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Dunke Vermutungen

Hey, da bin ich wieder.


Also wie soll ich da anfangen. Es gibt glaub' selbst im linken Spektrum (wo ich kursierte) generell wenig Leute die so denken, weil's eigentlich irgendwie schonwieder total absurd und „Weltverschwörerisch“ ist.


Aber trotzdem ist es einige Male im privaten Zweiergespräch über Perspektiven (kritischer) Politik zum Thema geworden. Es ging darum, dass die politische Beteiligung in der Gesellschaft immer stärker zurück geht. In dem Zusammenhang wurde mit das größte Problem genannt, dass selbst Leute die politisch sein wollen, viel zu wenig Zeit finden dieser Aktivität nachzugehen und es letztlich irgendwann ganz sein lassen - spätestens wenn sie in Familie und besonders in den Beruf eingebunden sind.


Neben diesen eher lebenslaufmäßigen Faktoren, die zwar auch strukturell bedingt sind (Denn muss es denn vorallen angesichts der Arbeitslosigkeit sein, dass der Job einen zeitlich und körperlich so beansprucht, dass mensch sich nicht mehr aktiv politisch engagieren kann?), ist meines erachtens sehr offensichtlich, dass selbst heute noch die parlamentarische Politik darauf abzielt „sie zu beschäftigen“. Ich meine damit nicht nur die unverhältnismäßige Gängerlung von Arbeitslosen sich eine Arbeit zu suchen die es garnicht gibt, sondern die Konzentration und Intensivierung von Tätigkeiten in anderen Lebensbereichen.




Als Fallbeispiel nenne ich hierzu in Brandenburg das nachziehen des 12.-Klasse-Abschlusses und allgemein die Einführung des Bachelor-Systems. Beides führt nicht nur gewisserweise zu einer realen Qualitätsminderung von Bildung (so wurde in meinem Studiengang durch den Zeitfaktor und der sich neu ergebenen Konkurenzsituation der Studiengang inhaltlich als auch strukturell vereinfacht), sondern auch zu immer weniger Freizeit in denen man sich anderweitig Beschäftigen oder Weiterbilden kann.


Was die Gängelung von Arbeitslosen angeht, kann hierzu die Hartz I-IV-Reform genannt werden. Ich habe zwar damit keine Erfahrung, aber soweit ich weiß, werden arbeitslose penetrant dazu angehalten sich einen Job zu suchen: Nicht zuletzt durch Kontrollanrufe und glaub' ich durch ein mindestsoll an verschickten Bewerbungen und angenommenden Bewerbungsgesprächen welche angeboten werden.Ich meine natürlich ist es „ehrenwert“, dass einem aus einer allgemein schlechteren Situation (angeblich) geholfen werden soll. Aber die Tatsache ist doch, dass es real einfach nicht genug Arbeitsplätze gibt und bei Ablehnung derartiger 'Beschäftigungstherapien' (denn das ist es doch, wenn es keine Jobs gibt!) zu weiteren finanziellen Kürzungen führt.


Aber wenn mensch schwierigkeiten hat überhaupt über die Runden zu kommen, dann kann mensch auch keine Politik machen oder sich sonstwie Beschäftigen bzw. weiterbilden. Hinsichtlich dieser Unfähigkeit zu politischen Auseinandersetzung, kann auch das Demokratieprinzip nicht funktionieren. Da bringt dann keine noch so hohe Diät in diversen Gremen den Arbeitslosen nichts. Denn bis er dahin kommt, ist der garantiert schon verhungert.


Zum zweiten seien die 1-Euro-Jobs zu nennen, welche nicht nur einen jeden Mindestlohn beinahe kritiklos manifestieren, sondern auch die Leute dazu nötigt sich teilweise sehr sinnlos zu beschäftigen und eben weniger Zeit für andere Sachen zu haben.


Zwei Beispiele die eventuel eine Sache belegen könnte:


Die parlamentarische Politik führt dazu, dass Menschen immer mehr total beschäftigt werden, so nicht mehr auf „dumme“ Gedanken kommen und so den gegenwärtigen Status Quo beizubehalten.


