Lieber Nordrheiner,
danke für deine, wie üblich, ausführliche Antwort. Ich verstehe das als kleinen Wink. Ok, ich versuche mich kürzer zu fassen....
Kurze Vorbemerkung: Ich bin ein Mann.
Den Teil mit der ewigen Verdammnis und deiner Aussage, warum sollte jemand der Jesus nicht liebt errettet werden könnte ich verstehen, wenn den Verdammten die Möglichkeit gegeben werden würde umzukehren. Das ist aber nicht vorgesehen. Das ist für mich kein Zeichen von göttlicher Liebe, denn Liebe bedeutet verzeihen können und wollen. Wer jemandem aber noch nichteinmal die Möglichkeit gibt das ihm vergeben wird, liebt auch nicht.
Einspruch ! Begründung 1) Wir wissen nicht, ob die Verdammnis mit einem Begnadigungsangebot beendet werden könnte. Sollte es sowas geben, wäre dieses vermutlich anzunehmen sein, andernfalls zur Fortsetzung der Verdammnis führt. 2) Aber obwohl ich nur ein Mensch bin, ist für mich schon klar, dass ich hiervon niemals im voraus erzählen würde. Täte ich das, gäbe es mit Sicherheit noch mehr Menschen, als heute, die es nicht für nötig halten, Gott zu ehren und sich Ihm zuzuwenden.
Zu dem Folgen: Wenn wir nicht über Naturkatastrophen reden würden, würde ich dir recht geben. Der Unterschied zum Sohn der wegläuft und in die Drogenszene abrutscht und einem Vulkanausbruch ist der, dass wir für den Vulkanausbruch nicht verantwortlich sein können. Wenn aber etwas außerhalb der Verantwortung der Menschen liegt die darunter leiden und jemand könnte etwas dagegen tun, hat das wieder einen negativen Beigeschmack. Es mag sein, dass Gott die durch Naturkatastrophen Verstorbenen nach ihrem Tod trozdem errettet, aber auch das ändert nichts daran, dass der Massentod eine negative Machtdemonstration wie im Exodus durch die Tötung der Erstgeborenen ist. Immerhin scheinst Du jetzt mir insofern zuzustimmen, dass ein Mensch, der Gott bzw. Jesus Christus ablehnt, die Folgen seiner Entscheidung zu tragen hat (Mein vorheriges Bsp. "Drogen) Zu den Naturkatastrophen... siehe meine Antwort zum nächsten Abschnitt.
Zum Paradies: Ja, unsere Vorfahren wurden durch die Missachtung von Gottes geboten aus dem Paradies verbannt. Dafür können wir aber nichts, das war nicht unsere Schuld und uns dafür zur verantwortung zu ziehen zeugt nur von einem fehlenden Gefühl für fairness.
Einspruch: Gott zieht uns nicht für die Entscheidung unserer Vorfahren zur Verantwortung. Wir haben nur unter dieser Entscheidung unserer Vorfahren zu leiden. Und dazu gehören auch die Naturkatastrophen, jedenfalls nach meinem Verständnis.
Ich schiebe Gott nichts in die Schuhe, er ist mir keine Rechenschaft schuldig, auch niemand anderem sonst. Seinen eigenen Sohn zu opfern war schon schlimm genug (bzw. die Art), das ändert aber nichts an der psychischen Folter an Abraham.
Ich habe den Eindruck, dass Du die Geschehnisse um Abraham nicht verstanden hast. Dies liegt evt. daran, dass Du den Zusammenhang nicht beachtest. Sieh' doch einfach als Teil 1 der Geschichte die Zusage nach einem Sohn. Sarah war über ihre Wechseljahre weit hinaus. Der versprochene Sohn war immer noch nicht da. Abraham riß der Geduldsfaden und er schaffte sich selbst die Lösung, in dem er mit seiner Magd einen Sohn (Ismael) zeugte. Gott tadelte ihn für seine (menschlich verständliche) Ungeduld. Als dann Isaak durch Sarah (nach den Wechseljahren) gezeugt viele Jahre später zur Welt kam und ein kleiner Junge war, prüfte er den Lernerfolg Abrahams. Für Abraham war diese Prüfung sicherlich schlimm. Aber Du solltest das von Abraham Erlebte nicht nur aus der Sicht Abrahams sehen. Wir können heute noch lernen, dass wir in Situationen kommen, in denen wir keine andere Lösung zu sehen glauben, als selbst die Dinge in unsere Hand zu nehmen, auch wenn dies bedeutet, Gottes Zusagen zu "vergessen" bzw. gegen Gottes Gebote zu handeln. Für mich sagt diese Erzählung im Zusammenhang gesehen, aus: Gott führt alles zu einem guten Ende, gerade dann, wenn ich beim besten Willen keine (menschlich machbare) Lösung mehr erkennen kann. Es geht also auch um "Hoffnung auf Gott setzen", wenn die Lage eigentlich hoffnungslos ist.
