Ich habe nun das meiste im Thema gelesen und möchte auch etwas dazu sagen, da ich die Antworten bisher für sehr unvollständig halte.
Ihr habt ernste Beziehungsprobleme, Kylar hat das bereits gut ausgeführt:
Was verbindet dich eigentlich im Moment mit deinem Mann abgesehen vom Sex (und den Kindern)?
[...]
Wenn Sex nur noch zur lästigen Pflicht wird, ist das einfach mega abturnend.
Und so muss sich das grad für deinen Mann anfühlen.
Bemerkenswert fand ich, dass direkt in der ersten Antwort gefragt wurde
Gibst du ihm das Gefühl, dass du ihn geil findest [...]?
und du es einfach übergangen hast. Männer möchten auch ihrer selbst wegen begehrt werden, besonders in romantischen Beziehungen. Mir ist in deinen Formulierungen und deinem Fokus sehr stark aufgefallen, dass es dir an Respekt ihm gegenüber gemangelt hat. Daher hat es ja auch gekracht, und ihr habt es versucht aufzuarbeiten. Jedoch scheinst du oft nicht klar denken zu können, und bist aufgrund deines sexuellen Verlangens einfach nicht sonderlich empathisch, sondern tendierst zu egoistischen Denkweisen und "Mittel zum Zweck" Methoden, anstelle wirklich bei den Ursachen der Probleme anzusetzen.
Dazu nun ein bisschen Allgemeinwissen: Bei Männern erreicht die Libido meist mit 18 bis 20 Jahren ihren Höhepunkt, und flacht anschließend ab. Bei Frauen hingegen mit Mitte 30 (wo du dich befindest). Es ist daher normal, dass in Beziehungen solche Ungleichheiten bestehen, außer man hat wirklich Glück. Es gibt wahrscheinlich keinen Weg, sein Verlangen wieder derart anzukurbeln, dass es dir genügen würde.
Eine Sache die ihr tun könntet, um ihm den Druck und dir dein Leiden zu nehmen, wäre die Beziehung zu öffnen. Du könntest dich austoben und eure Beziehung hätte endlich Platz um zu heilen, vorausgesetzt natürlich, dass ihr beide nicht krankhaft eifersüchtig seid. Aber eine ganz wesentliche Komponente in dieser Strategie wäre, dass ihr euch wieder mehr Respekt entgegen bringt und bewusst emotional nähert, insbesondere jeweils hart an euch selbst arbeitet. Zuallererst ist eine gute Beziehung schließlich eine enge Freundschaft. (Wenn du ihn nicht als deinen besten Freund siehst, nach 15 Jahren Beziehung, dann wüsste ich euch allerdings nicht zu helfen, da solche 'Beziehungen' nur Benutzen sind.) Vielleicht könnte auch ein Paartherapeut helfen.
Ich möchte nun mit einer Anekdote aus meinem Leben versuchen, dir die Augen (bzw. eher den Verstand) ein bisschen zu öffnen. Ich (m, 30) habe zu zwei Frauen jeweils eine polyamore offene Beziehung, und es besteht mehr oder weniger regelmäßiger sexueller Kontakt zu beiden. Eine von beiden, im Folgenden M. genannt, nähert sich Ende 30 und sie hat oft deutlich mehr Verlangen als ich. Was für mich eine neue Erfahrung ist, denn früher hatte ich so extrem viel Verlangen, dass ich jede frühere Partnerin deutlich übertroffen habe. Aber ich werde nunmal alt, was männliche Libido angeht. Der Unterschied reicht von früher mit 18 bis 20 Jahren am liebsten über 5 Mal und viele Stunden täglich zu nun eher 1-2 Mal jeweils unter 20 Minuten pro Woche. M. würde scheinbar am liebsten jeden Tag (und deutlich länger) mit mir schlafen, und außerdem ist es mir mittlerweile meist zu anstrengend sie zum Orgasmus zu bringen, da es mir zu lange dauert (und ich Spaß haben will, keinen Leistungssport). Das ist aber kein Problem, denn sie schläft noch mit jemandem, mit dem sie eine F+ hat, der offenbar viel mehr gewillt ist, sportlich Sex zu haben, und das wohl auch sehr gut hinbekommt. So hat sie ihre Orgasmen, ich keine Arbeit, und der Freund auch seinen Spaß. Eine Win-Win-Win-Situation also. Ich freue mich für sie.