Zu Status Quo zählt auch, jede Form von weiteren Schweinerein politisch ungeschoren und ungestört durchsetzen zu können.




Ich meine dabei nicht, dass in den Parlamenten Leute sitzen und sich überlegen wie sie die Bevölkerung still halten. Viel wahrscheinlicher sind sie in anderer Hinsicht viel pragmatischer und glauben sogar etwas gutes zu tun.


Was ich damit meine wäre z.B. die Arbeitslosen aus kriminalogischer Sicht zu beschäftigen und indem man ihnen das Gefühl gibt, dass sich jemand um sie kümmert. Oder im Sinne des Bildungssystems, dass die Leute selbst früher Geld verdienen können und um mit dem früheren Arbeitseintritt eine gewissen wirtschaftlichen Vorteil zu erringen. Vielleicht geht’s aber auch einigen tatsächlich darum die Leute still zu halten.






Was denkt ihr zu diesen Ansichten. Sind sie (die Ansichten) bzw. bin ich zu paranoid oder steckt da „System“ hinter?
 

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J

Jim

Gast
So ist es nun mal, was willst Du tun ? Du liegst schon richtig mit Deinen Ansichten ! Die Beteiligung des Volkes bei einem Fußballspiel ist größer, als bei allem anderen ! Abwarten wir werden sehen ob es noch mal einen Umbruch gibt ! Die Zeit ist noch nicht ran dafür !
 

pete

Sehr aktives Mitglied
Im Grunde wird es so sein, dass Politiker sich eher aus dem Beamtentum rekrutieren, als aus der Wirtschaft, weil man dort viel zu sehr eingespannt ist, um noch freie Kapazitäten an Zeit und auch geistig haben könnte, um sich neben Beruf und evtl. Familie noch darüber hinaus politisch engagieren zu können.

Dass das Ganze ein Selbstläufer geworden ist, und auch gesteuert wird, und die Medien dazu beitragen bzw. dazu wieder gehalten sind - denn ein in der Masse eher "dummes" Volk muckt nicht auf - ein Schelm wer Böses dabei denkt.

Das Prinzip davon kannten aber schon die alten Römer: "Brot und Spiele" hiess es da.

Peter
 

deadwood

Aktives Mitglied
Ich sehe es weitgehend so, wie es der Gast in dürren Worten ausgedrückt hat.
Von der reinen Arbeitszeit stand früheren Generationen bestimmt viel weniger Zeit für politische Betätigung u. dergl. zur Verfügung als heute.
Unser Problem ist eher, dass wir, von permanenter Angst gehetzt irgendetwas versäumen zu können und unser Erdendasein evtl. am Ende nicht optimal ausgenutzt und alle Möglichkeiten des Lustgewinns ausprobiert zu haben, aus freien Stücken derart verplanen, dass vermutlich dann wirklich Zeit und Interesse für hehere Betätigung und Dienst am Gemeinwesen fehlen.
Der Ablenkungen und Angebote sind heute - verglichen mit früheren Zeiten - einfach zu viele.
Man hat auch den Eindruck, dass die meisten Menschen mit diesem Überangebot, der Konkurenz und dem Zwang, sich stets vergleichen zu müssen, vielfach überfordert sind.
Früher, zu einfacheren Zeiten, wusste jeder in etwa wo er stand,
konnte zwar nur schwer und selten aus seinem Stand ausbrechen, hatte dafür aber wenigstens einen gewissen Rückhalt und eine Selbstgewissheit, was er ist und wo er hingehört.
Man muss uns heutigen Menschen aber auch zu gute halten, dass die Welt viel komplizierter und die gegenseitigen Abhängigkeiten und Wechselwirkungen viel zu komplex geworden sind, als dass sie noch von einem oder einer kleinen Gruppe allein verstanden und in Frage gestellt werden könnten.
Die Zeiten der einfachen Antworten und Ideologien, wenn es sie denn je gegeben hat, sind ganz einfach vorbei.
Deshalb ist die Schmähung der heutigen Jugend, sie sei zu unpolitisch, phlegmatisch, lustorientiert und desinteressiert, die z.Z. vornehmlich von Alt-68ern ausgestoßen wird, die wie viele Alte, mit der eigenen Endlichkeit konfrontiert, rückblickend eine verklärende und selbstgerechte Bilanz der eigenen heroisch geschlagenen Schlachten ziehen, in dem Glauben, dass mit ihnen die Welt aufhörte sich zu drehen, ebenso ungerecht, wie sie es zu allen Zeiten gewesen ist.
 
