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Dissoziale Persönlichkeitsstörung

Hallo Ghul,

Du drückst Dich sehr gewählt aus, und vermagst offensichtlich sehr treffend Dein Manko zu beschreiben:

Als würde man nur noch stumm schreien können obwohl man weiß, dass dabei eigentlich Laute zur Kommunikation entstehen müssten.


Dabei sind mir zwei Dinge auf Anhieb eingefallen: Der Schrei Edvard Munch, 1910

Das Bild, was ein Gefühl beschreibt, und dennoch stumm bleiben muss, weil es ein Gemälde ist.

Wenn Du Bilder im Allgemeinen als betrachtungswert erachtest, könntest Du probieren Dein fehlendes Gefühl in Bildern zum Ausdruck zu bringen; kreativ mit dem Manko ( durch Malen) umzugehen.

Andere Möglichkeit: Gebärdensprache. Dich damit beschäftigen: Dort gibt es keine Worte, aber jede Menge Gebärden ( die für Worte stehen), die Emotionen zum Ausdruck bringen, und für eine sehr lebendige Sprache stehen.

Beides: die Malerei, als auch die Gebärdensprache sind selbstständige Ausdrucksformen eines Mankos Laute von sich geben zu können.

Also zu schreien, Gefühle zu zeigen - falls es Dich anspricht, würde mich interessieren, wie es Dir dabei ergangen ist, wenn Du eines/ beides davon mal ausprobiert hast.

Es ist eine Vermutung, und keine bewiesene Tatsache, dass die beiden Dinge Potenzial haben könnten, Dir aus dem Mangel an Gefühlen zu helfen.

Viele Grüße
 
Hallo Ghul, vorweg, ich stehe den Diagnosen „Persönlichkeitsstörung“ (PS) sehr kritisch gegenüber. Außer der Borderlinestörung sind die anderen wohl nur vage und wissenschaftlich nicht überprüfbare Störungen. Das ganze Konzept wird von Experten sehr in Frage gestellt. Bin kein Experte aber ein kritischer PAtient.

Bevor es übrigens eine Persönlichkeits-STÖRUNG ist, also eine Krankheit, gibt es noch die Stufe der Persönlichkeitsakzentuierung. Da sind die Merkmale, wie man sie bei der Störung finden zwar vorhanden aber schwächer ausgeprägt, ein Charakterzug halt und keine Krankheit und es wird auch keine Krankheit draus. Außerdem wurde sich bei der Festlegung wo Krankheit beginnt und Akzentuierung aufhört, an gesellschaftlichen und sozialen Normvorstellungen orientiert, sprich, wer stark aus dem Raster des Normalen fällt, ist krank. Das halte ich für falsch. Wunderliche und auffällige Menschen sollen so sein dürfen, wie sie sind. Man könnte sonst auch allen die an UFO-Erscheinungen glauben, eine Krankheit andichten. Typisch für PS ist, dass der Betroffene kaum Krankheitseinsicht hat und nicht an der Krankheit leidet, sondern an seinen Mitmenschen zu leiden glaubt.

Auf dich trifft doch so gut wie nichts einer dissozialen Persönlichkeitsstörung zu, es sei denn, du hast uns verschwiegen, wie kriminell, verantwortungslos, gesellschaftsschädlich du dich bisher benommen hast. Schon allein dass du dafür Sorge trägst, dass niemand unter deinem Verhalten zu leiden hat, katapultiert dich aus der Zone einer dissozialen PS und widerspricht vollkommen der Definition dieser. Es reicht übrigens nicht, nur ein Symptom aus der Kriterienliste zu zeigen um eine zu haben. Keinen Zugang zu seinen Gefühlen haben kann viele Ursachen haben und dass du deine Gefühle vermisst spricht eher gegen eine PS, da würde dir das überhaupt nicht auffallen.

Ich würde die Therapeuten feuern, die dir das an den Hals gehängt haben und noch mal bei null anfangen. Außerdem würde ich mir so eine Diagnose nicht freiwillig an die Backe kleben, denn dann musst du auch akzeptieren, dass es heute noch keine geeignete Therapie für dich gibt. Die wurde nämlich für die Dissoziale noch nicht erfunden. Solange du niemandem auf kriminelle Art schadest und nicht selbst darunter leidest, darfst du also leben wie du bist. Wenn du darunter leidest dann entscheidest nur du allein, was und ob du es ändern willst.

