@schmetterling
Hast du das PPS meines vorletzten Beitrags gelesen? Diese Frau gehörte sicherlich nicht in den Topf den ich meinte. Und dass ich Bürger bin, nunja, staatenlos hat nicht nur Vorteile, aber meine Meinung über Politiker, die kannst du gar nicht kennen, da ich sie hier noch nicht kund getan habe. Aber ich kann dir zumindest verraten, dass ich seit mindestens 10 Jahren nicht mehr weiss welche Partei und schon gar nicht welche Personen ich wählen soll. Also wähle ich die, die am wenigsten Unheil anrichten können, da sie gar nicht erst auf dem politischen Parkett erscheinen, da mir das Nichtwählen immernoch, vielleicht bin ich da ein bischen altmodisch, als undemokratisch erscheint. Du könntest also sehen, dass ich sehr wohl, wenn auch nur im Kleinen, durchaus an Idealen festhalte, auch wenn sie noch so ausgelutscht sein sollten.
Nur Ideale, ich weiss du hörst das nicht gerne, hätte ich früher auch nicht (wie ich mich für diesen Satz verachtet hätte), besonders die Großen, schwinden angesichts kleiner menschlicher Bedürfnisse. Wer Hunger, Durst oder Angst hat, pfeift auf Ideale, es sei denn - und das ist eigentlich profan - es dient einer übergeordneten Sache. Und das ist doch heutzutage - und das sage ich mit dem Wissen es bestimmt schon etliche Male von mir gegeben zu haben, was man auch als "Schnee von gestern" deuten könnte - die Crux. Welches höhere Ideal, oder konkreter, welches brauchbare Gesellschaftsmodell könnte man denn ansteuern? Das Sozialistische, das Konfuzianische ,den Kommunismus, eine globale Diktatur, Demokratie (nicht mit diesem Menschen, vielleicht mit der Version 2.0)? Ich sage direkt "Gesellschaftsmodell", da ein Ideal als solches, z.B. Altruismus, nur in der indiviuellen Ausprägung lebbar ist, aber nicht ohne Gesellschaftsmodell auf alle übertragbar ist. Alle diese Modelle sind bereits gescheitert (mit Ausnahme des Konfuzianismus) oder im Begriff dessen, religiöse Modelle lege ich als Vertreter der Säkularisierung strikt ab - aus gutem Grund - also was bleibt?
Ich befinde mich also eher in einem Zustand des Wartens, als der Resignation. Manchmal ist Geduld auch eine Tugend und das beobachtende Wartende vielleicht die bessere Lösung als das aktiv Handelnde, zumindest solange das Handelnde kein konkretes Ziel verfolgt. Bestes Beispiel Nordafrika. Da wurde gehandelt, ohne Frage und wild drauflos, vorgeblich aus Gründen der Erlangung der Freiheit. Welcher Freiheit aber? Der Freiheit - und das befürchte ich - den Weg in das tiefste Mittelalter einzuschlagen, weil das eigentliche Ziel, die Freiheit des Denkens und der des Einzelnen in einer freiheitlichen Grundordnung nämlich, gar nicht konkret avisiert wurde. Dafür war keine Zeit und wohl auch kein Raum. Raum war für Exzesse, Gewalt und Aufbruch, kurz: "Zerstörung". Zerstörung wäre folgerichtig auch das was wir hier im Westen, nach einer langen, schon fast unnatürlichen Zeit des friedvollen Miteinanders, brauchen und was sich in all den Zerfallserscheinungen, die auch du in dieser Gesellschaft wahrnimmst, bereits manifestiert. Aber wäre das Apokalyptische und nichts anderes ist es, eine Lösung des 21. Jahrhunderts, wäre das nicht eine Bankrotterklärung des "modernen" Menschen, oder anders formuliert: "Gibt es den "modernen" Menschen überhaupt? Meine Meinung: Nein. Es gibt den homo technesis, der glaubt dass das Wesen des Menschen durch die Technisierung seiner selbst sowie seiner Umwelt sich zu ändern vermöge, aber nur durch Erlangung von mehr Wissen wird man nicht weise.....
Ich schweife ab. Deine Begegnung im Arbeitsamt war sicherlich erschreckend, aber gab es denn jemals eine Zeit in der du nicht irgendwo solche Begegnungen haben konntest. Ich gehöre nicht zu denjenigen die sagen: "Früher war alles besser!". Das halte ich für völligen Blödsinn. Es war immer manches gut und manches schlecht, die einzige Konstante die ich da finden kann ist die, dass es auch immer eine Gruppe Menschen gab, denen es besonders gut ging und eine andere der es besonders schlecht ging. Und wenn die Gruppe derer, denen es besonders schlecht ging eine gewisse Anzahl überschritt, und dann noch eine oder mehrere Personen auftauchten, die den Frust der anderen instrumentalisieren konnten, dann schäumte der Topf irgendwann über, und dann ging die ganze Sache von vorne los. Nur wenn die Köpfe der Aufstände wirlich eine ganz konkrete, sehr ausgereifte und aussergewöhnliche Vision hatten und auch bereit waren dafür alles zu riskieren waren Änderungen von Dauer, tja und genau auf diese Menschen warte ich, da ich die Vision leider selbst noch nicht hatte.
Trotzdem finde ich es gut, dass du dich aus einem für dich unbefriedigenden Zustand herrausgewühlt hast und hoffe, dass du nach dem Studium sinnvolle Anwendung für deine erworbenen Kenntnisse findest, vielleicht hast du ja Glück und hast die alles erneuernde Idee......