Meine andere Partnerin versteht es deutlich besser, sich zum Orgasmus zu bringen, meist ohne dass es mir zu viel Mühe macht. Aber auch sie tobt sich gelegentlich mit anderen Männern aus. So wie ich mich austoben kann, wann auch immer ich das Bedürfnis habe, aber die beiden wollen oder können gerade nicht (z.B. wenn man verreist ist). So ist auf alle Bedürfnisse geachtet und keiner wird sexuell unter Druck gesetzt. Ein tolles Liebesleben und viel Raum um unsere wundervollen Beziehungen wachsen zu lassen, was auch sehr gut gelingt. Kann ich nur empfehlen!
Nun aber zurück zu euch. Wie andere schon ausgeführt haben, scheint eure Beziehung ziemlich abgemagert zu sein. Manch einer schrieb "das wäre mir zu wenig / ich würde mich trennen [wenn man es nicht in den Griff bekommt]", und so sehe ich das auch. Du bist gerade in deinen besten Jahren als Frau, und du quälst dich um an religiösen Beziehungsmodellen bzw. -idealen festzuhalten. Du nimmst dir und auch ihm so viel, da du dich nicht auf die emotionalen, liebevollen und verständnisvollen Aspekte eurer Verbindung konzentrieren kannst, da dein Körper erstmal dein sexuellen Grundbedürfnis stillen will, du es ihm aber verwehrst (ich kenne das gut von mir selbst früher). Das ist doch kein erstrebenswertes Leben.
Aus diesen Problemen entstand durch Nichtrücksichtnahme ein Vertrauensverlust, schlechte Kommunikation und ein Mangel an Respekt (zumindest hoffe ich, dass es nicht immer so war). Es gibt viel aufzuarbeiten, wenn ihr es versuchen wollt. Es gibt, wie ich aufgezeigt habe, auch gute Wege dafür, auch wenn mein Weg vielleicht nicht der richtige für euch sein mag. Aber so wie es ist darf es nicht bleiben.
Was kann ich konkret tun? Soll ich ihn drauf ansprechen? Lieber nicht? Er möchte sich als Mann fühlen und dass er die Kontrolle hat das weiss ich und das finde ich gut ( steh total auf Dominanz) nur wie bekomme ich das hin?
Ihr solltet euch beide viel Zeit und Geduld nehmen um frei über alles zu reden. Ob ihm seine Potenzprobleme peinlich sind oder nicht, wo die konkreten Ursachen für sein Misstrauen und deine fehlende Empathie liegen, Lösungsansätze herausarbeiten, etc. Aber auch, wo deine Unsicherheiten (Verlangen nach Bestätigung durch Körperlichkeiten) herkommen, und warum du glaubst, du seist selbstbewusst (was du offenbar nicht wirklich bist, zumindest nicht in allen Aspekten).
Es geht darum sich wieder emotional zu nähern und den Fokus auf die Liebe, nicht auf Sex zu lenken. Du sollst ihn wieder verstehen lernen, und er dich. (Es ist ja schon vielsagend, wenn Fremde in einem Forum dir besser erklären können, was deinen Mann belastet, als du es selbst verstanden hattest.)
Mit etwas Entschleunigung und Raum (bspw. wie ich ausführte) sollte das auch umsetzbar sein. Für mich klingt 15+ jährige Beziehung jedenfalls nach etwas, wofür es sich zu kämpfen lohnt.
Ich wünsche euch viel Glück und Erfolg!
PS: Wichtiger Hinweis - Unterbreite ihm drastischere Vorschläge (wie meine) erst, wenn du ihn gut genug verstehst um zu wissen, wie du sie gut ansprichst. Wenn er z.B. in Wirklichkeit einfach mega Selbstwertprobleme wegen seiner Potenzprobleme haben sollte (was ich aber für unwahrscheinlich halte), dann würde ihn die Implikation, dass er dir sexuell nicht genügt, vielleicht nur unnötig kränken. Allerdings ist er ja ohnehin ständig damit konfrontiert. (Die Frage ist, wie egoistisch, besitzergreifend oder emotional unreif er ist. Doch deinen Ausführungen entnahm ich keine dieser Dinge, weswegen ich meine Vorschläge für sinnvoll halte.)