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Dies und das

Schutzhuette

Aktives Mitglied
Ich hatte heute Mal wieder einen Termin bei meiner Therapeutin. Sie begleitet mich schon einige Jahre und hat mich so ziemlich durch alles hindurch begleitet.
Zur Zeit ist es bei mir in meinem Leben ziemlich ruhig, was sich nach all den Jahren richtig gut anfühlt, mal abgesehen von den zwei Klausuren die nächste Woche anstehen.
Jedenfalls haben wir dann über Lernstrategien gesprochen und kamen im Zuge dessen auf das Thema Achtsamkeit. Und dann wurde es plötzlich doch sehr schwierig. Ich sagte ihr, dass ich so klassische Körperübungen eher vermeide, also sowas wie: wie fühlt sich mein Körper gerade an. Ich tue dies, weil ich immer Angst habe, dass dann Gefühle wie Ekel oder Scham aufkommen und dadurch dann eine Brücke zu meiner Vergangenheit geöffnet wird. Wir haben dann mehr oder weniger über sehr intime Dinge gesprochen und ich habe gemerkt, dass ich auf ihre Fragen immer mit einem richtig blöden Grinsen im Gesicht reagiert habe, so, als würde ich mich darüber lustig machen. Ich wollte das gar nicht, aber ich konnte auch irgendwie nicht anders.
Wir haben gerade erst neue Stunden von der KK genehmigt bekommen und sie fragte mich, ob ich dieses Thema bearbeiten wollen würde. Sie glaubt, es könnte mir etwas Lebensqualität zurück geben.
Ich persönlich habe mich längst damit abgefunden und arrangiert. Ich vernachlässige meine Körperhygiene nicht, dusche aber zB. stets nur schnell, nach wie vor mit Handschuhen, Creme mich nicht ein, weil ich Angst vor dem Gefühl habe. Das betrifft aber nur den Körper, mein Gesicht nicht. Allein der Gedanke, mir da mehr Zeit zu lassen, oder ohne Handschuhe Haut auf Haut zu spüren, löst in mir bereits eine Blockade aus.
Mir ist bewusst, dass das alles sicher nicht normal ist. Das war ja früher bei mir auch nicht so. Aber im Grunde denke ich, dass ich dadurch keinen Leidensdruck habe, mich das nicht wirklich einschränkt. Das jetzt zu verändern oder doch nochmal da ins Trauma zu gehen, schreckt mich etwas ab. Ich muss auch sagen, dass ich das jetzt gar nicht so schlimm finde. Meine Therapeutin findet es eher schade, aber es ist im Grunde ja mein Leben und nicht ihres. Sie hat es mir jetzt bis zum nächsten Mal offen gelassen, ob ich das verändert wissen will oder nicht. Ich bin mir da einfach nicht sicher... Möchte ja auch kein "Alien" sein. Ich mache mir jetzt aber Gedanken, ob ich deshalb vielleicht eines bin, wenn ihr versteht was ich meine?
 

Hallo Schutzhuette,

schau mal hier: Dies und das. Hier findest du vielleicht was du suchst.

Du bist kein Alien. Du hast eine Trauma und das ist eine Bewältigungsstrategie.

Ich kenne ähnliches von meinem Trauma durch Mobbing.

Ich würde dir aber auch wünschen, dass du es schaffst dich wieder selbst anfassen und ohne Einmalhandschuhe duschen zu können. Es ist doch dein reiner Körper.
Für mich ist das inzwischen völlig normal geworden. Daher schränkt es mich ja auch nicht wirklich ein. Und es bekommt ja auch niemand mit. So nah lasse ich ja keinen mehr in mein Leben, dass sich daran vielleicht jemand stören könnte.
Dass das im Grunde eine Überlebensstrategie ist, ist mir auch bewusst. Ich denke mir aber, dass es da deutlich "schlimmere" gibt.
Ich bin mir nicht sicher, ob meine Therapeutin denkt, ich finde das alles irgendwie "witzig". So ist es ja nicht und ich verstehe ihre Gedanken auch gut. Ich meine, das war ganz früher ja auch nicht so bei mir.
Das vielleicht ein wenig verbessert zu bekommen, zumindest die Angst vor unangenehmen Gefühlen wenn ich nur gedanklich "zu nah" bei meinem Körper bin, das könnte mir ja vielleicht schon manches leichter machen. Gerade zB. im Hinblick auf mein Training. Aber was wäre der Preis?
 
EMDR ist nicht so schlimm, wie man oft denkt. Es kommt natürlich auf den richtigen Zeitpunkt an. Habe auch EMDR gemacht. Trimb hat bei mir aber besser funktioniert. Hab da keine Angst. Im Idealfall bist du in guten Händen.

Mich kostet es im Prinzip nichts, außer dass ich manche Übungen im Training nicht mitmache und mir ständig Handschuhe kaufen muss.
 
.So nah lasse ich ja keinen mehr in mein Leben, dass sich daran vielleicht jemand stören könnte.
Willst du daran eigentlich nochmal arbeiten? Oder ist das so dermaßen weit weg, dass es sowieso gar nicht vorstellbar ist?

Dann könntest du als ersten Schritt dahin tatsächlich daran arbeiten, dich selbst wieder in dein Leben zu lassen. Sich selbst nicht anfassen zu können ist ja ein Symptom für eine gestörte Beziehung zum eigenen Körper.

Wenn du allerdings sagst (was du ja sagst), dass du keinen Leidensdruck dabei hast, zum Beispiel mit Handschuhen zu duschen, kannst du dich natürlich mit deiner Therapeutin auf Baustellen konzentrieren, die dir dringlicher erscheinen.
 
