ohne weiteres nachvollziehen, denn es gibt auch die Regel: "Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit."

Auch wenn Du vermutlich jetzt eine schöne und angenehme Alternative hast, würde ich doch der Frage nachgehen, was an den bisher neuen Anforderungen fremd und nicht nachvollziehbar ist. Mein Prinzip: Lernen schadet nicht.

LG, Nordrheiner

Nein, Lernen schadet nie.

Wobei ich den Gedanken so doch gar nicht geäußert habe. Wie kommst Du darauf bzw. mit welcher meiner Äußerungen bringst Du das in Zusammenhang?

Märkte mögen sich ändern, aber das, was ich tue und worin ich ausgebildet bin, wird es immer geben. Ich werde immer irgendwie Geld verdienen können (sofern ich gesund bin).

Ich bin der Frage nachgegangen, sehr gründlich. Das Ergebnis der Analyse ist: das, was da von mir gewollt wird, das kann ich nicht ehrlichen Gewissens vertreten. Es widerstrebt in der Summe meinen sämtlichen Prinzipien. Ich habe mich bei der Vorstellung ertappt, jemand meiner früheren Weggenossen würde mich treffen und mich fragen, was bitte ich da treibe. Ich wäre vor Scham in den Boden gesunken.

Plötzlich fing ich wieder an Punk zu hören, das war ein bisschen albern, aber irgendwoher musste das ja kommen, dieses Bedürfnis nach Auflehnung.

Geld und Macht ist toll. Habe ich nun ausprobiert. Ausgiebig. Ist nix für mich. Auf Dauer.
 

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