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ein [über}leben

  • Starter*in Starter*in kamikatze
  • Datum Start Datum Start
K

kamikatze

Gast
ich hab jetzt einige zeit überlegt. erstens, ob ich das alles überhaupt öffentlich aufschreiben soll... zumindest irgendwie... auch wenn nur oberflächlich... und zweitens, wo ich es reinschreiben soll. hier bei 'ich' oder bei 'gewalt'? eigentlich doch eher hier... auch wenn meine lebensgeschichte zu sagen wir mal neunzig prozent von gewalt geprägt ist/war. wie auch immer...
geboren als nicht-wunschkind... aufgewachsen unter qualen.
mein vater war das reinste A*******. ein schlagender, quälender, seelisch und körperlich schändender unmensch, der seine tochter an seine säufer-'freunde' verkauft und verliehen hat.
der bruder ein grober idiot, der seinem vater sehr ähnlich war und immer ähnlicher wurde.
die mutter eine eigentlich sehr starke frau... die aber nie half und alles vertuschte. die sogar selbst manchmal zuschlug.
die eigene seele vor verzweiflung, angst und überlebenswillen zerbrochen, in stücke zersprungen... im laufe der jahre hat es sich herausgestellt, dass ich eine multiple persönlichkeit bin.
schon im kindergarten war ich anders. schottete mich ab, wurde ausgeschlossen, weil ich 'so komisch' war. ich wurde einzelgänger.
in der schule sehr ähnliches. gemieden, gemobbt, beschimpft, schlechtgemacht.
und naja... der regelmässige griff zur klinge bestimmte teilweise mein überleben. innerlich ein brodelnder vulkan und gleichzeitig eine tote einöde, ein überschwappendes meer von gefühlen und naja...
die klinge half mir das alles auszuhalten. zu verdrängen. zu überleben.
und dennoch folgten irgendwann zwei selbstmordversuche.
beim zweiten im krankenhaus spielte mein vater alles herunter. nichts passierte, keiner schaute hin. niemand merkte etwas.
mauer des eiskalten schweigens. der angst. der qualen. des inneren todes.
aus diesem sumpf rauszukommen war nicht leicht... und jetzt stehe ich hier in einem anderen teil deutschlands, weit weg von meiner persönlichen hölle der vergangenheit und will ein leben anfangen. kein neues leben... denn was ich bisher erlebt hatte kann man nicht leben nennen.
ich will nicht, dass mein leben weiterhin von qualen, schmerzen, enttäuschungen, verletzungen, hass, wut, zorn, trauer und all dem anderen scheiss beherrscht wird. ich will endlich die schönen seiten des lebens kennenlernen...


doch was, wenn ich nicht dazu geboren wurde, um diese kennenzulernen?
was, wenn alles so weitergehen wird? was, wenn...


unsicherheit. und dennoch... irgendwo... immernoch der überlebenswille.

nicht sterben... bloss nicht sterben... war schon so oft davor...

ana und kim
 
hallo ana,

ich selbst hab zwar keine pysiche, sondern psychische gewalt im elternhaus erlebt - ich nenns vampirismus, weil es einem die lebenskraft absaugt.
möchte da jetzt auch nicht weiter drauf eingehen.

du bist ja jetzt schonmal weit weg von all dem negativen einfluss, und das ist positiv.

falls du dir ein leben nach dem tod vorstellen kannst - ich meine nicht nach dem primitiv-christlichen dogmatismus - dann hätte ich einen buchtipp für dich. es ist eins von mehreren büchern, die mir einige zusammenhänge über mein leben und auch meine eltern aufgezeigt haben.

allerdings ist es "starker tobak" - es hat nun wirklich nichts mit dem albernen (und gefährlichen) motto: jesus hat dich lieb zu tun.

unser leben müssen wir selbst leben, so schwer es auch manchmal ist.

ich wünsch dir viel viel kraft dazu, und auch dass du die richtigen entscheidungen triffst, um die schönen seiten des lebens kennenzulernen.