Im übrigen gibt es nicht "unsere Logik" oder "fremde Logik". Da Logik auf notwendigen Zusammenhängen basiert die aufeinander folgen müssen und sich andere Alternativen ausschließen ist sie universell. Ein Beispiel dafür ist die Frage, ob Gott einen Stein erschaffen kann der so schwer ist, dass er ihn selbst nicht heben kann? Egal wie die Antwort lautet, eine Alternative wird immer ausgeschlossen, daran ändert auch ein geheimer Plan im Hintergrund nichts.
Antwort auf Deine Steinfrage erscheint mir einfach: Gott macht nichts Unsinniges.
Der Rote Faden der sich durch die Bibel zieht ist vor allem der von Tod und Vernichtung für alle die sich von Gott abwenden, auch wenn sie unschuldig sind. SIehe dazu z.B. das Buch Hosea, Kapitel 14, Vers 1 in dem sogar die noch ngeborenen Kinder durch Gottes willen durch das Schwert sterben sollen wenn das Volk nicht zu Gott zurückkehrt. Wenn das keine Erpressung im Sinne von "Unterwirf dich mir oder ich töte dich" ist, dann weiß ich auch nicht weiter. Wie man angesichts der eigen Verdammnis die immer wie ein Damoklesschwert über einem schwebt und solcher Geschichten keine Angst vor Gott haben kann weiß ich wirklich nicht.
Auch hier erhebe ich Einspruch: 1) Genau gelesen ist es nicht Gott, der diese Gräueltaten veranlasst oder durchführt, sondern die Feinde Israels. 2) Das ganze Hoseabuch ist eine Anklage gegen Israel. Beispiel: "Gilead ist eine Stadt voller Verbrecher, Blutspuren überall. An der Straße nach Sichem liegen Priester auf der Lauer wie eine Räuberbande; sie morden, sie begehen Verbrechen. ... Jetzt werden sie von ihren eigenen Taten eingekreist, die sie mir zum Trotz begangen haben. (aus Hosea 6, 7 - 11 und 7, 1 bis... eigentlich das ganze Buch lang.) Die von Dir angesprochene Stelle zeigt auf, was mit Städten in Israel passiert, wenn sich die Menschen von Gott abwenden. Also Ursache - Wirkung. 3) Dieses Buch Hosea ist typisch für das AT, ja, auch für das NT. Denn es zeigt, dass Menschen, die sich von Gott abwenden, ohne Gott schutzlos sind und dann - ohne Schutz - passieren auch die schrecklichen Dinge, die Du in Hosea 14, 1 erwähnt hast. Aber lies bitte auch das Ende von dem Hosea-Buch. Dort steht u.a.: 14, 5: Ich überwinde ihre Auflehnung gegen mich, sagt der Herr. Ich wende ihnen meine Liebe zu, obwohl sie es nicht verdient haben; ich will nicht länger zornig sein."
Versteh mich übrigens nicht falsch: ich will dir deinen Glauben nicht ausreden, falls dieser Eindruck entstanden sein sollte. Nein, kein Problem.Es geht auch nicht darum, Gott für etwas die Schuld zu geben oder Liebesbeweise einzufordern. Er ist mir, wie gesagt, keine Rechenschaft schuldig. Ein gnädiger, verständiger, liebender Gott würde die ewige Verdammnis trotzdem niemandem antun. Das Gott nicht im Sinne des Guten handelt sieht man übrigens bereits im Genesis. Er verbietet Adam und Eva vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen. Wieso? Was hat er zu befürchten? Wenn er gut handeln würde, dann würde die Erkenntnis darüber den Glauben an seine Güte nur stärken. Wenn ich aber nicht will, dass andere meine Absichten erkennen, so können sie schwerlich Gut sein. Anders wäre es, wenn es der Baum des Zweifels wäre oder etwas in der Art, DA wäre ein Verbot nachvollziehbar. Aber bei einem Baum der einen die Güte Gottes erkennen lässt? Naja, da denke sich jeder was er will... Du hast ein prächtiges Talent, Dir immer die Begründungen zu suchen, die gegen die Liebe Gottes sprechen. Auch bei diesem Beispiel erhebe ich gegen Deine Begründung Einspruch - ich liefer auch auf Wunsch gerne meine völlig anderslautende Begründung nach.
Mein Standpunkt wird sich höchstwahrscheinlich auch nicht ändern und ich würde mich nur wiederholen, daher sage ich auch nichts weiter mehr dazu. Danke dennoch, dass du dir die Zeit genommen hast das zu lesen und (vielleicht) zu antworten.
LG,
gesger