Auch wenn ich heute schon zu lange hier rumsurfe und nicht mehr richtig denken kann...

Gebe ich nur teilweise recht. Es scheint mir wirklich so, dass es weniger Zeit gibt. Ich hatte nie die Ehre ein Diplomstudium zu erleben, aber die etwas "Alteingesesseneren" haben schon deutlich miterlebt, dass die Arbeit in den Studienparlamenten deutlich zurück gegangen sind, seitdem es das Bachelorsystem gibt und es selbst auf die Intensivierung des Studiums schieben. Also laut deren Aussagen. Persönlich habe ich nicht viele "Ablenkungen" auser meinem Studium. (OK. Ich habe jetzt 'ne Freundin und hänge hier rum, das ist aber beides erst sehr neu und das gleich geschilderte Problem hat mich schon vorher regelrecht fertig gemacht.)

Studium und Politik machen ist rein zeitlich auf Dauer einfach unvereinbar. Da hilft auch kein Timemanagement, weil der schon mit dem Studium gefüllt ist. Hier rumsitzen, die Politik, meine Freundin ist eigentlich schon zu viel. Nur weil ich deswegen und wegen noch mehr Sachen so unglaublich gefrustet bin, lasse ich lieber den Zug "Studium" abfahren und warte auf meine unsichere Zukunft (auf die ich dann spontan reagieren muss).

Das Problem ist real und das nicht nur bei anderen, sondern auch bei mir.



Die Geschichten, dass damals die Bevölkerung besser mobilisiert werden konnte und vorallendingen (dass ist für mich irgendwie das unfassbare) gerade Arbeiter (obwohl das gleichzeitig der marxistischen Doktrin nach das logischste war), ist für mich auch unbegreiflich.

Meine Vermutung war in dieser Hinsicht, dass ebenfalls die Solidarität und allgemeine Geselligkeit der Menschen abgenommen hat.

Ich meine den Geschichten meines Papas zu urteilen, haben sich die Leute damals nach der Arbeit in der Kneipe getroffen und einen getrunken. Wenn ich so an heute denke, dann ist das garantiert nicht mehr der Fall. Deshalb gibt es auch kaum noch 'richtige' Kneipen. Auch wenn ich ältere (Jugend-und-Revolte-) Filme sehe, dann bin ich auch immer wieder Baff über die Solidarität und Selbstverständlichkeit mit der teilweise exzentrisch-linke Einstellungen toleriert wurden. Gott, selbst wenn ich meine Schwester mich bedauern höre, dass es noch zu ihrer Zeit einfacher war einen Partner in der Disko zu finden, weil jeweils noch um ein Tanz gebeten wurde, dann ist das für mich nur noch eine tolle Phantasiegeschichte, die die Menschen weitaus mehr zusammengebracht hat, als die eher heutigen abgeschlossenen gesellschaftlichen isolierten politischen Cliquen/Gruppen.

Ich habe heute manchmal das Gefühl, dass es mir peinlich sein muss eine Meinung zu haben und politisch zu sein.

Soweit vielleicht zu einer möglichen Entkräftung der geschichtlichen Gegenbelege. Ich weiß selbst nicht mehr was real ist. Darum bin ich glaub auch hier.
 
Vielleicht doch noch etwas.
Zwar haben die Leute damals zeitlich mehr gearbeitet, doch zum Beispiel Quellen zurfolge ("Schwarzbuch Kapitalismus" von Robert Kurz) soll auch die Intensivierung der Arbeit stetig "optimiert" worden sein.
Ich weiß allerdings nicht mehr auf welche Zeit genau der Autor diesen Prozess festgestellt hat oder ob dieser Prozess von den letzten großen Mobilisierungen zu heute noch mal wesentlich stattgefunden hat.