Ich habe eben Angst vor einer Retraumatisierung und einer Verschlechterung meiner Symptomatik und so in der Art habe ich es bei dir auch verstanden, dass du Angst, dass es nicht funktioniert dich dem zu stellen und es dir dann wieder schlechter geht. Oder habe ich das falsch aufgefasst?

Findest du das Material der Einmal-Handschuhe nicht unangenehm?
Ja, doch genau diese Angst habe ich auch. Gerade weil es mich wahnsinnig viel Kraft gekostet hat, mich da raus zu kämpfen. Allein der Gedanke, da nochmal in diesen dunklen Brunnen hinab steigen zu müssen...

Diese Handschuhe sind jetzt nicht besonders angenehm aber sicher das kleinere Übel.
 
Willst du daran eigentlich nochmal arbeiten? Oder ist das so dermaßen weit weg, dass es sowieso gar nicht vorstellbar ist?
Nein, das möchte ich nicht. Es ist gut so, wie es ist.
Und ja, es stimmt schon, dass ich da ein eher schwieriges Verhältnis zu mir selbst habe. Ich finde mich nicht hässlich oder so oder hasse mich oder sowas, aber ich habe eben Angst vor dem Gefühl von Haut auf der Haut. Insbesondere Hände auf der Haut und dem Gefühl von Ekel und dass dadurch dann eben wieder eine Brücke geöffnet wird...

Im Kontext Training versuche ich das auch meist zu vermeiden, wobei es da auch irgendwie anders ist, weil ich da ja angezogen bin. Ich weiß nicht ob das halbwegs verständlich rüber kommt?
 
Hallo!

Ich denke mal, ganz wichtig ist die Frage, wie stark dein Leidensdruck derzeit ist wegen der Dinge, dei seelisch nicht gehen wie eben Duschen ohne Handschuhe. Und wie groß die Sorge, dass es dir, wenn gezielt in diese Richtung therapiert wird, dann eher schlechter gehen wird. Und wie lange.

Im Moment liest es sich für mich so, dass der Leidensdruck daher zumindest bewusst nicht sehr hoch ist. Und komisch ist das sowieso nicht, denn du bewältigst damit eben Dinge deines Traumas. das muss vor allem für dich stimmig sein.

Vielleicht ändert sich das auch mal und du willst es eher angehen und hast weniger Zweifel? Auf alle Fälle - auch das ist ja bei Trauma sehr wichtig - hast DU die Kontrolle und DU entscheidest, ob das für dich ein Ziel in der Therapie ist oder nicht. Du bestimmst das.

Alles Gute!
 
Vielleicht ändert sich das auch mal und du willst es eher angehen und hast weniger Zweifel? Auf alle Fälle - auch das ist ja bei Trauma sehr wichtig - hast DU die Kontrolle und DU entscheidest, ob das für dich ein Ziel in der Therapie ist oder nicht. Du bestimmst das.
Hi,
ja da hast du absolut Recht und meine Therapeutin überlässt das auch komplett mir selbst. Ich habe jedenfalls nicht das Gefühl, dass sie mich da in irgendeine Richtung drängen will.
Das mit der Kontrolle ist ja eine wirklich komplexe Sache. Ich habe eine ganze Zeit lang auf oft sehr befremdliche Weise versucht wieder etwas Kontrolle in mein Leben zu bringen. Oft durch viel Kopfarbeit. Ich will nicht sagen, dass das heute gar nicht mehr so ist, aber durch das Training das ich in mein Leben integriert habe, habe ich inzwischen eine ganz andere Art von Kontrolle (wieder) gewonnen.
Neulich musste ich wieder durch den Hauptbahnhof und da kam mir schon von weitem ein großer Typ entgegen. Er lächelte mich an, als ob wir uns kennen würden und lief sehr gezielt auf mich zu. Ich war unsicher, ob ich vielleicht einfach nur verpeile ihn zu kennen und blieb dann zwei Meter vor ihm stehen und fragte ihn, ob wir uns kennen... Er kam sofort sehr, sehr nah, sagte nein noch nicht... Und da habe ich mich ganz automatisch in eine gute Position gebracht, meinen Körper in Struktur gebracht und war innerlich "bereit". Ich habe dann einfach nur Nein gesagt und ging an ihm vorbei. Und er hat sofort abgelassen. Das war ein wirklich gutes Gefühl von "Kontrolle". Früher hätte ich mich in ein Gespräch verwickeln lassen und wäre da ggf. nicht mehr gut rausgekommen. Das zu spüren, also nicht nur in der Theorie zu durchdenken, war wirklich ein toller und großer Moment für mich.
Und vielleicht finde ich ja irgendwann auch in dieser Sache einen Weg, der mir da neue Möglichkeiten eröffnet, ohne dass ich nochmal an diesen dunklen Ort zurück muss.
 
Manchmal reagiert man mit Lachen, weil einem eigentlich eher nach Weinen ist, oder vielleicht ist es eine Schutzreaktion die mit dem Gefühl Scham einhergeht. Ich denke mir deiner Therapeutin ist sowas nicht fremd, und wenn sie sowas mitbekommt ist das für sie nicht befremdlich vermute ich.
Das du vielleicht nicht so ein inniges Gefühl zu dir und deinem Körper aufbauen konntest hat bestimmt seine Gründe, es ist trotzdem eher gut es einfach wahrzunehmen, ohne es als gut oder schlecht zu bewerten. Wenn der Wunsch da ist etwas mehr Zugang zu dir selbst wieder zu finden, würde ich dir kleine, kleine liebevolle Schrittchen empfehlen.
Und immer wieder gut mit dir sein!
Das sage ich mir auch immer wieder selber!
 

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