Mittlerweile gehen wir nahezu wie Bruder und Schwester miteinander um. Ich kümmere mich um ihre Finanzen, ihre Termine, sorge mich um sie wenn mal krank ist, wir gehen selten spazieren, ich fahre gern Motorrad - sie hat Angst davor, ich mag einsame Natur, sie findet das langweilig, hängt lieber mitten im Gewimmel der City ab.
Ich mochte mal an ihr das sie so unkonventionell erschien, wie ich es zum Teil selbst auch bin. Ihr Lachen ist ein großer Schatz für mich. Wir hören nahezu die gleiche Musik, gehen öfter Essen da wir beide nicht gern kochen. Ich hätte noch viel mehr Ideen was man machen könnte, aber entweder will sie mich nicht dabei haben, oder meine Ideen sind zu langweilig für sie. Sie verbringt oft Tage im Bett und ist deprimiert. Dann geht gar nichts mehr. Sie kümmert sich nicht um die Wohnung oder um den Kater und schläft viel. Zu viel wie ich denke.
Ich habe von Anfang an mit offenen Karten gespielt als wir uns kennengelernt haben. Habe nichts ausgelassen, auch auf die Gefahr hin, das dann eventuell kein Treffen zusammen kommen würde. Ich halte nichts davon mich zu verstellen.
Sie war jedoch nicht offen und ehrlich zu mir, hat mir relevante Dinge verschwiegen, die erst mit der Zeit zur Sprache kamen. Zu erwähnen wäre da ein Schuldenberg den sie allein zu tilgen nicht mehr in der Lage war. Da ich ihr helfen wollte, habe ich die 5 stellige Summe beglichen, in der Hoffnung das damit ihre Sorge und Traurigkeit verschwindet.
Aber genau das Gegenteil war der Fall. Genau nach dieser Schuldenaktion kam die Absage bzgl der Sexualität.
Ob sie zu einer wirklich offenen Aussprache fähig ist, muss ich mittlerweile bezweifeln. Sie kann (so sagt sie) nicht über ihr Inneres reden und so kommen alle Informationen nur in sehr reduzierter Form zur Sprache.
Irgendwie habe ich meine gesamte Hilfsbereitschaft und Verständnis in ihre Situation gegeben. Aber dies war nicht des Rätsels Lösung.
LG
shadowplay
Hallo shadowplay,
ich habe noch mal einen Erröffnungspost langsam durchgelesen und ihn innerlich gegenübergestellt zu deinen letzteren Beiträgen, von heute zum Beispiel. Deine letzteren erklärenden Beiträge sind viel reflektierter und lassen für mich erkennen dass Du sie wirklich sehr geliebt hast und dass da noch sehr viel mehr war/ist. Dein Eröffnungsbeitrag lässt teils einen falschen Eindruck entstehen, vermittelt leider nicht so richtig das ganze, da ist sehr viel Frustration, vielleicht auch Wut drin.
Mir ist beim lesen jetzt so klar geworden, dass die Frau die Du beschreibst tatsächlich ziemliche Probleme zu haben scheint. Dass sie von sich behauptet: "Sie kann nicht über ihr Inneres reden" ist für mich so eine Art rote Lampe (red Flag). Das ergibt nicht wirklich Sinn, weil alle Frauen die ich bis jetzt kennengelernt habe konnten gar nicht mehr damit aufhören über ihr inneres zu reden, in Konflikt Situation, wo es zu einer offenen Aussprache gekommen ist, egal ob mit oder ohne therapeutischer Moderation. Der Punkt gibt mir sehr zu denken.
So wie Du es beschrieben hast, hat sie wohl eine größere Affäre gehabt, es gibt sonst keine plausible Erklärung weshalb sie sich von jetzt auf gleich dir gänzlich entzieht. Ich gehe davon aus dass diese Affäre für sie schiefgegangen ist, weil alle Männer die sie spannend gefunden hätte, natürlich schon besetzt sind, das liegt in der Natur der Sache. Die neurotischen Verhaltensweisen von ihr, in dem Zusammenhang, würden in diesem Kontext passen. Die Entschuldung die Du für sie gemacht hast, hat dann für sie gewirkt wie ein Befreiungsschlag, weil sie sich in keiner Abhängigkeit mehr gesehen hat und sich gedacht hat, "jetzt kann ich eh machen was ich will"... und das hat sie dann wohl auch getan. Bis dahin wusste sie sich noch wohl zu verhalten Dir gegenüber, die Hintergründe dazu werden dann selbsterklärend.
Trotzdem ist da noch viel mehr, ich habe jetzt nur mal zusammengefasst was für mich ganz oben liegt. Dass die Frau unglücklich ist mit ihrem Leben, kann ich anhand deiner neueren Erklärungen nachvollziehen, der Kontext ergibt Sinn, also anhand von dem bisschen was ich weiß. Das generelle neurotische Verhalten der Frau ist aber nicht so ganz oder abschließend erklärbar, da gibt es noch eine große Anzahl von Fragezeichen für mich. Mir kommt dazu noch der Begriff Narzissmus in den Sinn, bezogen auf sie, das würde auch gut zusammen passen mit der narzisstischen Umgebung in der "südlichen Metropole" aus der sie "zurück gestürzt ist" in die Provinz, wie Du schreibst.
Auch das nicht nachlassende Bedürfnis angeglotzt zu werden von allen möglichen und unmöglichen Männern, deutet in Richtung von einem extremen Narzissmus, dass sie dabei ihre Ressourcen jedem ins Gesicht hängen muss, ist dann schon beinahe ein nebensächliches Detail. Das sie dabei aber, im scheinbaren Widerspruch, innerlich völlig verklemmt und unfrei ist, passt auch für eine Narzisstin. Trotzdem tut sie mir leid, weil anscheinend hat sie sich doch sehr weit vergaloppiert, was aber nicht wirklich sehr überraschend ist, bei etwas Überlegung.
Gut wäre wenn ihr es schaffen würdet zu reden, richtig mal offen zu reden, egal ob die Beziehung noch zu retten ist oder nicht. Problem ist, das artet dann meist in gegenseitigen Vorwürfen und streit aus. Aber vielleicht findet ihr ja doch noch einen weg ins Zwiegespräch.