Aber auf jeden Fall kann ich mich an unseren Wirtschaftsunterricht erinnern, wo uns die Lehrerin grinsend beigebracht hat, mit welchen Möglichkeiten die Arbeit intensiviert werden können um dann schwärmerisch von Japan zu erzählen, wo soetwas bis zur Extase weiterentwickelt wird. (Z.B. feste optimierte Zeit- und Bewegungsabläufe, Laufbänder die sich selbstständig hochschalten, wenn der Arbeiter Zeit hatte über die Arbeit zu stöhnen oder sich 1 mm über seinen vorgegebenen Bewegungsablauf bewegen konnte)
 
Zuletzt bearbeitet:

deadwood

Aktives Mitglied
Es scheint mir wirklich so, dass es weniger Zeit gibt.
Schon möglich, aber ich glaube, weitgehend selbstverschuldet.
Es fällt heute eben so enorm schwer, Prioritäten zu setzen, weil es zu viel Rauschen gibt.
Daher stürzt man sich auf zehn verschiedene Projekte gleichzeitig, tanzt auf drei Hochzeiten parallel und hat dann noch midestens fünf Eisen in verschiedenen Feuern.
Ich hatte nie die Ehre ein Diplomstudium zu erleben, aber die etwas "Alteingesesseneren" haben schon deutlich miterlebt, dass die Arbeit in den Studienparlamenten deutlich zurück gegangen sind, seitdem es das Bachelorsystem gibt und es selbst auf die Intensivierung des Studiums schieben.
Ich hatte sie, aber von Ehre würde ich nun wirklich nicht reden.
Rückblickend betrachtet, weitgehend vertane Lebenszeit mit einem Wisch, dessen Erlangung mir weder beruflich noch in meiner sog. Persönlichkeitsentwicklung nennenswerten Gewinn gebracht hat und das, obwohl diesem hightech Land angeblich die Ingenieure fehlen.
Und was diese Bachelor und Master Studiengänge anbelangt, so halte ich das für eine alberne Modeerscheinung, die genau der allgemeinen Orientierungslosigkeit geschuldet ist, die ich vorhin etwas pathetisch als einen Grund genannt hatte, die aber vermutlich auch irgendwann, wenn die erwarteten Wunder nicht eingetreten sind, in der Versenkung verschwinden wird, um dann die nächste Sau durchs globale Dorf zu treiben.
Ein ängstliches Schielen der Universitäten auf Markt und anglo-amerikanisches Bildungssystem, die damit m.E. den Anspruch, den diese Bezeichnung eigentlich im Namen trägt, schon verspielt haben.
Studium und Politik machen ist rein zeitlich auf Dauer einfach unvereinbar. Da hilft auch kein Timemanagement, weil der schon mit dem Studium gefüllt ist. Hier rumsitzen, die Politik, meine Freundin ist eigentlich schon zu viel. Nur weil ich deswegen und wegen noch mehr Sachen so unglaublich gefrustet bin, lasse ich lieber den Zug "Studium" abfahren und warte auf meine unsichere Zukunft (auf die ich dann spontan reagieren muss).
Du darfst das nicht so verbissen sehen.
Wo Interesse und ein Wille ist, da ist auch ein Weg.
Die formale Studiererei ist doch mehr oder weniger ein bürokratischer Akt, den es nur zu organisieren gilt.
Die Geschichten, dass damals die Bevölkerung besser mobilisiert werden konnte und vorallendingen (dass ist für mich irgendwie das unfassbare) gerade Arbeiter (obwohl das gleichzeitig der marxistischen Doktrin nach das logischste war), ist für mich auch unbegreiflich.
Das Proletariat, in dem Sinne derer, die von ihrer Hände Arbeit und im Schweiße ihres Angesichts arbeiten, gibt es in unserer Gesellschaft doch kaum noch, auch wenn der von Rentenpolitikern viel beschworene Dachdecker stets dafür herhalten muss, warum man die Erhöhung der Lebensarbeitszeit (bzw. so gesehen eine Rentenkürzung) keineswegs zulassen darf.
Und ein Großteil der ehemaligen Arbeiterschaft bildet doch längst die Mittelschicht, die, so sie in Lohn und Brot steht, meist ein besseres Auskommen haben, als heute in den Beruf einsteigende Akademiker.
Wofür, ausser für das Einklagen der Wahrung ihres Besitzstandes willst Du die denn noch mobilisieren?
Was wirklich Anlass zur Sorge bereitet, sind die Abgehängten - das sog. Prekariat - die eigentlich, die klassischen proletarischen Berufe, die Dir vielleicht vorschweben, ausüben würden, wenn diese nicht längst in Billiglohn-Länder ausgelagert wären, weil sie zu den Mindestlöhnen, die die Gewerkschaften dafür fordern, hier kaum zu halten sind.
Derzeit kann es sich dieses Land noch leisten, diese zu alimentieren und so den Deckel auf diesem potentiellen Unruheherd zu halten.
Ich fürchte aber, dass kommende Generationen dafür nicht mehr die Mittel haben werden.
Um eine etwaige Vorstellung vom künftigen Konfliktpotential zu bekommen, braucht man sich doch nur die Selbstinszenierung dieser Gangsta u. Gutter Subkulturen wie sie sich z.B. im Liedgut erfolgreicher (Kanak-)Deutsch-Rapper Ausdruck verschaffen, zu Gemüte zu führen oder einen Abstecher in meiner Stadt nach z.B. Neukölln zu machen bzw. seine Kinder auf eine der dortigen Schulen zu schicken.
Meine Vermutung war in dieser Hinsicht, dass ebenfalls die Solidarität und allgemeine Geselligkeit der Menschen abgenommen hat.
Das glaube ich nicht.
Ich glaube auch nicht, dass die jungen Leute von heute (als Mittvierziger, der seine Jugend hinter sich hat, darf ich wohl diesen distanzierten Standpunkt einnehmen) weniger engagiert sind als ihre Vorgänger.
Ihr Engagement und Enthusiasmus ist nur zeitgemäßer, der heutigen Realität angepasster.
Ich für meinen Teil habe z.B. die Welt der Open Source Projekte entdeckt, wobei ich hier nicht nur das Hacken von Programmen meine, sondern darunter auch sämtliche Collaborative Work Projekte, die freie Inhalte für jedermann generieren (sei es Wikipedia, OpenStreetmap, Gutenberg, OLPC, FON etc.) fassen würde.
Es ist einfach unglaublich und phantastisch mit welchem Engangement und Ethos tausende von Menschen global, durch das Internet miteinander verbunden hier Werte völlig ohne ökonomischen Eigennutz schaffen.
Sicher mag eines jeden wesentliches Motiv auch der Wunsch nach Anerkennung sein. Aber das halte ich für völlig legitim, wollen die sich politisch Formierenden ja auch.
In gewisser Weise ist dieses Forum ja auch so ein Zusammenschluss Gleichgesinnter.
Wie kann man deren Idealismus in Frage stellen?
 