Auf mich wirkt dein Problem eher als: Hilfe, habe keinen Zugang zu meinen Gefühlen, wie kann ich das ändern. Dafür gibt es gute Therapien. Das du 5 Jahre erfolglos Therapie gemacht hast, zeigt für mich eher, dass hier Diagnose und Therapiekonzept nicht zu deinem Problem gepasst haben. Nach meinen Erfahrungen lohnt es sich, darauf zu achten, ob das Therapiekonzept (neben der Chemie zwischen dir und dem Therapeuten) auch zum Problem und zu dir passt und wenn nicht, dann eben weitersuchen und selber kritisch mitdenken. Und wenn sich nach mehrern Woch gar nichts tut, wäre ich auch schon weg.

P.S. herzlichen Glückwunsch zur Geburt deiner Tochter!
 
Erstmal danke für die Antworten. Zuerst zu dir Gast. So gut ich deine kritische Haltung gegenüber Psychologen verstehe, so sehr muss ich jedoch feststellen, dass du das Ausgangsthema nicht richtig gelesen hast.

Ich befolge Regeln und Gesetze weil die Konsequenzen aus der Missachtung den Nutzen der Überschreitung übertrifft. Das bedeutet nicht, dass ich Respekt oder gar Verständnis für diese Grenzen habe.

Ich versuche nicht aus Mitleid das Verletzen von Menschen zu vermeiden, sondern um mein Schauspiel zu perfektionieren. Je besser ich darin bin umso mehr Möglichkeiten bieten sich mir im Leben.

Und Ben Salah:

Der Tip mit der Kunst ist interessant. Jedoch müsste ich eine Möglichkeit finden dies zu tun ohne mein Umfeld misstrauisch zu machen.
 
Hallo Ghul,

etwas tun, ohne Dein Umfeld misstrauisch zu machen?

Das klingt mehrdeutig.

misstrauisch im Sinne von: sie sollen es nicht wissen?

misstrauisch im Sinne von: was denken sie, warum ich das tue?

misstrauisch im Sinne von: was malt er da bloß für bilder?

naja...

der weg ist ziemlich klar, wenn es um die malkunst geht.

wenn du es diplomatisch machen willst, und schauspielerisch zur höchstform auflaufen möchtest, brauchst du nur beiläufig für ein bild oder mehrere bilder zunächst schwärmen...

irgendwann , nach 2- 3 monaten ( wenn du unregelmäßig geschwärmt hast), kannst du dann sagen, dass dich manches fasziniert, und du dich näher damit beschäftigen möchtest.

du kannst dann museen und ausstellungen, usw. aufsuchen; und weiter davon schwärmen.

und irgendwann sagst du dann ( im umkreis deiner familie/ freundes- und bekanntenkreises): ich möchte das jetzt selber mal probieren:

dann kannst du das ganz offiziell geduld und anerkannt machen, weil die personen sich an dein verhalten/ deine faszination dafür gewöhnt haben.

und dann gibt es die möglichkeit, dies per computer-bildprogramm zu machen, oder malen richtig als kunsthandwerk über bücher oder schulungen zu machen; oder selber wild darauf los zu malen.

je nachdem, welche ansprüche du an dich und deine ausdrucksfähigkeiten stellen wirst.

eine staffellei, ölfarben, kohle, etc... - wie eben das malen so ist- eine große vielfalt.

und für den fall, dass deine bilder gewalt ( also unausgesprochene gewalt ) darstellen würden, kannst du immer noch intellektuell gut argumentieren, welche gründe/ impulse es dafür gab, dies zu formulieren - du musst somit niemanden die wirkliche intention dahinter offenlegen... 😉
--------

zu möglichkeit 2 mit der gebärdensprache:

im grunde der gleiche trick, durch irgendein buch, was du mal gefunden, von gehört, oder per zufall in einer bibliothek, oder dem internet gefunden hast... das gleiche spiel... der gewöhnung...

und schon bist du irgendwann auch die person, die das auch ganz offiziell darf ( also, dass die personen in deinem umfeld mit deiner interessenveränderung gut umgehen können; sich entsprechend dran gewöhnen könnten)


--

viel glück bei deinen umsetzungsgedanken.

ich schau sicherlich der neugierde wegen, ab und zu mal hier rein...und wenn ich dann was lese, dass da was passiert ist bei dir- würd mich brennend interessieren, wie das so auf dich gewirkt hat 🙂

viele grüße ,

ben 🙂
 
Hallo Ben-S,

ich habe die Feststellung gemacht, dass größere/auffälligere Veränderungen im Wesen oder Verhalten eines Menschen immer die Neugierde anderer Personen wecken und somit zur Hinterfragung von bekannten Informationen führen.

Das würde wieder bedeuten mehr Aufwand betreiben zu müssen um das Bild, welches man in den Köpfen der Anderen von sich geschaffen hat aufrecht zu erhalten.

Ich werd mir deine Vorschläge bei Gelegenheit mal durch den Kopf gehen lassen.
 
