Hallo TE,
Du hast recht. Offenbar bist Du sowohl sehr intelligent als auch sehr sensibel. Diese Gaben in Kombination sind nicht nur ein Geschenk, sondern lassen einen die Probleme der Welt, die Gefühlskälte, den Egoismus, die Ausbeutung und die Doppelmoral erstens glasklar identifizieren und zweitens selbst miterleiden.
Den einzigen Rat, den ich Dir geben kann, ist, es wie alle zu machen: Eine kleine, heile Welt im Kleinen erschaffen mit guten Freunden und oder der Familie und die eigenen Antennen auf die Liebe und das Miteinander der Menschen ausrichten (im Kleinen gibt es das tatsächlich) und sich daran das Herz wärmen und ein bisschen größere Scheuklappen entwickeln bzw. das Mitleiden aufgeben.
Es kann kein einzelner Mensch die Leiden der Welt auf seinen Rücken nehmen. Auch Du nicht. Wenn Du für jedes Pferd und jedes geprügelte Kind und jedes Kriegs- und Hungerkatastrophen-Opfer mitleidest, wie kann Deine Welt etwas anderes werden als die Hölle?
Und da hast Du auch schon eine Antwort auf die Frage, warum sich so viele Menschen nur um ihren Kram scheren - weil man ja verrückt würde, halste man sich jedes Problem anderer auf.
Deinen Weg musst Du selbst finden. Ich wünsche Dir, dass es kein extremer Weg, sondern ein Mittelweg wird, bei dem Du Dir das Recht herausnehmen kannst, auch Deine Wünsche zu hören, Dein eigenes Leid erfahren und Deine eigene Freude zuzulassen und auf der anderen Seite etwas weniger taub dem Unglück anderer gegenüber zu sein, als vielleicht andere Menschen.
Die Welt braucht Menschen mit Deinen Gaben, Deine klare Sicht der Dinge und Deine Sensibilität dafür, weil es Menschen wie Du sind, die anderen Menschen Verständnis und Liebe beibringen können, wenn sie sich nicht vom Elend der Welt kaputt machen lassen. Die Welt verändern funktioniert im Kleinen, und dafür brauchen wir Menschen wie Dich.
Aber es kann nicht Deine Aufgabe sein, die ganze, große Welt zu verbessern. Deshalb kann es auch nicht ganz allein Dein Job sein, für alles und jeden mitzuleiden. Jetzt im Moment ist es Deine Aufgabe, in der Welt die Liebe und das Füreinander zu finden, von denen Du glaubst, dass sie sie nicht gibt und zweitens zuzusehen, dass Du Deine Intelligenz und Deine Sensibilität für Dich und vielleicht andere positiv einsetzen kannst, anstatt Dich von dieser seltenen Kombination langsam auffressen zu lassen.