Zuletzt bearbeitet:

deadwood

Aktives Mitglied
Na da möchte ich aber jetzt mehr hören.
Was willst du denn jetzt hören?
Es ist beinahe 15 Jahre her, dass ich an der Uni war,
und wie du ja schon angemerkt hattest, zu den Glücklichen gehöre, für die es noch reguläre Diplomstudiengänge und nicht dieses Bachelor/Master-Geraffel gab.
Somit wäre jede Information, die ich dir geben könnte, obsolet.
Mein Tip, besorg dir die Prüfungsordnung für deinen Studiengang und setz dich damit eine Stunde auseinander.
Dann stell anhand der gewonnen Erkenntnis und mithilfe eines aktuellen Vorlesungsverzeichnisses deinen Studienplan zusammen.
Wenn eure Studiengänge aufgrund der chaotischen Planung eurer Fachbereiche nicht studierbar sind, dann beschwert euch beim Dekan oder denen, die das zu verantworten haben.
Da hast du doch einen ersten Ansatzpunkt für eine hochschulpolitische Betätigung.
Das alles, wie das Meiste an den Unis wirkt auf mich jedenfalls wie Bürokratie in ihrer Reinform.
Zu meiner Zeit dort, betrug die Regelstudienzeit gemäß Prüfungsordnung meines Faches 10 Semester, womit sich aber die allerwenigsten zufrieden gaben.
Die große Masse, die nicht bereits auf halbem Wege aufgegeben hatte, genoss die universitäre Bürokratie für ca. 14 Semester.
Laut Auskunft unserer damaligen Professoren war die Aufenthaltsdauer an der Uni auch in deren Studententagen nicht wirklich kürzer.
 

tropus00

Aktives Mitglied
Hey, da bin ich wieder.