Ich frage mich immer wieder ob wir nicht alles, was nicht unserer Norm entspricht als Krankheit bezeichnen. Statistisch gesehn ist jeder Mensch im Leben einmal psychisch krank. Damit meine ich keine Trauer aufgrund von Verlusten, sondern laut der Psychologie "richtig" krank. Da stellt sich doch die Frage, ob da Krankheit die richtige Bezeichnung ist.
körperliche Krankheiten lassen sich nachweißen und begründen. Psychische Krankheiten sind immer sehr schwammig und nicht immer 100%ig einzuordnen. Gerade bei Persöhnlichkeitsstörungen finde ich das doch sehr gewagt.

Bsp: Ich bin ein Einzälgänger, soziale Kontakte sind für mich eine starke Anstrenung, ich sehne mich nicht nach sozialen Kontakten und meide sie, empfinde sehr selten Freude, kann nciht mit Lob und Kritik umgehen, wirke gleichgültig, flirtunfähig, distanziert, misstrauisch usw. Früher nannte man das einen Eigenbrötler. Er ist halt ein bischen anders, heute nennen wir das Schizoide Persönlichkeitsstörung und bezeichnen es als Krankheit. Ist es das?

Anderes Beispiel: Vllt hat es jemand mitbekommen. Ein Shizophrener hat in einem Wahn seinen Vater getötet und ist nach 2 Jahren aus der Klinik gekommen mit dem Befund er sei geheilt. Dann schrieb er ein Buch, welches seine Tat und seinen Wahn beschreibt.
Meine Frage wäre: Angenommen ein Massenmörder, verblendet durch eine Ideologie (zB NS) behauptet er habe im Wahn gehandelt bzw. spielt einen Wahn vor. War er dann krank?

Sry für Offtopic 😀
 
Ich frage mich immer wieder ob wir nicht alles, was nicht unserer Norm entspricht als Krankheit bezeichnen. Statistisch gesehn ist jeder Mensch im Leben einmal psychisch krank. Damit meine ich keine Trauer aufgrund von Verlusten, sondern laut der Psychologie "richtig" krank. Da stellt sich doch die Frage, ob da Krankheit die richtige Bezeichnung ist.
körperliche Krankheiten lassen sich nachweißen und begründen. Psychische Krankheiten sind immer sehr schwammig und nicht immer 100%ig einzuordnen. Gerade bei Persöhnlichkeitsstörungen finde ich das doch sehr gewagt.

Bsp: Ich bin ein Einzälgänger, soziale Kontakte sind für mich eine starke Anstrenung, ich sehne mich nicht nach sozialen Kontakten und meide sie, empfinde sehr selten Freude, kann nciht mit Lob und Kritik umgehen, wirke gleichgültig, flirtunfähig, distanziert, misstrauisch usw. Früher nannte man das einen Eigenbrötler. Er ist halt ein bischen anders, heute nennen wir das Schizoide Persönlichkeitsstörung und bezeichnen es als Krankheit. Ist es das?

Anderes Beispiel: Vllt hat es jemand mitbekommen. Ein Shizophrener hat in einem Wahn seinen Vater getötet und ist nach 2 Jahren aus der Klinik gekommen mit dem Befund er sei geheilt. Dann schrieb er ein Buch, welches seine Tat und seinen Wahn beschreibt.
Meine Frage wäre: Angenommen ein Massenmörder, verblendet durch eine Ideologie (zB NS) behauptet er habe im Wahn gehandelt bzw. spielt einen Wahn vor. War er dann krank?

Sry für Offtopic 😀

Hallo,

ich bin ebenso eher der Eigenbrötler. Heute soll es wieder mehr davon geben, als vor 30 Jahren. Für mich sind soziale Kontakte ebenso mehr anstrengend, obwohl ich nicht "keine" habe. Ich halte es für einen Eigenbrötler normal, wenn er nicht gerade ein Flirtgenie ist, bei mir z.B. ist es so das ich (aus meiner Sicht) sehr gut flirten kann, es aber vermeide, da ich auch schließlich keine kennenlernen will, sonst würde sich mein Eigenbrötlerleben ändern, was ich wiederum nicht will. So wirke ich gewiss, verklemmt oder gehemmt, auch distanziert und misstrauisch auf andere.

Die Frage zur gehaltenen Krankheit ist sehr komplex. Wenn wir von gesund sprechen, meinen wir einen gesunden Körper, aber auch mit einem gesunden Geist/Verstand, das ist allerdings eine menschliche Auffassung. Hier wird ein massentaugliches Ideal als Vorbild genommen.

Wenn (als Beisspiel) Peter aber sich anders verhält als die Meisten, er lebt allein, kleidet sich dunkel, verdeckt sein Gesicht mit einer Schirmütze, kommt nur selten ans Tageslicht, man sieht ihn immer nur allein, dann denken die Meisten das mit ihm etwas nicht stimmen kann.