peter
 
Hallo ana,

mit Erschütterung habe ich gelesen, wie dein "Leben" bisher verlaufen ist. Kann überhaupt nicht verstehen, wie Eltern das ihren Kindern antun können.
Wenn du jetzt endlich anfangen möchtest zu leben, ist es wichtig, dass du die Jahre davor verarbeiten musst. Ich glaube kaum, dass du das alleine bewerkstelligen kannst.
Ich kann mir vorstellen, wie du jetzt in Abwehrhaltung gehst, Psychotherapie, nein danke. Doch glaube mir, es kann dir helfen diese Schatten der Vergangenheit kleiner zu machen. Vergessen wirst du diese Kindheit und Jugend nie, aber eine gute Therapie kann es erträglicher machen und dich zum positiven Leben hinführen.
Den ersten Schritt hast du gemacht, in dem du eine große räumliche Entfernung zwischen dich und deine Vergangenheit gelegt hast. Mit der Therapie kannst du eine seelische Entfernung legen und endlich das Leben beginnen, welches du verdient hast.
Versuche es, auch wenn es durch Höhen und Tiefen geht. Doch die Qualität des Lebens kommt mit jedem Tag, mit jedem Schritt, den du in diese Richtung gehst.
Ich wünsche dir ganz viel Glück dabei, denn du hast es verdient. Schreibe hier ins Forum, wenn du eine kleine Hürde überwunden hast; wir werden uns mit dir freuen. Schreibe, wenn es dir ganz schlecht geht; wir werden da sein um dich zu trösten und dir Mut zuzusprechen.
 
@ micky
hmm naja, wenn man sowas nicht selbst erlebt oder im direkten umfeld mitbekommt ist sowas immer schwer zu begreifen.
naja. ich habe nichts gegen psychotherapie. ich habe bereits eine hinter mir, werde auch so bald wie möglich wieder eine machen. ich spüre nämlich, wie sehr ich eine brauche. oftmals klappt alles innen einfach zusammen und dann geht nichts mehr. seufz...
auf jeden fall danke ich dir sehr für deine lieben und mutmachenden worte.

@ peter
ja, vampirismus... das trifft es verdammt gut. tut mir leid zu hören, dass du auch psychische gewalt miterleben musstest.
ein leben nach dem tod stell ich mir schon allein wegen meines starken realismus nicht vor... aber dennoch danke für den tipp (;
auch dir ein danke für deine antwort.
schön hier mit leuten wie euch schreiben zu können. tut irgendwie sehr gut.

kim
 
Hi ihr beiden, ich bin die Sandra, bin 21 und hab genau wie alle hier, zielmich viel Mist hinter mir... Gott sei dank!!!

Ich würde gern mich mal mit Micky oder beiden 😉 unterhalten, hab auch ne e-mail Ad. die ich euch noch reinschreibe...

Gerade Micky kann ich gut verstehen, Selbstverletzung, Selbstmord,.... hab ich auch mitgemacht und kann heut froh sein dass ich noch lebe, durch meinen eigenen, einst verlorenen und wiedergefundenen, Lebenwillen und Kraft.


Würd mich freuen was von euch zu hören

Grüsse aus Luxemburg

[Sorry, bitte keine Mail-Adressen veröffentlichen, sondern im Forum registrieren und per Privater Nachricht Kontakt aufnehmen. Danke, Admin.]
 
Hallo Sandra,

da du registrierte Benutzerin bist, können wir dir jederzeit eine PN oder eine E-Mail zukommen lassen. Du brauchst deshalb nicht deine E-Mail-Addi hier öffentlich reinsetzen. Weiß nicht, ob du sie noch löschen kannst oder ob der Admin das tun muss. Selbstverständlich kannst auch du uns eine dieser Nachrichten zukommen lassen.
 
hallo kim,

es ist gut das du einen starken realismus hast - denn das leben ist kampf...
und dafür brauchen wir willensstärke und mut - du wirst es schaffen, und ich wünsch dir viel kraft und energie..

mit realismus kann man allerdings den glauben an ein weiterleben nicht ausschliessen - schliesslich hat noch keiner das gegenteil bewiesen..
auf diesem gebiet wird ziemlich intensiv geforscht - allerdings ohne öffentliche oder kirchliche gelder, weil weder staat noch kirche daran interessiert sind..

peter
 

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