Also wie soll ich da anfangen. Es gibt glaub' selbst im linken Spektrum (wo ich kursierte) generell wenig Leute die so denken, weil's eigentlich irgendwie schonwieder total absurd und „Weltverschwörerisch“ ist.


Aber trotzdem ist es einige Male im privaten Zweiergespräch über Perspektiven (kritischer) Politik zum Thema geworden. Es ging darum, dass die politische Beteiligung in der Gesellschaft immer stärker zurück geht. In dem Zusammenhang wurde mit das größte Problem genannt, dass selbst Leute die politisch sein wollen, viel zu wenig Zeit finden dieser Aktivität nachzugehen und es letztlich irgendwann ganz sein lassen - spätestens wenn sie in Familie und besonders in den Beruf eingebunden sind.
Jetzt weiss ich-warum Politik nach wie vor eine Männerdomäne ist, und egal wo auf der Welt- wenn eine Frau es es "wagt" sich politisch zu angagieren-sucht man mit akribischer Genauigkeit nach "schmutzigen Geheimnissen".Es ist schwer genug beides unter einem "Hut" zu bringen. Nichts gegen Väter (4%)!

Neben diesen eher lebenslaufmäßigen Faktoren, die zwar auch strukturell bedingt sind (Denn muss es denn vorallen angesichts der Arbeitslosigkeit sein, dass der Job einen zeitlich und körperlich so beansprucht, dass mensch sich nicht mehr aktiv politisch engagieren kann?), ist meines erachtens sehr offensichtlich, dass selbst heute noch die parlamentarische Politik darauf abzielt „sie zu beschäftigen“. Ich meine damit nicht nur die unverhältnismäßige Gängerlung von Arbeitslosen sich eine Arbeit zu suchen die es garnicht gibt, sondern die Konzentration und Intensivierung von Tätigkeiten in anderen Lebensbereichen.

Nun, was "zählt" ist die Statistik?! oder hab ich da was mit der Poltik falsch verstanden?
"Intensievierung von Tätigkeiten"....
Frage:"was haben Sie zuletzt denn so gemacht?"
Antwort:"ich war als Verkäuferin bei Lidl tätig, ich habe aber auch Qualifikationen als Frisörin, als Kindergartnerin(ect.), ausserdem habe ich......
Antwort :"Schön , melden Sie sich doch bitte bei dem Abteilungsleiter der Firma Aldi, um sich als Verkäuferin zu bewerben !



Als Fallbeispiel nenne ich hierzu in Brandenburg das nachziehen des 12.-Klasse-Abschlusses und allgemein die Einführung des Bachelor-Systems. Beides führt nicht nur gewisserweise zu einer realen Qualitätsminderung von Bildung (so wurde in meinem Studiengang durch den Zeitfaktor und der sich neu ergebenen Konkurenzsituation der Studiengang inhaltlich als auch strukturell vereinfacht), sondern auch zu immer weniger Freizeit in denen man sich anderweitig Beschäftigen oder Weiterbilden kann.
Ich hab mich schon immer gewundert wie man es als "Bildung" bezeichnen kann wo man sich seine Fächer zusammen stellen kann! Eureka- ich hab keine Ahnuhg , aber davon jede Menge !

