Nordrheiner
Sehr aktives Mitglied
Menschen können Konstanten sein. 🙂 Nicht nur Gott. 😉
Du kanntest wahrscheinlich die Falschen. 😉
Der Begriff "Konstante" wird sicher von Mensch zu Mensch mit ganz unterschiedlichem Inhalt gefüllt.
Wie ich diesen Begriff verstehe:
Konstante...
- kann der kleine Laden sein, in dem seit 20 Jahren das gleiche Ehepaar Lebensmittel verkauft
... bis eben eines Tages beide in Rente gehen und der Laden ohne Nachfolger geschlossen wird.
Heute steht dort ein Mehrfamilienhaus oder ein Fahrradladen...
Aber für 20 Jahre war dieser Laden und dieses Ehepaar eine Konstante. Das Ehepaar treffe ich nicht mehr.
- können die Eltern sein oder die Geschwister. Jedoch eines Tages werden sie nicht mehr da sein.
- Selbst der Ehemann oder die Ehefrau ist eine Konstante. Aber auch nur eine zeitlich begrenzte. Diese endet, wenn irgendein Ereignis, welches wir vielleicht sogar begünstigt haben, das Zusammenleben beendet.
- Unsere Gesundheit ist eine Konstante. Aber auch sie endet.
- Wir selbst verstehen uns als eine Konstante für andere Menschen. Gerade Menschen mit ethischen Ansprüchen an sich selbst wollen ihre Werte konstant leben. Wir lehnen uns sogar soweit aus dem Fenster, dass wir anderen Menschen Versprechungen machen. Das meinen wir auch sehr aufrichtig. Aber auch wir müssen feststellen, dass wir unsere Versprechen nicht immer durchhalten können (oder wollen). Und andere Menschen erleben, dass wir für sie jetzt nicht mehr konstant (da) sind.
- Unser Arbeitsplatz ist eine Kontante. Wir erhalten regelmässig unser Gehalt oder unseren Lohn.
Mit dem Geld rechnen wird. Wir überlegen, ob es für einen Urlaub reicht oder für die Anschaffung von z.B. einem neuen Fahrrad.
- selbst schlechte Menschen sind eine Konstante. Wir wissen, dass wir ihnen niemals trauen dürfen.
Wir brauchen Konstante. Wir suchen das Dauerhafte. Es ist wie ein Geländer an der Treppe. Schon alleine der Anblick, dass dieses Geländer da ist, beruhigt uns. Evt. halten wir uns nicht daran fest, aber wir könnten es. Das ist gut.
Was ich sagen will, ist: Was immer wir als Konstante verstehen, so ist doch jede menschliche Konstante mit einem Ende der Konstanz verbunden. Die Dauer der Konstante kann mehrere Stunden betragen oder mehrere Jahre. Aber irgendwann endet sie.
Gerade weil Menschen als Konstante gesucht, gebraucht und empfunden werden, wird ein Ende der Konstanz (Trennung z.B. durch Umzug, Krankheit, Tod) als besonders tragisch empfunden.
Daher empfinde ich Gott als eine Konstante, die kein Ende hat. Er ist immer der Gleiche. Er verändert sich nicht. Seine Richtlinien sind immer richtig und nicht nur "diesen Sommer" und auch nicht nur "wenn sie mir gefallen". Der Beweggrund dieser göttlichen Konstante ist Liebe zu uns Menschen.
Das Problem bin immer ich. Meinem Wunsch, selbst eine Konstante zu sein, werde ich nie vollständig genügen, egal wie sehr ich es auch aufrichtig wollte. Es wird immer Menschen geben, deren (berechtigte) Erwartungen ich nicht erfülle, warum auch immer.
Irgendwie merkwürdig. Obwohl ich Konstante sein möchte oder Konstante (möglichst ohne Ende) haben möchte, bin auch ich Teil des Problems, dass es im menschlichen Bereich keine wirkliche Konstante gibt. Es gibt immer nur endliche Konstante und sie unterscheiden sich durch die Dauer.
Für mich persönlich habe ich den Wunsch nach einer nicht endenden Kontante. Aber das Vorhandensein einer unendlichen und auch sehr guten Kontanten ist nicht genug. Am Geländer muß ich mich auch festhalten.
Und merkwürdig. Gott weiß, dass wir auch mal das Geländer loslassen oder aus einem Gefühl der Selbstsicherheit meinen, dieses Geländer nicht zu benötigen. Aber Gottes Angebot steht konstant, dass wir uns von ihm tragen lassen und Ihm vertrauen, weil Er eben konstant gut ist und uns Menschen liebt.
Meine Frage an mich lautete früher: Will ich einer endlichen Konstanten vertrauen oder einer unendlichen? Ich habe mich für die unendliche Variante entschieden.
Endet eine Konstanz, beschäftigen sich Menschen mit der Schuldfrage." Das Auto ist kaputt, weil mir jemand da reingefahren ist. Dieser Jemand ist schuld."
Das Ende einer bisher konstant scheinenden menschlichen Beziehung wird besonders "gerne" mit der Schuldfrage verknüpft. Die Schuldfrage "warum bin ich nicht konstanter in meinem Verhalten?" oder "warum habe ich versagt?" wird unterschiedlich beantwortet. Am liebsten reichen wir die Schuldfrage an den anderen weiter "diese Person ist schuld, weil...".
Gerade was menschliche Beziehungen betrifft, bin ich nicht dafür, die Schuldfrage zu betonen. Sie ist nicht völlig unwichtig, nein, aber in meinen Augen steht sie hier nicht an erster Stelle.
Den positiven Lösungsweg für eine zukunftsfähige Antwort will ich mit einer Metapher beschreiben:
Wenn es in meinem Körper einen schädlichen Virus gibt, der meine Gesundheit gefährdet, dann benötige ich ein Gegenmittel, welches meine Gesundheit stabilisiert. Die Frage: “wie kommt der Virus in meinen Körper“ ist interessant. Aber wichtiger ist doch die Frage: „Wie werde ich gesund?“
Und bei Gesundung nehme ich doch am besten ein Mittel, welches nicht nur für ein paar Stunden oder ein paar Tage hilft, sondern möglichst „für immer“ ausreicht. Oder? Das nenne ich dann ein konstant gutes Mittel. Mit diesem "Mittel" will ich leben. Weil es einfach konstant gut ist. Es ist kostenfrei erhältlich.
LG, Nordrheiner