Und sie haben auch recht, insofern er lieber allein ist. Aber wie schlimm ist denn das, er tut doch keinem weh.? Das lässt sich aber auch in der Geschichte nachverfolgen, Eigenbrötler wurden nie geselschaftlich anerkannt. Es gibt auch viele berühmte Eigenbrötler, z.B.: Van Gogh, und der Komponist Brahms, J.S.Bach würde ich auch dazu zählen wollen, hier ist es aber Ansichtssache.

Nun, um nochmal auf das Wort Krankheit im Geist/Verstand zurück zu kommen, auch da ist es Interpretationssache was man für Abnormal, also "krank" hält. Die Definition übernimmt hier die Masse, das was eben von der Masse (dem Volk) als krank oder noch normal gehalten wird.

Deshalb sind schwule oder lesben, auch allgemein (so weit ich weiß) eine Menge absurder Sexualitäten völlig normal, also gesund. Das das männliche Kind, welches mit zwei Männern aufwächst sich fragen muß: "Welcher von Beiden hat mich denn geboren und wo ist meine Mutter und stimmt etwas mit mir nicht wenn ich mich zu Mädchen hingezogen fühle?", ist also völlig normal.

Schwierig wird es dann nochmal, wenn genug Leute dafür sorgen sich mit Tieren verheiraten zu können, sie lieben sich schließlich. Also muß die breite Masse nur beklopt genug sein, damit der normale Typ von Nebenan, als unnormal bezeichnet werden kann.

Was die Frage zum SS Massenmörder betrifft, welcher einen Wahn vortäuscht, ob dieser nun krank ist?: Aus meiner Sicht ganz klar jein. Denn er handelt im völligen Bewusstsein. Er ist also nicht direkt krank, hat also keinen Wahn. Nur das seine Ideologie "krank" ist (in dem Fall würde man wohl eher irrsinnig sagen), und er so blöd ist und dieser tatkräftig folgt.

Allerdings wenn man den Geist (im Sinne von Verstand) betrachtet kann man getrost das Wort krank verwenden, wenn jemand solche Handlungen für richtig und gut hält.

Manchmal denke ich es müsste mehr Wörter geben, welche auch aktuell gebraucht werden, denn es gibt in der deutschen Sprache wesentlich mehr Wörter, welche allerdings Heute keiner mehr gebraucht.

Gruß,
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Ghul ( hier Ex Ben.S.)...,

und hast Du mal probiert etwas mit der Kunst oder ähnlichen Dingen? Fortschritte gemacht?

LG

David B. ( Ben-S.)
 
Hallo Zusammen,

wie der Titel schon besagt bin ich stolzer Besitzer einer dissozialen Persönlichkeitsstörung.
Im Unterschied zu normalen "Soziopathen" ist diese Störung bei mir meines Wissens nach aber nicht bereits seit der Geburt mein Begleiter.
Ich glaube mich an eine Zeit erinnern zu können als Emotionen und Gefühle noch Teil meines Lebens waren. Vielleicht täusch ich mich da aber auch einfach nur.

Jedenfalls bin ich mir meiner Leere bewusst, was es aber nicht leichter macht damit umzugehen. Eher im Gegenteil. Da ich mir dem fehlen von Gefühlen bewusst bin ist das durchaus eine Belastung. Als würde man nur noch stumm schreien können obwohl man weiß, dass dabei eigentlich Laute zur Kommunikation entstehen müssten.

Nun meine Frage. Wie sollte ich am sinnvollsten damit umgehen?

Therapiemöglichkeiten erachte ich als nicht besonders sinnvoll. Zumindest waren die letzten 5 Jahre Therapie reine Zeitverschwendung.

Vielen Dank schonmal

Hey, bist du dir wirklich sicher, dass du daran leidest? Diese Störung scheint nicht ganz deiner Beschreibung zu entsprechen. Und bedenke, dass sich Psychiater auch öfters mal irren. Vielleicht leidest du "lediglich" an einen Empathie-Mangel, der zb. durch eine Depression verursacht wurde? Ich will und kann dir aber keine Ferndiagnose bieten. Ich wollte dir damit nur sagen, dass so ein Gefühlsverlust viele Ursachen haben kann. Nur du selbst kannst mit Hilfe eines kompetenten Fachmanns heraus finden, warum dieser Zustand eingetroffen ist und so lange anhält.
 
Hallo nochmal,


ohne Aufwand zu investieren wird man nichts ernten können, weder eine Veränderung noch sonst irgendwas, ob nun geistlich oder körperlich.

...das wollte ich noch hinzufügen...

F
 

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