Was die Gängelung von Arbeitslosen angeht, kann hierzu die Hartz I-IV-Reform genannt werden. Ich habe zwar damit keine Erfahrung, aber soweit ich weiß, werden arbeitslose penetrant dazu angehalten sich einen Job zu suchen: Nicht zuletzt durch Kontrollanrufe und glaub' ich durch ein mindestsoll an verschickten Bewerbungen und angenommenden Bewerbungsgesprächen welche angeboten werden.Ich meine natürlich ist es „ehrenwert“, dass einem aus einer allgemein schlechteren Situation (angeblich) geholfen werden soll. Aber die Tatsache ist doch, dass es real einfach nicht genug Arbeitsplätze gibt und bei Ablehnung derartiger 'Beschäftigungstherapien' (denn das ist es doch, wenn es keine Jobs gibt!) zu weiteren finanziellen Kürzungen führt.
Anstatt zu helfen , werden zusätzlich "Steine in den Weg gelegt!"

Aber wenn mensch schwierigkeiten hat überhaupt über die Runden zu kommen, dann kann mensch auch keine Politik machen oder sich sonstwie Beschäftigen bzw. weiterbilden. Hinsichtlich dieser Unfähigkeit zu politischen Auseinandersetzung, kann auch das Demokratieprinzip nicht funktionieren. Da bringt dann keine noch so hohe Diät in diversen Gremen den Arbeitslosen nichts. Denn bis er dahin kommt, ist der garantiert schon verhungert.
Die wichtigste Demokratieprinzip ist die Erziehung zur Selbstdisziplin, wie soll ich diplomatisch und den Regeln der Demokratie nach handeln- wenn es keine Vorbilder gibt?und ich sie schlicht nicht kenne?

Zum zweiten seien die 1-Euro-Jobs zu nennen, welche nicht nur einen jeden Mindestlohn beinahe kritiklos manifestieren, sondern auch die Leute dazu nötigt sich teilweise sehr sinnlos zu beschäftigen und eben weniger Zeit für andere Sachen zu haben.


Zwei Beispiele die eventuel eine Sache belegen könnte:


Die parlamentarische Politik führt dazu, dass Menschen immer mehr total beschäftigt werden, so nicht mehr auf „dumme“ Gedanken kommen und so den gegenwärtigen Status Quo beizubehalten.
" Wo kein Kläger- da kein Richter"

Zu Status Quo zählt auch, jede Form von weiteren Schweinerein politisch ungeschoren und ungestört durchsetzen zu können.

"Wenn sich alle einig sind, kann man jedes System stürzen"


Ich meine dabei nicht, dass in den Parlamenten Leute sitzen und sich überlegen wie sie die Bevölkerung still halten. Viel wahrscheinlicher sind sie in anderer Hinsicht viel pragmatischer und glauben sogar etwas gutes zu tun.
Das möchte ich glauben und Hoffen.

Was ich damit meine wäre z.B. die Arbeitslosen aus kriminalogischer Sicht zu beschäftigen und indem man ihnen das Gefühl gibt, dass sich jemand um sie kümmert. Oder im Sinne des Bildungssystems, dass die Leute selbst früher Geld verdienen können und um mit dem früheren Arbeitseintritt eine gewissen wirtschaftlichen Vorteil zu erringen. Vielleicht geht’s aber auch einigen tatsächlich darum die Leute still zu halten.
80% fragen nicht - warum? - Aus Angst, Desinteresse, um einfach ihre "Ruhe" zu haben oder einfach weil die Bildung fehlt und die Übersicht.
Denn zu Fragen ist Anstrengend , man muss sich damit Ausseneinander setzen ! So lange es mir doch gut geht,... ist doch klasse!





Was denkt ihr zu diesen Ansichten. Sind sie (die Ansichten) bzw. bin ich zu paranoid oder steckt da „System“ hinter?
Der Einfacheitshalber hab ich meine "dunkle Vermutungen" dazwischen preissgegeben. Es ist kein Angriff dem Author gegenüber,sondern vielmehr verbirgt sich dahinter Ironie und Sarkassmus.
Ich denke auch in ähnlicher Richtung, und noch Kritischer,aber nicht abwertender.Weder die Diktatur noch das Kastensystem halte ich für Lebensgeeignet. Die Demokratie hält Möchlichkeiten offen , die andere Systeme nicht zu lassen.(Ohne Blutvergiessen)

mfg

tropus
 

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