AW: Ein Vierteljahrhundert pure Scheiße!
Lieber Daniel,
das ist wirklich absolutgrauenvoll, was du da Tag für Tag erlebst.Das muß aufhören, möglichst sofort! Es hat mich - wie die anderen - sehrbewegt, was du geschrieben hast. Das so etwas wirklich vorkommt in unseremLand, das Menschen und Kinder so leben müssen, ist wirklich unvorstellbar. Dubist ein bewundernswerter junger Mann, dass du daran noch nicht zerbrochenbist. Aber du mußt dort wirklich ganz schnell raus und die gesamte Verbindungzu deinen lieblosen, verwahrlosten Eltern kappen, damit du erst einmal an einemgeschützten Ort zu dir kommen kannst. Das hast du ja schon selbst erkannt.
Du hast geschrieben, Montag- also morgen - möchtest du etwas in Angriff nehmen, damit sich deine Situationverändert und verbessert. Ich versuche jetzt einfach mal, ein paar konkreteVorschläge für dich aufzuschreiben, vielleicht kannst du damit etwas anfangen:
Setze dich gleich Montagfrüh mit dem Arbeitsamt in Verbindung und sage dort, dass du kurzfristig ineine andere Stadt umziehen willst, damit sie dir (möglichst schriftlich)bestätigen, dass es dadurch mit der Auszahlung des Arbeitslosengeldes keine Problemegeben wird. Dort kannst du auch gleich nachfragen, wie es mit Wohngeld odersonstigen Zuschüssen aussieht bzw. dir dort die richtigen Ansprechpartner fürdiese Fragen sagen lassen. Du könntest sagen, dass du bessere Chancen in einernächstgrößeren Stadt hast, schnell einen Job zu finden, oder du bist ehrlichund lässt sie dort zumindest grob wissen, was du zu Hause durchleiden mußt.
Hab mal gegoogelt, wohl weit genug weg vonLippstadt und deinen Eltern, aber nicht zu weit entfernt sind z.B. dieUniversitätsstädte Münster und Bielefeld. Dort gibt es zum einen durch dieStudenten eine größere Anzahl gleichaltriger Leute und zum anderen könntest duso dort ein günstiges WG-Zimmer finden. Das kostet sicherlich für dich vielÜberwindung, aber du wärst auf diese Weise nicht total alleine in der neuenStadt und hättest gleich ein wenig Anschluß, und vor allem ist es günstig.
Ich denke, dann erstmal dortirgend einen Job zu finden, müßte doch sicherlich klappen, denn im Moment geht es ja noch nicht um deine berufliche Laufbahn, sondern um etwas anderes. Dann hättest du zum einen gleicheinen geregelten Tagesablauf, hättest eine Aufgabe auf die du dich vollkonzentrieren kannst, etwas Geld in der Tasche und – vor allem – lernst du auchdort gleich neue Leute kennen.
Das Ziel ist, dass duwirklich erstmal zu dir kommst, deinen Weg selbstbestimmt gehst und dichüberhaupt erstmal selbst besser kennenlernst. Das geht nicht unter so einemRiesendruck, den du da jeden Tag zu Hause hast. Ich kann total verstehen, dassder Gedanke, die Verbindung mit beiden Elternteilen und vor allem mit deinerMutter zu lösen, für dich erschreckend ist. Sie sind die einzigenBezugspersonen, die du im Moment noch hast, aber ehrlich Daniel – das sindkeine Menschen, die dir Gutes wollen und dich unterstützen, sondern dichausnutzen und dich herabziehen in ihre selbst produzierten Müllhaufen. Siekönnen nicht für sich selbst sorgen und laden dir im wahrsten Sinne des Wortesden ganzen Dreck und sämtliche Verantwortung seit deiner Kinderzeit auf dieSchultern.
Das muß bitte sofortaufhören, du hast ein ganz anderes, schöneres Leben verdient!!!!!!!!!!!
Du warst so mutig und hastdich hier in dem Forum offenbart, und du siehst, wieviele Leute an deinemSchicksal Anteil nehmen und dir von Herzen wünschen, dass du da rauskommst undein glücklicheres Leben führen kannst. Natürlich mußt du dich alleine auf denWeg machen, alleine die Dinge in die Hand nehmen, aber wir hier werden dich aufdem Weg begleiten. Nur durch das Internet natürlich, aber du mußt das somitnicht total alleine durchstehen, sondern bekommst hier fast 24 Stunden am TagErmutigung und Unterstützung.
Wenn ich irgend etwas fürdich „aus der Ferne“ tun kann, dann lass es mich bitte wissen, ich würde michfreuen, wenn ich dir irgendwie weiterhelfen könnte.
Ganz viele liebe Grüße,
Susi